Amenhotep II und die Exodus-Hypothese von 1446 v. Chr.

Die biblische Chronologie datiert den Exodus auf 1446 v. Chr. und nennt Amenhotep II statt Ramses II. Eine Analyse der ägyptischen Indizien und ihrer Grenzen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Amenhotep II und die Exodus-Hypothese von 1446 v. Chr.
Amenhotep II, der Pharao, der zur Exodus-Chronologie passt

Vertreter dieser Hypothese argumentieren, dass nicht Ramses II., sondern ein anderer Herrscher der Pharao des Exodus war. Die Berechnung basiert auf drei Texten in einer bestimmten Reihenfolge. Das Buch der Könige setzt den Auszug aus Ägypten 480 Jahre vor den Baubeginn des Tempels durch Salomo an, etwa 966 v. Chr., was das Ereignis nach dieser Rechnung auf 1446-1445 v. Chr. verlegt. In Richter 11:26 behauptet der Richter Jephtha, dass die Hebräer bereits dreihundert Jahre in Kanaan ansässig waren. Und Manetho, überliefert durch Flavius Josephus, liefert in dieser Lesart einen ägyptischen Namen für den Pharao der Geschichte: Amenhotep.

Die Hypothese wirft zwei Probleme auf: eines bei den Datierungen und eines bei der Archäologie. Ihre Befürworter halten keines davon für unlösbar; jedenfalls ist keines abschließend geklärt.

Warum die Chronologie Ramses ausschließt und auf die XVIII. Dynastie hinweist

Hier ist die Argumentation, wie sie dargestellt wird, fast forensisch. Der ägyptische König vor dem, der die Israeliten ziehen ließ, musste mehr als vierzig Jahre regiert haben. Thutmosis III. erfüllt diese Bedingung: Die revidierte Chronologie weist ihm 1479-1425 v. Chr. zu, fast ein halbes Jahrhundert auf dem Thron. Sein ältester Sohn, Amenemhat, starb vor ihm, sodass nicht der Erstgeborene die Krone erbte, sondern sein zweiter Sohn, Amenophis II., der zwischen 1425 und 1398 v. Chr. regierte. Der Exodus-Bericht verlangt genau diese Konstellation: einen langlebigen König und einen Nachfolger, der nicht der älteste Sohn ist. Es passt. Aber Passen heißt nicht Beweisen.

Es lohnt sich, ein Detail zu präzisieren, das in Dokumentationen oft falsch wiedergegeben wird. In Ägypten war der übliche Titel von der I. Dynastie bis Kleopatra König von Ober- und Unterägypten, hieroglyphisch geschrieben als Nswt oder Nesut. Der Begriff Pharao bedeutete „Großes Haus“, bezeichnete im Zeitalter des Cheops den Palast und wurde erst nach 1000 v. Chr. Teil der offiziellen Titulatur; die früheste bekannte Verwendung stammt aus der Zeit von Thutmosis III.

Semitische Sklaven und die Reliefs im Grab des Rekhmire

Befürworter dieser Deutung betonen, dass semitische Sklaverei im Neuen Reich existierte und dokumentiert sei; andere Teilnehmer der Diskussion bestreiten dies. Das Grab des Wesirs Rekhmire, eines hohen Beamten unter Thutmosis III. und Amenophis II., enthält Szenen von Ziegelherstellern, die laut dieser Seite vom Metropolitan Museum in New York reproduziert und schriftlich dokumentiert werden. Einige Gefangene sind mit dunklerer Haut dargestellt, andere mit hellerer. Von dort auf Nnnn zu schließen, ist ein Sprung: Um 1500 v. Chr. gab es kein jüdisches Volk als solches, sondern Kanaaniter, Apiru und Kriegsgefangene, wie sie die Hieroglyphen benennen.

Eine Zahl taucht in diesen Debatten immer wieder auf. Die ägyptische Feldzug in Kanaan und Syrien um 1440 v. Chr. hätte, so die Vertreter dieser Lesart basierend auf den Texten des Neuen Reiches selbst, über 100.000 Gefangene eingebracht. Die Größenordnung ist beeindruckend. Die Interpretation deutlich weniger.

Osarseph, Manetho und der ägyptische Name Moses

Manetho beschreibt einen abtrünnigen ägyptischen Priester namens Osarseph, der eine Gruppe Unreiner aus Ägypten herausgeführt habe. Josephus nutzte diese Passage, um sie zu widerlegen: Er argumentiert, dass Mose und Osarseph nicht dieselbe Person sein können, da beide Namen ägyptisch sind, und setzt Osarseph fünfhundert Jahre nach Mose an. Die Gleichsetzung der Hyksos mit den Vorfahren der Israeliten nimmt Josephus selbst vor, nach dieser Lesart, um damit zu prahlen, dass seine Vorfahren Ägypten eroberten, nicht aufgrund von Archivmaterial.

Habiru, Bauernaufstände und ein Schmiedegott

Gegen die Erzählung einer Massenflucht steht eine soziologische These: die von George Mendenhall, wonach die epigraphischen Quellen die Habiru oder Apiru als Banden von Rebellen und Bauern beschreiben, die in Konflikt mit den kanaanäischen Stadtstaaten standen. Israel wäre aus dieser Mischung im Binnenland entstanden, nicht aus einem Exodus. Parallel dazu suchen einige den Ursprung von JHWH bei einem Schutzgott der Schmiede in den Kupferabbaugebieten des Sinai, wobei der Bronzealtar des Exodus als liturgischer Hinweis und Ezechiel 1 als Spur dienen. Es sind Hypothesen, kein Konsens.

Die DNA von Tutanchamun und andere Schlagzeilen, die nicht helfen

Wenn die Sache festfährt, tauchen spektakuläre Daten auf. Ein Schweizer Genealogie-Zentrum, iGENEA, behauptete, dass etwa 70% der spanischen und britischen Männer ihre Abstammung mit Tutanchamun teilen, dass dies auch für 60% der Franzosen gilt und dass die Hälfte aller europäischen Männer zum selben Zweig gehören. Dass solche Daten in eine Diskussion über den Exodus eindringen, sagt viel darüber aus, wie wissenschaftliche Autorität im populären Bewusstsein konstruiert wird.

Was wirklich debattiert wird

Die schärfste Kritik an der Archäologie, die den Exodus leugnet, zielt auf ein Methodenproblem: Wenn der Pentateuch komplett um 750 v. Chr. erfunden wurde, dann erfanden seine Autoren auch die Zerstörung von Hazor und andere Episoden, die die Ausgrabungen dokumentiert haben. Die Antwort der Gegenseite ist symmetrisch: Mythos und historische Fakten koexistieren im selben Text, und sie zu trennen erfordert mehr als eine Liste von Übereinstimmungen. Der Name Finkelstein taucht auf, mal als Referenz, mal als Zielscheibe.

Wenn die revidierte Chronologie Bestand hat und eines Tages ein ägyptisches Dokument auftaucht, das die Apiru im Delta namentlich erwähnt, wird das Pendel zugunsten von Amenhotep II. ausschlagen. Setzen Sie nicht Ihr Haus aufs Spiel. Die Sinai-Wüste liegt seit einem Jahrhundert unter der Sonne und hat die Quittung für den Auszug noch nicht geliefert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (232 Antworten).

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