Mietkrise auf Teneriffa: Nur 11 Wohnungen unter 600 Euro

Ein Mieter auf Teneriffa fand nur 11 Wohnungen unter 600 Euro, was zeigt, dass die Mietpreise auch außerhalb von Madrid und Barcelona explodieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mietkrise auf Teneriffa: Nur 11 Wohnungen unter 600 Euro
Unmögliche Mieten: 11 Wohnungen auf einer ganzen Insel für unter 600 Euro

Wo soll jemand wohnen, der sich nur 600 Euro im Monat leisten kann? Diese Frage wirft ein Nutzer aus Santa Cruz de Tenerife auf. Bis vor zwei Jahren zahlte er 400 Euro für seine Wohnung in der Hauptstadt von Teneriffa (Santa Cruz). Er zog aus persönlichen Gründen aus, und als er mit dem Limit von 600 Euro erneut suchte, lieferte das Immobilienportal 11 Angebote auf der gesamten Insel. Nicht in der Gemeinde. Nicht im Ballungsraum. Auf der ganzen Insel. Die Beschwerde, die in den sozialen Medien viral ging, fasst ein Phänomen zusammen, das nicht mehr auf Madrid, Barcelona oder die baskischen Hauptstädte beschränkt ist: Die Mietpreise sind auch in Märkten explodiert, die bisher als Zufluchtsorte galten.

Die Mietkarte, die sich nicht mehr auf Großstädte beschränkt

Die Verlagerung des Problems in periphere Gebiete hat konkrete Beispiele. In einem Dorf im Landesinneren von Valencia wurden 800 Euro für eine Dreizimmerwohnung aus den späten 90ern verlangt, wie ein Zeuge direkt vom Eigentümer hörte. Der unmittelbare Vergleich: Ein Verwandter zahlte 450 Euro für eine Wohnung aus den 80ern und zog aus; die Eigentümerin wird sie wahrscheinlich wieder für mindestens 600 Euro inserieren, und die Anzeige dürfte kaum drei Tage halten.

Das Muster wiederholt sich im Landesinneren von Huesca. In Orten wie Barbastro, Monzón, Binéfar, Jaca oder Sabiñánigo werden Dreizimmerwohnungen für 700 Euro vermietet, während Einzelzimmer zwischen 200 und 250 Euro kosten – Zahlen, die vor zehn Jahren Zimmern in Madrid nahe der Ringstraße M-30 entsprachen. In Galicien gehört A Coruña laut Daten des Portals Idealista zu den Städten mit dem stärksten Anstieg bei WG-Zimmern.

Die Folge ist ein Markt, auf dem Mieter mit knappem Budget effektiv verdrängt werden. Eine häufige Analyse formuliert es unverblümt: Wenn Ihr Limit 600 Euro beträgt, ist das realistische einzige Option ein Zimmer zu mieten.

Warum Vermieter aufgehört haben zu vermieten

Die Geschichte des schrumpfenden Angebots hat eine weniger sichtbare Seite: Eigentümer, die beschließen, ihre Wohnungen nicht auf den Markt zu bringen. Ein expliziter Fall: Jemand mit zwei leerstehenden Wohnungen macht die Rückkehr zur Vermietung von strengeren Regeln gegen Hausbesetzungen und Mietausfälle abhängig und erwägt den Verkauf sowie die Anlage des Geldes in Festgeld oder Indexfonds. Ein anderer Eigentümer, der kürzlich ein Haus zur Renovierung und Eigennutzung kaufte, gibt zu, dass er plant, seine alte Wohnung zu vermieten, aber es kommt ihm gar nicht in den Sinn, sie auf Portalen anzubieten: Er lässt keinen Fremden für 1.000 Euro rein.

Rechtssicherheit ist das zentrale Argument dieser Strömung. Es wird argumentiert, dass die Duldung von Besetzungen ohne schnelle Reaktion den Mietmarkt schließt, und dass eine Unterscheidung zwischen kleinen und großen Eigentümern nötig wäre, um Schnellräumungen für Erstere zu legalisieren. Parallel dazu verstärkt das bis 2025 mit einer Partei vereinbarte Verbot von Zwangsräumungen bei vulnerablen Personen diese Wahrnehmung: Nur wer keine Kinder hat, ein gutes Gehalt, sechs Monate Bürgschaft nachweist und die Versicherungsklauseln erfüllt, wird vermieten.

Demografie als Ausrede und Ursache

Der zweite Block der Argumente deutet auf eine strukturelle Diskrepanz zwischen Wohnraum und Bevölkerung hin. In der Diskussion genannte Daten: Die Kanarischen Inseln wuchsen von 836.512 Einwohnern 2008 auf 958.834 2024, wobei der Neubau seit der Finanzkrise praktisch stillsteht. Mehr Menschen, weniger neue Bauten, gleicher Bestand.

Hinzu kommt eine Veränderung der Haushaltsstruktur. Jeder fünfte Haushalt in Spanien ist ein Einpersonenhaushalt, und die Preismechanismen begrenzen eine Zahl, die weiter steigen könnte. Die Geburtenrate sinkt, aber die Nachfrage nach Wohnraum steigt, weil immer mehr Menschen allein leben. Der Vergleich mit Österreich dient als Kontrast: Die Geburtenrate ist nur leicht höher als in Spanien, doch die Mieten in Madrid übersteigen die in Wien trotz mehr Beschäftigung in der österreichischen Hauptstadt. Die Quote der Selbstständigkeit ohne Wohngemeinschaft in Spanien gehört zu den niedrigsten weltweit.

Spannungsgebiete, Tourismus und verschwindende Mietangebote

Die Erklärung von Spannungsgebieten zur Regulierung der Höchstpreise wird skeptisch betrachtet. Die häufigste Kritik: Die Karte der Spannungsgebiete sollte Karte der gebiete ohne Angebot heißen, denn in diesen Vierteln herrscht Sättigung durch Bewohner und es gibt kaum Leerstand. Regulierung schafft keine Wohnungen, wo keine existieren.

Auf den Kanaren kommt der Tourismussektor hinzu. Kurzzeitvermietungen sind unreguliert, und die Ankunft europäischer Rentner und Digital Nomads mit Kaufkraft wird begünstigt: 1.000 Euro für eine Zweizimmerwohnung erscheint ihnen günstig. Das Bild ergibt einen Markt, auf dem lokale Einwohner nicht konkurrieren können, mit Preisen nahe denen der Balearen und einem Angebot, das sich auf Besucher verlagert.

Der Generationenkonflikt, den niemand sehen will

Es gibt einen unbequemen Aspekt: Die Abrechnung zwischen denen, die vor Jahren kauften, und denen, die sie verlachten. Die Botschaft ist eindeutig: Jahrelang wurden Hypothekenzahler verspottet, man sagte, Mieten sei Geldverschwendung, und Vermieter sollten gezwungen werden, die Miete um 30 % zu senken oder Verträge dort abzulegen, wo die Sonne nicht scheint. Jetzt, mit abbezahlten Hypotheken, schauen einige zu, wie jene leiden, die sich für schlauer hielten. Die Ironie verdeckt eine Tatsache: Die Spirale ist nicht tragbar, und die soziale Spannung betrifft alle.



Mit diesen Unterschieden hätte die Verdrängung von Durchschnittsverdienern eine Korrektur auslösen müssen. Sie bleibt aus. Währenddessen lassen Eigentümer, die vermieten könnten, ihre Wohnungen lieber leer. Niemand weiß, wie lange das hält.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (111 Antworten).

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