Vom Donbas nach Odessa: Die Prognose, die die Front nicht bestätigt
Was wird Russland tun, wenn es den Donbas gesichert hat? Die These dieses Artikels geht davon aus, dass die ukrainische Armee im Osten zusammenbricht, und sieht Odessa als nächstes Ziel – einen Hafen, der in dieser Lesart schon immer russisch war. Die Gegenreaktion ist keine Meinung, sondern eine Faktenkorrektur: Die ukrainischen Streitkräfte würden die Achse Sewerodonezk-Lysytschansk verstärken statt sich zurückzuziehen, und das Kommando gebe die Lage nicht verloren. Auf diesem Widerspruch baut die gesamte weitere Vorhersage auf. Wenn die Armee fällt, rückt Russland vor; wenn sie hält, verhärtet sich der Krieg.
Was macht Russland nach dem Donbas?
Die diskutierten Szenarien reichen von moderat bis maximalistisch. Eines setzt die Obergrenze für Russland am rechten Ufer des Dnepr und der Küste bis Odessa, mit der Idee, dass Moskau unter keinen Umständen in die Westukraine vordringen wird. Diese Grenze ist kein Zufall: Sie skizziert ein kohärentes Ziel, um den Landkorridor zur Krim zu sichern und den maritimen Zugang abzuschneiden, ohne eine unmögliche Front in Galizien zu eröffnen.
Am anderen Ende treiben einige die Projektion ins Absurde und verkünden, dass Russland mit Polen, den baltischen Staaten und Finnland weitermachen werde. Dies ist meist eine Karikatur des gegenteiligen Arguments als eine Analyse: Die Übertreibung dient dazu, die Idee eines unaufhaltsamen Russlands lächerlich zu machen. Zwischen diesen beiden Polen bleibt die Grundfrage, die niemand klärt: Endet die Operation im Donbas oder geht sie nach Süden weiter?
Einige behaupten, Frieden werde nicht verhandelt. Die Logik ist kalt: Die Russen bestimmen das Tempo, und es ergäbe keinen Sinn, die Ukraine stehen zu lassen, um das Problem in fünfzehn Jahren zu wiederholen. Es ist die Logik des Eroberungskriegs gegenüber der einer begrenzten Operation.
Brich die ukrainische Armee zusammen?
Hier bricht die Vorhersage auseinander. Manche gehen von einer Flucht aus: Das Verlassen der Waffen wäre konstant und würde zunehmen, je weiter die russischen Truppen vorrücken, bis hin zum Punkt, an dem Kapitulation der einzige vernünftige Ausweg für jene sei, die nicht sterben wollen. Die Gegenansicht erinnert daran, dass die ukrainischen Truppen nach drei Monaten katastrophaler Szenarien weiterhin kämpften und Positionen verstärkten. Der Zusammenbruch wäre in Wirklichkeit das Gegenteil dessen, was passiert.
In der Mitte taucht eine geopolitische Interpretation auf: Die Ukraine wäre Kanonenfutter in einem Stellvertreterkrieg, und die reale Devise wäre Widerstand bis zum letzten Ukrainer, unabhängig davon, was ihre Regierung entscheidet. Wer dies verteidigt, behauptet, die Entscheidungen fielen außerhalb Kiews. Dieser Rahmen entlastet die Führungspersonen von Verantwortung und verlagert sie ins Ausland; er sollte als Rahmen, nicht als Fakt gelesen werden.
Das beschworene historische Parallell ist ebenfalls nicht unschuldig: Man vergleicht Gegenoffensiven in abgelegenen Sektoren mit Ablenkungsmanövern im Amerikanischen Bürgerkrieg, bei denen eine Seite ferne Fronten öffnete, um Kräfte von einer feindlichen Offensive abzulenken. Die daraus gezogene Sarracena lautet, dass man bereits weiß, wie die Geschichte endete.
Kann Russland den Dnepr überqueren und Odessa erreichen?
Die schärfste Antwort in dieser Debatte ist, dass Russland niemals in der Lage sein wird, den Dnepr zu überqueren. Angesichts dieser Gewissheit deuten die Daten zur Abnutzung in die entgegengesetzte Richtung der Euphorie: ein langsames Vorrücken mit hohen Verlusten, das wochenlange Vorbereitung erfordert, bevor jede städtische Stellung eingenommen wird. Die Eroberung einer großen Stadt, die auf langfristige Verteidigung vorbereitet ist, wird als Beweis für Fähigkeit zitiert, nicht für Schwäche.
Hier taucht die unbequeme Frage auf, die niemand ganz beantwortet: Ist das langsame Tempo Teil des Plans oder Symptom eines Problems? Wenn Ersteres, ist Odessa nur eine Frage der Zeit; wenn Letzteres, wird der Korridor nach Süden immer teurer.
Entwicklung der Prognose: Vom Kollaps zur ironischen Rettung
Interessant ist nicht der Ausgangspunkt, sondern der Weg dorthin. Alles begann mit der Überzeugung eines bevorstehenden Zusammenbruchs und einem klaren Ziel: erst Odessa, dann Kiew, schwieriger. Mit den Monaten bröckelte diese Sicherheit und wich der Ironie. Wer den ukrainischen Kollaps behauptete, rettete ihn später mit bitteren Anspielungen, als ob die Russen sich derweil damit beschäftigten, Zigaretten auf Flugfeldern und Munitionsdepots zu rauchen. Noch zwei Wochen, und es sei erledigt, lautete der Witz.
Parallel wandte sich die Diskussion den wirtschaftlichen Kosten der Aufrechterhaltung der russischen Anstrengung zu. Das russische BIP übersteigt das Spaniens kaum, bei einer Bevölkerung von 144 Millionen, und die Länder, die aus dem Warschauer Pakt ausschieden, weisen deutlich höhere Einkommensniveaus auf. Die Schlussfolgerung: Die Fähigkeit, das eroberte Gebiet wiederaufzubauen und zu entwickeln, ist mehr als fragwürdig.
Flugverbotszone, NATO und der Faktor Finnland
Eine Prognose besagt, dass Artillerie und Bombardements andauern werden, bis Kiew kapituliert oder bis die NATO eine Flugverbotszone erklärt, was aus Angst vor nuklearer Eskalation nicht passieren wird. Ohne Luftunterstützung ist die ukrainische Artillerie exponiert und die Infanterie verwundbar. Die Konsequenz ist, dass der Ausgang mehr von der Feuerüberlegenheit abhängt als vom politischen Willen.
Der Fall Finnland wird als Falle interpretiert: Ein Beitritt zur Allianz garantiert Gasabschnitte; zu langes Zögern lässt Russland in der Position, Helsinki zu behandeln, sobald die Ukraine abgeschlossen ist. Wie gut sie neutral waren, fasst das Argument zusammen, jetzt können sie nur viel oder sehr viel verlieren.
Also ist die Frage nicht, was die Russen tun werden, sondern wann die Front es herunterschreiben wird, es zu bestätigen. Wir warten seit Monaten auf den endgültigen Zusammenbruch, und das Einzige, was pünktlich zusammenbricht, ist die Prognose.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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