Marokko bestreitet vor der UN Landgrenze zu Spanien

Rabat leugnet die Existenz einer Landgrenze und bezeichnet Melilla als besetzte Festung. Welche Schutzgarantien gelten für Ceuta und Melilla?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Marokko bestreitet vor der UN Landgrenze zu Spanien
Marokko erklärt der UN, es gebe keine Landgrenze mit Spanien

Die marokkanische Regierung musste dem UN-Menschenrechtsrat erklären, warum ihre Kräfte beim massenhaften Ansturm auf den Zaun von Melilla am 24. Juni gegen afrikanische Migranten «exzessive und tödliche Gewalt» angewendet hatten. Rabat antwortete mit Verweis auf Kartenmaterial. In einem von Europa Press vorab veröffentlichten Brief stellt das alawitische Königreich gleich im ersten Absatz klar, dass es «keine Landgrenzen mit Spanien» habe. Wenn es keine Grenze gibt, gibt es keinen Zaun. Und ohne Zaun löst sich die unbequeme Frage von selbst.

Die Doktrin der besetzten Festung

Diese Formulierung ist nicht neu. Rabat erkennt die spanische Souveränität über Ceuta und Melilla nicht an; manche fügen sogar die Kanarischen Inseln zur Liste der Ansprüche hinzu. Entscheidend ist der Kontext: Die Übertragung dieser These in eine formelle Antwort an ein internationales Gremium für Menschenrechte macht die Leugnung der Landgrenze zum Argumentationsrahmen für die Rechtfertigung des Geschehens am Grenzzaun. Nach dieser Lesart ist Melilla keine spanische Stadt mit einer Grenze, sondern eine besetzte Festung, deren Zaun rechtlich nicht existiert. Spanien vertritt seit Jahrhunderten die gegenteilige Position, und dieser Konflikt wird nicht vor Gericht, sondern im täglichen diplomatischen Ringen ausgetragen.

[SIZE-5]Wer würde Ceuta und Melilla verteidigen, wenn dieses Territorium außerhalb des Schutzes liegt?[/SIZE]

Hier liegt der Punkt, der in Madrid am meisten beunruhigt und erklärt, warum dieser Brief als mehr als nur eine diplomatische Entgleisung gelesen wurde. Der Gründungsvertrag der NATO definiert präzise den geografischen Geltungsbereich des Schutzes, und dieser umfasst kein afrikanisches Gebiet. Ein Angriff auf Ceuta und Melilla löst daher nicht automatisch die kollektive Verteidigungsreaktion aus. Wer darauf hinweist, erhält stets dieselbe Antwort: Abschreckung ist keine Klausel, sondern politischer Wille, und kein Verbündeter hat Zuständigkeiten für Grenzpolitik oder Migrationshilfe, die streng spanische Angelegenheiten sind. Die NATO für das Geschehen am Zaun verantwortlich zu machen, verwechselt eine Feuerversicherung mit der kommunalen Müllabfuhr.

Der Vertrag von Lissabon, der einzige angerufene Schutzschirm

Die tatsächlich zitierte Absicherung ist europäisch: die Beistandsklausel des Vertrags von Lissabon, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, sich im Falle eines bewaffneten Angriffs gegenseitig Hilfe zu leisten. Ceuta und Melilla gehören zum Hoheitsgebiet der Europäischen Union, mit besonderen Zollstatuten. Das Problem liegt nicht im Wortlaut, sondern in der Präzedenzlosigkeit: Diese Klausel wurde noch nie getestet. In dieser Lücke wächst das Misstrauen, das jedes Mal entsteht, wenn man die Behandlung mit Gibraltar vergleicht – einer britischen Kolonie auf iberischem Boden, die in Washington niemand anzweifelt. Auf dem Tisch liegt zudem der Vorfall der Bespitzelung des spanischen Regierungschefs mit der Software Pegasus, die laut Berichten mit marokkanischen Diensten in Verbindung gebracht wird.

Von 4 % auf 6 % des BIP: Die Rechnung, die kein Verbündeter zahlt

Der Brief hat das alte Argument wiederbelebt, dass die beste Verteidigung einer Grenze das eigene Budget sei. Die genannten Referenzen sind hoch: ein Mindestengagement von 4 % des BIP für Verteidigung und Szenarien von bis zu 5–6 % für ein Land, das gleichzeitig Außengrenze der EU und der NATO ist. Spanien erreichte dieses Ziel nicht. Als realistisches Alternativmodell wird Schweden angeführt: ein kleines Land, das Gripen-Kampfjets, U-Boote vom Typ Gotland und NLAW-Raketen im eigenen Land produziert, gerade um nicht davon abhängig zu sein, dass jemand anderes es verteidigt.

Perejil, das Atomkraftwerk und das grüne Licht, das überwacht wird

Im Argumentarium taucht immer wieder ein Präzedenzfall auf: die Insel Perejil, als Washington tatsächlich zum Telefon griff, um den Status quo wiederherzustellen. Daher die stärkste kursierende Hypothese: Rabat verhandelt mit Moskau über den Bau eines Atomkraftwerks, und falls diese Vereinbarung scheitert, wird dies als Signal gewertet, dass Marokko grünes Licht erhalten hat, um bei Ceuta und Melilla Druck auszuüben. Es ist eine unbestätigte Hypothese, die auch so behandelt werden sollte. Aber sie erklärt, warum jede diplomatische Geste Marokkos nun wie eine Ampel interpretiert wird.

Es bleiben zwei unbequeme Gewissheiten. Erstens: Ein Verfahren wegen Todesfällen an einem Zaun ist zu einem Streit darüber geworden, ob dieser Zaun überhaupt existiert. Zweitens ist es die Spanne der Zahlen, die das gesamte Thema überschwebt, zwischen 4 % und 6 % des BIP. Das wäre der Preis für eine Selbstverteidigung ohne fremde Hilfe. Und das zahlt heute kein Verbündeter.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (174 Antworten).

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