La Cabra eröffnet in Madrid mit Filterkaffees für bis zu 20 Euro
Zwanzig Euro. Das ist der Preis für den teuersten Kaffee, den La Cabra in seinem neuen Lokal in der Calle de las Infantas 25 im Madrider Viertel Justicia anbietet. Das ist keine gewöhnliche Tasse: Es ist ein äthiopischer Geisha aus der Gesha Village, ein Mikrolot aus der Region Oma, den das dänische Unternehmen in 250-Gramm-Päckchen verkauft und der als Handfilter-Aufguss an der Theke bis zu 20 Euro pro Zubereitung kosten kann. Das Unternehmen, 2011 in Aarhus von Esben Piper gegründet, setzt sich seit fünfzehn Jahren für helle Röstungen ein und erobert nun Madrid – in den Räumen einer ehemaligen Silberschmiede aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Nachricht ist in einer Stadt angekommen, in der Specialty Coffee neben dunkelgeröstetem Torrefacto und hohen Gläsern existiert. Und dort beginnt der Aufruhr.
Was ein Kaffee bei La Cabra wirklich kostet
Man sollte zwei Dinge auseinanderhalten, die eine einfache Schlagzeile vermischt. Das 250-Gramm-Päckchen des Geisha kostet 20 Euro und ergibt laut einer Rechnung, die im Thread kursiert, rund 30 Tassen – das würde den Kaffee auf etwa 0,66 Euro pro Portion bringen, wenn man ihn zu Hause zubereitet. An der Theke stehen rund 12 verschiedene Kaffees auf der Karte: der Espresso Terra mit Schoko- und Haselnussnoten sowie ein zweites Profil, das je nach Ernte wechselt, wie der kenianische Kiangoi für 13 Euro. Die Handfilter, zubereitet mit dem Hario Switch, kosten zwischen acht und zwanzig Euro pro Zubereitung.
Geschäftsführerin Regina Mejía erklärt es ohne Umschweife: Je heller die Röstung, desto weniger werden die Noten des Kaffees überdeckt. Geishas, sagt sie, sind subtil, fast wie ein Tee, floral und süß, mit einem Aroma, das sie an Geranien und Honig erinnert.
Preis als sozialer Filter: das Angeberei-Argument
Die häufigste Reaktion stellt nicht die Qualität infrage. Sie stellt den Kunden infrage. Manche behaupten, diese Lokale seien aspirationaler Luxus zur Selbstdarstellung in sozialen Medien, und ohne Instagram wäre ein Großteil der Specialty-Café-Szene gar nicht existent. Die These, kompromisslos vorgetragen: Der Preis kauft kein Produkt, sondern soziale Stellung.
Das Gegengewicht kommt von der Produkt- und Margenseite: Eine ertragsschwache Sorte, empfindlich im Anbau und mit Losen, die bei Auktionen verkauft werden, kann nicht so viel kosten wie eine industrielle Mischung. Und der Zielkunde sei, so diese Lesart, nicht der übliche Anwohner, sondern der zahlungskräftige Ausländer, der sich in Madrid niedergelassen hat und ohne mit der Wimper zu zahlen zahlt.
Saisonales Gebäck und eine offene Backstube
Das Lokal ist klein: eine Theke, eine lange Tafel, Sitzplätze am Fenster und eine sichtbare Backstube, in der Sauerteigbrote, Croissants und Kardamombrötchen entstehen, die mit der Saison wechseln. Zu den kuriosesten Kreationen gehören ein Buchweizen-Choux mit Feigenkompott, veredelt mit Öl aus Feigenblättern, und ein Safran-Törtchen mit Mandelboden, weißer Schokoladenganache und Vanillemousse. Herzhaft gibt es einen Morning Plate mit Brot, gereiftem Käse und Butter der Madrider Käserei Formaje.
Der Sog-Effekt, der mehr beunruhigt als die 20 Euro
Die Angst, die durch die Diskussion geistert, ist nicht, dass jemand 20 Euro zahlt. Sondern dass das Lokal nebenan die Preise anhebt. Die Sorge: Eine Kneipe im Viertel sieht das Schaufenster von La Cabra und beschließt, ihre eigenen Kostensteigerungen mit der Premium-Ausrede weiterzugeben. Dazu kommt der ständige Vergleich: fünf Euro für einen Kaffee in einer teuren Straße der Madrider Innenstadt gegenüber 3,40 Euro für eine kleine Coca-Cola in einem Lokal in der Provinz.
La Cabra kommt mit fünfzehn Jahren Erfahrung, einer eigenen Rösterei in Kopenhagen und Direkteinkauf vor Ort. Ob das reicht, um die Rechnung in der Infantas zu tragen, wird das Lokal an der Kasse beantworten, nicht auf der Karte.
Die wichtigsten Fakten
- 20 Euro: Preis für den teuersten Kaffee an der Theke und für das 250-Gramm-Päckchen des äthiopischen Geisha.
- 8 bis 20 Euro: Spanne der Handfilter-Zubereitungen mit dem Hario Switch.
- 13 Euro: Preis des kenianischen Kiangoi in naturbelassener Aufbereitung beim Besuch.
- 12 verschiedene Kaffees auf der Karte, mit zwei Espressoprofilen.
- 2011: Jahr der Eröffnung des ersten Cafés in Aarhus.