Mülltrennung in Spanien: Warum Bürger für das Recycling bezahlen
Ein Bürger stellt seinen Müllsack neben ein geparktes Motorrad, weil der Container von seinem Gehweg entfernt wurde und er den Bus nicht verpassen will. Ein anderer behauptet, er zahle die Abfallentsorgung doppelt: über die IBI (Grundsteuer) und über die Wasserrechnung. Ein Dritter erinnert sich, dass in seinem Viertel ein privates Unternehmen der Nachbarschaftsverein für Glas und Karton bezahlte, womit ein jährliches Fest finanziert wurde. Diese Szene wiederholt sich in ganz Spanien: Die Bürger trennen, transportieren und bezahlen, während die Abfallwirtschaft von Unternehmen durchgeführt wird, die für die Entsorgung Gebühren verlangen. Die zentrale Frage ist simpel: Wenn Müll einen Wert hat, warum fließt der Gewinn dann nicht zu demjenigen, der ihn erzeugt?
Was genau man für die Müllentsorgung bezahlt
Laut einem Teilnehmer existieren in Spanien zwei Systeme nebeneinander. Die kommunale Abfallgebühr deckt die Abholung des grauen Containers ab, der für nicht recycelbaren Müll gedacht ist. Die gelben, blauen und grünen Container funktionieren über Vereinbarungen: Kollektive Systeme, die von den Herstellern geschaffen wurden — Ecoembes für Verpackungen und Karton, Ecovidrio für Glas, Ambilamp für Glühbirnen und Sigre für Medikamente — finanzieren deren Sammlung und bezahlen die Gemeinden für die Verwaltung, gemäß dem Ley 11/1997 de envases (Verpackungsgesetz). Der Bürger zahlt also nicht direkt für das Recycling: Er zahlt die Abfallgebühr und zusätzlich den Aufpreis der Verpackung, der bereits im Produktpreis enthalten war. Diese Doppelzahlung sorgt für Empörung.
Es gibt die Ansicht, dass das System so konzipiert ist, dass die Bürger die Arbeit umsonlos erledigen — das Trennen zu Hause — während die Unternehmen den Wert des Materials einstreichen. Die gängige Kalkulation besagt, dass Dosen zu neuem Metall geschmolzen, Glas wiederverwendet und Essensreste zu Kompost verarbeitet werden können, dieser Wert jedoch nicht bei den Erzeugern ankommt. Die Schlussfolgerung einiger ist, dass die häusliche Mülltrennung eine Externalität ist, die der Industrie geschenkt wird.
Die Plastiksteuer und Müllsäcke, die doppelt so viel kosten
Zur kommunalen Gebühr ist laut einem Teilnehmer die Plastiksteuer hinzugekommen, die sich im Endpreis von verpackten Produkten und in der Fast-Food-Gastronomie niederschlägt. Die Auswirkungen sind im Warenkorb spürbar: Laut demselben Teilnehmer kosten Müllsäcke mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr, und in lokalen Obstläden kosten Gemüse sorten oft nicht weniger als einen Euro pro Kilo. Die Inflation bei den Verpackungen wird an den Verbraucher weitergegeben, der ohnehin schon die Gebühr zahlt. Das Ergebnis ist laut Kritikern, dass der Bürger dreimal zahlt: die Gebühr, die Steuer und den Aufpreis der Verpackung.
Das offizielle Argument lautet, dass die Steuer den Plastikverbrauch abschreckt und den Übergang finanziert. Das skeptische Argument ist, dass das Geld in der Verwaltung bleibt, ohne dass sich der Service verbessert. Der Beweis, den Kritiker anführen, ist, dass die tatsächliche Recyclingquote von Verpackungen nicht einmal 25 % erreicht, obwohl die gesetzliche Verpflichtung der Verpackungshersteller darin besteht, 100 % zu recyceln. Die Lücke zwischen Verpflichtung und Ergebnis ist der Kern des Problems.
Was passiert, wenn der Container vom Gehweg verschwindet
Auch die Logistik spielt dagegen. In einigen Vierteln wurden Container vom Gehweg entfernt und an die nächste Straßenecke verlegt; in anderen hat die Änderung des Containermodells nahegelegene Sammelstellen eliminiert. Die Folge ist, dass der Bürger, der für den Dienst bezahlt, ihn nicht erhält, und die spontane Reaktion ist, den Sack einfach irgendwo abzustellen. Zugangskarten für die Container, die einige Verwaltungen angekündigt haben, stoßen auf explizite Ablehnung: Es gibt Warnungen, dass die Container am nächsten Morgen beschädigt sein könnten.
Ein internationaler Vergleich bietet sich an. In den Niederlanden gibt es ein Pfandsystem mit Rabattmarken im Supermarkt, und in New York verdienen informelle Flaschensammelnde täglich ein Extra ohne bürokratische Hürden. Die Frage ist, was passieren würde, wenn man dies in Spanien versuchen würde: Anmeldung bei der Seguridad Social (Sozialversicherung), vierteljährliche Mehrwertsteuer, kommunale Lizenz, Schulung zur Abfallbehandlung und eine zertifizierte Arbeitskleidung inklusive der entsprechenden 21 % Abgaben. Die Bürokratie frisst den Anreiz auf.
Abfall als Geschäft, das andere bereits ausnutzen
Abfall hat einen Marktwert, und es gibt Menschen, die ihn bereits abschöpfen. In manchen Vierteln verschwinden eine Matratze oder ein Elektrogerät innerhalb von Minuten, weil jemand mit einem Transporter kommt, um es auf dem Schrottplatz zu verkaufen. Informelle Schrottsammler verdienen laut gängigen Berechnungen täglich hundert Euro oder mehr. Der Vorschlag, der aufkommt, ist die Schaffung von Lagerhallen, in denen man einige Cent pro Dose, Glas oder Elektrogerät erhält, damit die informellen Sammler ihre Runden drehen können. Das aktuelle System verbietet es hingegen, dass jemand den Müll der Bürger kauft.
Der Widerspruch ist offensichtlich: Der Abfall ist Geld wert, aber der Bürger zahlt dafür, dass er ihn loswird, und darf ihn nicht verkaufen. Das Geschäft wird von den Konzessionsinhabern, den kollektiven Systemen und den informell agierenden Sammlern übernommen. Der Bürger steht dazwischen, zahlt die Gebühr und verschenkt das Material.
Der Kern der Sache: Wer behält den Wert?
Die Diskussion verlagert sich hin zu den öffentlichen Ausgaben und den EU-Fonds. Es wird behauptet, dass die Next-Generation-Fonds, die theoretisch kleinen und mittleren Unternehmen nach der Pandemie helfen sollten, nicht in der Realwirtschaft angekommen sind, sondern in „Chiringuitos“ (politischen Zweckbetrieben), autonomen Gemeinschaften und Gemeinden für unproduktive Stellen verbraucht wurden. Die Verbindung zum Müll ist direkt: Wenn öffentliche Gelder intransparent verwaltet werden, misstrauen die Bürger, dass ihre Gebühren sinnvoll verwendet werden.
Ein Abschluss der Debatte bleibt aus. Die einen verteidigen das System und sagen, das Trennen koste nichts; die anderen entgegnen, dass jemand für den Abfall bezahlen sollte, wenn er einen Wert hat. Die einzige Zahl, die niemand bestreitet, ist, dass der Bürger zahlt, trennt und transportiert. Der Gewinn hingegen erscheint nicht auf seiner Rechnung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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