Kiew-Fall-Prognose gescheitert: Einkesselung blieb aus

Prognosen eines Kiewer Falls binnen Tagen und der Einkesselung der ukrainischen Ost-Armee scheiterten, da Charkiw trotz nur 30 km zur Grenze unerreicht blieb.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kiew-Fall-Prognose gescheitert: Einkesselung blieb aus
Kiew-Fall-Prognose gescheitert: Einkesselung blieb aus

Kiew sollte innerhalb von Tagen fallen. Das war die Wette: Verstärkungen trafen ein, die Munitionsversorgung wurde knapp, und eine Zangenbewegung würde den Großteil der im Osten stationierten ukrainischen Armee einschließen. Die Prognose sprach nicht von Monaten oder Verhandlungen, sondern von einer Woche. Die Woche verging. Und mit ihr viele andere.

Was war die Zange gegen die ukrainische Ost-Armee?

Die These stützte sich auf eine einfache Geometrie: Kräfte, die von Norden und Süden eindringen, um die Einheiten im Osten und Süden des Landes von hinten abzuschneiden. Die Berechnung war drastisch: Eine gut ausgeführte Zange würde etwa 70 % der ukrainischen Armee gefangen nehmen. Kein Scherz. Die Analogie zu Cannae – Hannibal umzingelt und vernichtet eine überlegene Streitmacht – tauchte immer wieder auf. Wenn der Hauptstoß in der Tasche verblieb, würde der organisierte Widerstand von selbst zusammenbrechen.

Die pessimistische Variante war ebenso explizit: Wer nach Westen entkommen konnte, lag in Reichweite der Artillerie, ohne Möglichkeit zur Reorganisation. Das heißt, die Tasche erforderte keine perfekte Belagerung. Es genügte, das Hinterland unbewohnbar zu machen.

Warum fielen Kiew und Charkiw nicht in der ersten Woche?

Der Kalender war der erste Richter und entschied gegen die Prognose. Die Hauptstadt fiel nicht. Auch nicht Charkiw, eine kleinere Stadt nur 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, ein Ziel, das auf dem Papier vor Kiew hätte kapitulieren müssen. Das Argument kam von keiner Seite: Es kam aus der Chronologie. Wenn der Vormarsch so langsam war, dass er eine Grenzstadt nicht in sieben Tagen einnehmen konnte, brach die zeitliche Prämisse der Zange allein zusammen.

Eine Variante der These ordnete die Ziele phasenweise: zuerst der Donbas, dann Charkiw und Odessa, die Hauptstadt zuletzt. Die Kontrolle über Kiew würde in dieser Lesart den gesamten Streifen östlich des Flusses isolieren und die Versorgung unmöglich machen. Auf der Karte passte es. Im Kalender nicht.

Welche Rolle spielten Verstärkungen mit Erfahrung im Häuserkampf?

Verstärkungen waren das fehlende Glied, und unter ihnen wurden Einheiten mit Erfahrung im Häuserkampf genannt, gedacht für den Kampf Straße für Straße in einer dicht besiedelten Hauptstadt. Die Erwartung wurde später zum Gegenstand der Ironie: Dieselben Einheiten wurden als Beweis angeführt, dass der schnelle Sturmangriff nie stattfand. Wer eine kurze Schlacht um die Stadt erwartete, wettete genau gegen das, was Häuserkampf produziert: Abnutzung, Tage und weitere Tage.

Eine Umfrage geteilt bei 50 %

Keine Prognose hält stand, wenn das Publikum selbst ihr nicht glaubt. Die begleitende Umfrage zur Verfolgung blieb bei 50 % geteilt, ein Unentschieden, das Jahre später als beste Zusammenfassung der Unsicherheit von 2022 gelesen werden würde. Die Hälfte kaufte die Umfassungsmanöver und den bevorstehenden Fall; die andere Hälfte nicht. Aus der Distanz betrachtet sagt dieses Unentschieden weniger über den Ausgang und mehr darüber aus, wie wenig damals bekannt war. Die Sicherheit, mit der das Ende angekündigt wurde, passte nicht zur internen Spaltung.

Warum spricht man von Industriekrieg und Abnutzung?

Mit den vergangenen Monaten rahmten Teile der Diskussionen das Argument neu, ohne es aufzugeben. Man versprach keine Woche mehr: Man sprach von einem Industriekrieg, von Abnutzung, von einer Frontlinie, die sich nur bewegt, wenn der Vorteil klar ist. Parallel zirkulierte eine andere, unbequemere Lesart: Dass Waffenlieferungen der NATO-Staaten darauf abzielen, den Konflikt zu verlängern, um Russland abzunutzen, und dass dies das ukrainische Territorium in ein Szenario gegenseitiger Erschöpfung verwandelt. Der Vergleich mit Afghanistan tauchte ebenfalls auf. Keine dieser Thesen kam zum Abschluss.

Von Cannae zur Rettung: viereinhalb Jahre später

Die Zeit machte die Diskussion zu einem Archiv der Prognosen. Viereinhalb Jahre später überprüfen wiederkehrende Nachrichten die Vorhersagen einzeln: die Zange, die Einkesselung, der Fall der Hauptstadt, die zur Neige gehende Munition. Der Ton wechselte von Gewissheit zu Witz. Jemand gesteht, Roter Sturm, den Roman von Tom Clancy, viermal durchgelesen zu haben. Andere verteidigen eine kühlere Lesart: In einem Industriekrieg wird die Zeit nicht in Wochen gemessen.

Es bleibt dort, genau dort. Dieselbe Chronologie, die den Fall in sieben Tagen widerlegt, nährt die These der langsamen Abnutzung. Zwei Erzählungen, ein einziger Kalender.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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