Latein war in Spaniens BUP-Pflichtfach für eine Generation

Latein war im zweiten Jahr der BUP Pflicht für Millionen Spanier. So funktionierte das alte Lehrplanmodell.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Latein war in Spaniens BUP-Pflichtfach für eine Generation
Latein war im zweiten Jahr der BUP Pflicht für eine ganze Generation

Ein Schüler sah Latein als einjähriges Hobby – ein Entschlüsselungsspiel – und erhielt die Bestnote. Ein anderer erinnert sich an nichts: Es sei, sagt er, ein „Maria“ gewesen (ein Fach zum Durchfallen). Beide sprechen vom selben Pflichtfach im zweiten Jahr der BUP, dem heutigen vierten Jahr der Sekundarstufe II. Mindestens eine Generation lang mussten alle es belegen: Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler, an religiösen Schulen und öffentlichen Instituten. Heute ist man sich uneinig, ob es nützlich war.

2º de BUP: Das letzte gemeinsame Fach vor der Spezialisierung

Der Schlüssel liegt in der Struktur des alten Lehrplans. Im zweiten Jahr der BUP wurden Schüler noch nicht in Natur- und Geisteswissenschaften getrennt, daher fiel Latein auf alle. Ab dem dritten Jahr und COU behielten nur die geisteswissenschaftlichen Zweige es bei, während naturwissenschaftliche Fächer wie Kunstgeschichte den Platz einnahmen. Das System EGB+BUP galt von 1970 bis Anfang der 2000er, als es durch die LOGSE ersetzt wurde. Das bedeutet, dass Millionen Spanier über 43 Jahre alt Latein ohne Wahl belegt haben. Ein Teilnehmer besuchte es zwischen 1982 und 1985 an einer öffentlichen Schule und bestätigt, es auch im dritten Jahr und im COU gehabt zu haben.

Es gibt Stimmen, die dies relativieren. Wer sein Abitur auf Französisch ablegte, hatte kein Latein. Und manche Schulen ersetzten andere Fächer durch Altgriechisch je nach Gruppe. Die Situation war also nicht überall in Spanien identisch, auch wenn das Pflichtmodul im zweiten Jahr es war.

Wozu dient Latein? Das Argument der Deklinationen

Das am häufigsten genannte Argument hat wenig mit Rom zu tun. Befürworter sagen, es habe geholfen, die Deklinationen lebender Sprachen wie Russisch zu verstehen und erleichtere später Italienisch, Portugiesisch oder Katalanisch. Andere erinnern sich daran, wie es half, den Gaudeamus igitur an der Universität zu entschlüsseln, für Jura oder Inschriften auf Europa-Reisen. Manche belegten drei Jahre Latein, übersetzten die Aeneis und erreichten eine 9 in der Selectividad (spanische Hochschulzugangsprüfung) in diesem Fach.

Dagegen spricht ein einfaches Argument: Wenn das Ziel war, eine Sprache mit Deklinationen zu lernen, wäre es vielleicht besser gewesen, direkt diese Sprache zu studieren. Skeptiker meinen, oberflächliche Grundkenntnisse in einem einzigen Jahr rechtfertigen den Zeitaufwand nicht. Zwölf Jahre Schulzeit können sehr ineffizient sein, wenn jedes Fach nur an der Oberfläche bleibt.

Lehrplan und politischer Verdacht

Hier wird es politisch. Manche behaupten, die Entfernung von Latein aus dem Lehrplan sei nötig gewesen, um Spanier von ihrer Vergangenheit zu entfremden. Andere entgegnen, der Lehrplanwechsel sei ein Symptom, nicht die Ursache. Derselbe Verdacht herrscht bei Wirtschaftswissenschaften: Wenn sie nicht unterrichtet werden, wählen Wähler weiterhin gleich. Diese Lesarten sind schwer zu beweisen, aber leicht zu wiederholen.

Schwerer zu widerlegen ist die Lage an der Universität. In Geschichte wurde Latein Anfang der Transition (dem Übergang zur Demokratie) nach Studentenprotesten zum Wahlfach. Einige kritisieren, dass Studierende nun ohne die frühere Grundlage aus dem Gymnasium kommen.

Der menschliche Faktor: Der Lehrer zählt mehr als der Plan

Viele Erinnerungen handeln nicht vom Fach, sondern vom Lehrer. Einer war langweilig; eine Lehrerin unsympathisch; eine andere unvergesslich. Die unbequeme Schlussfolgerung vieler lautet: Der Lehrer bestimmt, was man jahrzehntelang hasst oder liebt, abhängig von Zufallsvariablen, die nichts mit der eigenen Begabung zu tun haben.

Andere betonen das Offensichtliche: Die damalige Sekundarstufe diente dazu, das Gehirn in einer entscheidenden Phase zu trainieren, nicht nur Inhalte zu speichern, die vergessen werden. Vom Fach bleiben Asterix-Lateinsprüche, Witze aus Das Leben des Brian und wenig anderes.



Eine Kuriosität aus Familienpapieren der 1920er: In der damaligen Volksschule wurden Nähen, Kochen und Landwirtschaft unterrichtet. Grundlegende und notwendige Fächer, so die Entdecker. Latein meanwhile bleibt im Limbo dessen, was niemand als nützlich ansieht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (230 Antworten).

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