Mietkrise auf den Kanaren: Gehalt von 1.573 € im Fokus

Forumdebatte über Mieten auf den Kanarischen Inseln: Bei einem Gehalt von 1.573 € führt die 30%-Regel zu unbezahlbaren Wohnkosten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mietkrise auf den Kanaren: Gehalt von 1.573 € im Fokus
Bei einem Durchschnittsgehalt von 1.573 € verschlingen die Kanaren-Mieten mehr als die Hälfte

Ein Durchschnittsgehalt von 1.573 Euro. Eine Wohnung mit 40 Quadratmetern. Die Rechnung, die sich aus der Kombination dieser beiden Daten ergibt, hat die Debatte entfacht: Wenn Vermieter die 30%-Regel anwenden, die oft in Ratgebern zur Haushaltsführung zitiert wird, sollte die Miete bei 943,80 Euro liegen. In der Praxis wird dieselbe Wohnung in Santa Cruz de Tenerife und weiten Teilen des Archipels deutlich teurer angeboten. Die Kluft zwischen dem, was der Lohnzettel hergibt, und dem, was der Vermieter verlangt, ist das eigentliche Thema dieser seit fast vier Jahren laufenden Diskussion.

Der Ausgangspunkt ist eine Zahl, die wie ein Mantra wiederholt wird: 1.573 Euro netto pro Monat. Davon ausgehend macht jeder seine eigene Rechnung. Manche behaupten, dass zwei Gehälter problemlos in eine 40-Quadratmeter-Wohnung passen – da die Erwerbstätigkeit von Frauen das Haushaltseinkommen vervielfacht hat – und der Vermieter daher von 3.146 Euro ausgeht und 943,80 Euro verlangt. Das Problem ist, dass diese Berechnung voraussetzt, dass jeder Haushalt zwei volle Gehälter hat, was nicht immer der Fall ist. Es wird argumentiert, dass ein Bauarbeiter und eine Verkäuferin diese Summe bei Weitem nicht erreichen.

Wie teuer ist das Mieten auf den Kanaren wirklich?

Die in der Konversation geteilten Erfahrungsberichte zeichnen ein ungleiches Bild. Im Zentrum von Santa Cruz schießen die Preise in die Höhe; in Randbezirken der Insel finden sich Wohnungen für 500 Euro, allerdings oft nicht unter den erwarteten Bedingungen. In La Laguna wird eine Wohnung, die 2019 für 550 Euro vermietet wurde, nun zum doppelten Preis angeboten. Im Süden wird es für einen durchschnittlichen Angestellten direkt unbezahlbar. Auf anderen Inseln wird der Wohnungsmangel zunehmend zum Hindernis bei der Besetzung von Stellen: Unternehmen finden niemanden, der eine Arbeit annimmt, weil es keinen Schlafplatz gibt.

Die häufigste Erklärung verweist auf Ferienvermietungen. Jede Wohnung, die in touristische Unterkünfte umgewandelt wird, verschwindet vom regulären Wohnungsmarkt. Das Ergebnis ist ein immer knapper werdendes Angebot bei konstanter Nachfrage, was die Preise nach oben treibt. Dies ist kein Phänomen, das nur auf die Kanaren beschränkt ist: Die Balearen kämpfen seit Jahren denselben Kampf, und die Diagnose vom Archipel lautet, dass dort die Partie bereits verloren ist. Jede neu gebaute oder gekaufte Wohnung geht an ausländische Käufer.

Der zahlungskräftige Tourist und der benachteiligte Einheimische

Eine Strömung zeigt direkt auf wohlhabende ausländische Besucher: digitale Nomaden mit Gehältern aus anderen Ländern, Rentner mit europäischen Pensionen und Käufer, die anreisen, mieten oder kaufen, ihren Wohnsitz anmelden und steuerliche Vorteile sowie subventionierte Flüge nutzen. Für sie sind Preise, die hier als überhöht gelten, günstig. Diese Kaufkraft treibt den gesamten Markt nach oben und schließt Einheimische aus, die in kanarischen Euro verdienen.

Dem gegenüber steht eine andere Analyse, die besagt, dass das Problem nicht der Durchschnittstourist sei, sondern die Produktionsstruktur. Die Kanaren leben vom Tourismus, und der Tourismus erzeugt viele Jobs mit niedrigen Löhnen, wechselnden Schichten und Befristungen. Der eingehende Reichtum schlägt sich nicht in höheren Gehältern für die Dienstleister nieder. Es wird sogar ein psychologischer Effekt angeführt: Das Klima, das Licht und das Meer nehmen den Druck, erfolgreich zu sein, und dieser Komfort endet in Lohnstagnation. Die Produktivität leidet, und der Kreis schließt sich.

Bürokratie als wirtschaftliches Bremsklotz

Ein weiterer Aspekt der Debatte richtet sich gegen den administrativen Dschungel. Beschrieben wird ein Ökosystem, in dem Gesetze, Gegengesetze, Behörden und Institutionen wuchern und mehr Papierkrieg erzeugen, als sie lösen. Die Beschwerde lautet, dass die Sonderzone der Kanaren (Zona Especial Canaria), die als Steueranreiz konzipiert war, durch Verfahren belastet wird, die Unternehmen abschrecken. Zwar wird anerkannt, dass Bürokratie nicht die direkte Ursache der Mietpreise ist, doch gilt sie als Faktor, der die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und damit die Möglichkeit, Löhne zu erhöhen, begrenzt.

Parallel dazu wird der Versuch erwähnt, ein kanarisches Aufenthaltsgesetz nach Schweizer Vorbild zu erlassen, bei dem Ausländer Immobilien nicht so leicht kaufen können. Die Idee liegt seit zwei oder drei Jahren auf dem Tisch, aber aus Europa wäre signalisiert worden, dass sie nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Die Debatte bleibt offen und ohne klares Ergebnis zum Zeitpunkt dieser Diskussion.

Ist die Lösung, wegziehen oder im Van schlafen?

Die vorgeschlagenen Lösungen reichen von Sarkasmus bis Resignation. Manche empfehlen, sich die Wohnung mit fünf Personen zu teilen, illegal einzuziehen, im Van zu schlafen oder weiter außerhalb zu suchen. Andere appellieren an das Sparen vorab für eine Hypothekenanzahlung, mit dem Argument, dass frühere Generationen dies getan hätten, während die jetzigen ihr Geld für Partys ausgäben. Die Antwort auf diese These kommt schnell: Mit den aktuellen Preisen sind die notwendigen Ersparnisse für eine Anzahlung für jene, die mehr als die Hälfte ihres Gehalts für das Dach über dem Kopf ausgeben, unerreichbar geworden.

Im Kern geht es um eine Spannung, die sich nicht mit Schlagworten lösen lässt. Löhne erhöhen, sagen einige, würde nur dazu führen, dass die Preise noch stärker steigen, wenn das Wohnungsangebot nicht wächst. Mehr bauen kollidiert mit Flächenbeschränkungen und touristischem Druck. Ferienvermietungen regulieren scheitert an EU-Vorschriften. Und währenddessen schaut der Einheimische, der 1.573 Euro verdient, die Anzeigen an und rechnet nach – ohne Erfolg. Wie stark muss ein Gehalt steigen, damit es keine Utopie mehr ist, dort zu leben, wo man arbeitet?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (117 Antworten).

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