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Kursk 1943 und die ukrainische Gegenoffensive: verblüffende Parallelen
Ein schwächerer Angreifer, ein monatelang eingegrabener Gegner und ein Sieg, der der Propaganda dient: Kursk 1943 und die ukrainische Gegenoffensive folgen demselben Drehbuch.
Kursk 1943 und die Gegenoffensive von 2023: derselbe Fehler, 80 Jahre später
Was haben das Unternehmen Zitadelle im Juli 1943 und die im Juni 2023 gestartete ukrainische Gegenoffensive gemeinsam? Auf dem Papier fast alles: ein Angreifer, der weiß, dass er unterlegen ist, ein Gegner, der sich monatelang am vorhersehbarsten Punkt der Karte eingegraben hat, und ein Sieg, der mehr für die Propaganda als für die Strategie gebraucht wird. Die Parallele ist kein Stammtisch-Witz. Sie ist eine These, die sich mit Daten, Geografie und Militärdoktrin belegen lässt.
Die Übereinstimmung beginnt mit dem Gelände. 1943 griff die Wehrmacht zwischen Belgorod und Orel an. 2023 entfaltet sich die ukrainische Gegenoffensive zwischen Belgorod und dem Asowschen Meer. Gleiche Achse, gleiche Logik: nach Süden stoßen, um die russische Aufstellung in zwei Teile zu spalten. Und ein Detail, das kaum jemand hervorhebt: Auch die vorherigen Rückschläge wiederholen sich. Zwischen Februar und März 1943 zerschellte die Rote Armee in der dritten Schlacht um Charkiw. Im September 2022 verloren die russischen Streitkräfte das Oblast Charkiw in der Offensive von Isjum-Lyman. Derselbe Abschnitt, mit vertauschten Rollen.
Die Hoffnung auf neue Panzer, die zu spät kommen
Im Frühjahr 1943 verschoben die Deutschen den Angriff, um auf Panther, Tiger, Panzer IV mit Langrohr und Elefant zu warten. Sie sollten die wachsende zahlenmäßige Unterlegenheit durch Qualität ausgleichen. Die technischen Probleme der kampfunerprobten Maschinen zunichteten einen Großteil dieses Vorteils. Achtzig Jahre später heißen die Hoffnungsträger Leopard, Marder und Challenger, mit dem Abrams als Fernziel. Logistik, Wartung und beschleunigte Ausbildung könnten das Drehbuch wiederholen.
Es gibt einen zweiten Grund, weniger technischer, eher politischer Natur. 1943 zerfiel die Achse nach Stalingrad: Ungarn, Rumänien, Finnland und Italien suchten jeweils eigene Auswege. Hitler brauchte einen Sieg, der dem Prestige Sauerstoff gab, nicht der Front. Wenn Stalingrad bewies, dass Deutschland nicht gewinnen konnte, bewies Kursk, dass es nicht einmal ein Unentschieden erreichen konnte. 2023 sind sich die meisten seriösen Analysen einig, dass die Ukraine allein Russland nicht besiegen kann. Der vernünftige Ausweg wäre verhandeln. Wird nicht verhandelt, bleibt als Alternative ein Sieg, und sei es ein pyrrhischer.
Warum greift man den am stärksten befestigten Punkt der Front an?
Weil der Frontbogen es auf der Karte geradezu herausfordert. 1943 schien der Kursker Bogen zu rufen: „Greif mich an." Die Sowjets hatten monatelang drei Verteidigungslinien ausgehoben, Minenfelder angelegt und Reserven zusammengezogen. Die Deutschen verbrannten ihre letzten Panzerreserven in wenigen Tagen. 2023 hatten sich die russischen Stellungen über sechs Monate lang vorbereitet: Minen, Gräben, Panzerhindernisse, mehrfache Schützengräben, Artillerie und Reserven, um den ersten Schlag aufzufangen und zurückzuschlagen. Die Doktrin ist identisch.
Die gefährlichste Lage für eine Armee ist, strategisch in der Defensive zu stehen und operativ zur Offensive überzugehen. Wenn das Ganze unterlegen ist und trotzdem angreift, um ein Wunder zu suchen, ist das Ergebnis meist kein Wunder, sondern eine beschleunigte Niederlage. Die Konföderation versuchte es 1863 auf dem Weg nach Gettysburg und kehrte zerschlagen zurück. Es ist der Kulminationspunkt des Angriffs, von dem Clausewitz sprach: der Moment, in dem der Schwung erschöpft ist und die Initiative für immer die Hände wechselt.
Das Gegenargument: Die Technologie hat das Spielfeld verändert
Nicht jede Parallele hält stand. Heute liegt das Schlachtfeld unter Drohnen und Satelliten: Operative Überraschung ist unmöglich, und das gilt für beide Seiten. Die russische Lufthoheit und die Artilleriedichte wiegen schwerer als 1943. Und manche erinnern daran, dass man in der Normandie ebenfalls wusste, wo der Gegner angreifen würde, und der Atlantikwall doch nicht hielt, weil die Panzerreserve nicht rechtzeitig eintraf und die Lufthoheit die Logistik zerstörte. Der Ausgang einer angekündigten Offensive hängt von etwas so unheroischem wie Treibstoff und Ersatzteilen ab.
Die Debatte hat sich im Laufe der Monate verschoben. Im Juni 2023 war von einer unmittelbar bevorstehenden Offensive die Rede; später von langsamen Fortschritten zu brutalen Kosten. Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Wenn die Gegenoffensive sich erschöpft, ohne die Front zu durchbrechen, was bleibt dann? Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie sich mit unbequemer Treue.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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