Madrid: Vier Stunden Wartezeit für einen Hamburger
Vier Stunden warten, um im Food Truck einen Hamburger zu essen. Zweihundert Meter Schlange stehen für ein Bacalhau-Bällchen. Wartelisten mit über hundert Personen für ein Calamar-Sandwich. Die Paradoxie des Zentrums von Madrid ist nicht, dass es voll ist – das weiß man seit Jahrzehnten –, sondern dass sich laut der dominierenden Debatte viele derer, die über die Überfüllung klagen, selbst früh aufmachen, um ganz vorne in der Reihe zu stehen. Die Schlangen in Madrid sind vom notwendiges Übel zum Spektakel geworden. Und dieses Spektakel hat jedes verlängerte Wochenende sein Publikum.
Warum bilden sich vierstündige Schlangen in Madrid?
Das verlängerte Wochenende zur Unbefleckten Empfängnis verwandelt das Zentrum in das, was eine häufige Beschreibung als Dystopie des Wartens bezeichnet. Es gibt nächtliche Schlangen vor Eröffnungen von Pop-up-Stores für günstige chinesische Kleidung; es gibt Reihen, die einmal um den Häuserblock gehen, vor der berühmtesten Lotterieannahmestelle der Hauptstadt; es gibt Rangeleien in der Schlange vor dem Food Truck von Daviz Muñoz und Streitigkeiten in anderen Reihen, bei denen die Polizei eingreifen musste. Das Muster wiederholt sich: Wenn etwas in Mode kommt, hört das Warten auf, der Preis zu sein, und wird zum Beweis dafür, dass der Ort seinen Besuch wert ist.
Die am weitesten verbreitete Erklärung hat einen Namen: Jaranafilia. Der unbedingte Drang, dorthin zu gehen, wo alle sind, den Sonnenschirm neben den einzigen beiden auf einem leeren Strand aufzustellen, früh aufzustehen, um ein Stück Sand zu ergattern, oder jemanden in einer Schlange zu fragen, warum er wartet, falls man sich vielleicht auch anschließen kann. Ein Teilnehmer berichtet, dass in Japan Ähnliches passiert: Wenn ein Lokal keine Schlange hat, wird interpretiert, dass es sich nicht lohnt, hineinzugehen.
Das Zentrum füllt sich mit Besuchern aus anderen Provinzen
Nicht alle sind ausländische Touristen. Ein Teil der Analyse besagt, dass ein großer Teil der weihnachtlichen Menschenansammlungen von Besuchern aus anderen spanischen Provinzen stammt: Familien, die kommen, um in Kaufhäusern oder Möbelketten einzukaufen, um ihre Kinder in einen Freizeitpark oder zum Eislaufen zu bringen. Manche durchqueren das Land mit dem Auto – acht Stunden am Steuer –, um Weihnachtsbeleuchtung zu sehen. Und manche reisen an, um in Franchise-Restaurants zu essen, die bald auch in ihrer eigenen Stadt eröffnen werden.
Ist Madrid die einzige Stadt mit langen Schlangen?
Nein. Sevilla verzeichnet im Dezember-Wochenende volle Straßen, bis hin dazu, dass Restaurants „Ausgebucht“-Schilder aushängen. Wer diese These verteidigt, fragt, warum das Zentrum der Hauptstadt kritisiert wird, nicht aber das von Vigo oder Barcelona, wo Tourismus und Wohnkosten die Anwohner gleich stark oder stärker verdrängen. Die schnelle Antwort lautet, dass Madrid als Spiegel fungiert: Auf ihm wird alles projiziert, was am aktuellen Modell stört.
Der Preis der Zentralität: Mieten und Verdrängung der Nachbarschaft
Die Party der Gastronomie hat ihren Preis. In der Hauptstadt treffen sich Mieten um 1.500 Euro, und manche hinzufügen, dass der öffentliche Nahverkehr an Tagen mit höchstem Andrang das Volumen nicht bewältigen kann. Wer im Zentrum lebt, beschreibt eine reale Stadt – die alteingesessene – auf dem Weg an die Peripherie: Zuerst haben die Preise die Ärmsten aus dem Zentrum vertrieben; nun verdrängt die Aneignung des öffentlichen Raums sie noch weiter. Das soziale Gefüge, das die Stadt attraktiv machte, löst sich auf, während sich die Franchise-Ketten vermehren.
Neun Euro für Patatas Bravas mit anderthalb Stunden Wartezeit
Das touristische Menü hat diese Preise: Patatas Bravas in der Gran Vía für 9 Euro und anderthalb Stunden Schlange stehen, Weihnachtsmärkte mit aufgeblähten Preisen, ein Black Friday, der wie ein lokales Fest gefeiert wird. Die Ausnahme von der Regel setzen die Anwohner selbst, die zu diesen Zeiten weggehen. Diejenigen, die bleiben, leiden unter Besuchern, die langsam laufen, auf ihr Handy schauen und laut schreien, ohne zu wissen, wohin sie gehen.
Die Schlange als freiwilliges Gefängnis
Die unbequemeste These besagt, dass wer die Menge braucht, dies tut, weil er sich selbst nicht aushält; dass er die Ferien in eine andere Arbeit und die Freiheit in ein Gefängnis verwandelt hat. Die Gegenreaktion ist sofort da: Niemand zwingt jemanden, Schlange zu stehen, es sind Menschen, die frei – und, so wird hinzugefügt, dummdreist – entscheiden, wie sie ihre Zeit verbringen. An diesem Punkt schließt sich die Diskussion von selbst, denn es ist schwierig, eine Präferenz zu bestreiten.
Bei vierstündigen Schlangen und zweihundert Metern Warteschlange würde die Logik dazu einladen, wegzulaufen. Es passiert genau das Gegenteil. Was treibt so viele Menschen dazu, sich dort anzustellen, wo niemand mehr Platz hat, genau an dem Tag, an dem niemand mehr Platz hat?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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