Rückzug aus Cherson: Ukraine überquert den Dnepr

Russland räumt das rechte Ufer des Dnepr bei Cherson. Die Debatte tobt: Ist es ein taktischer Geniestreich oder der Verlust eines wichtigen Symbols?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Cherson: Russland tauscht Land gegen einen Fluss und verliert das Symbol

Die russischen Streitkräfte haben das rechte Ufer des Dnepr bei Cherson aufgegeben und sich auf das linke Ufer zurückgezogen, wie in der Diskussion zitierte Berichte bestätigen. Damit begann der erste große Kampf um die Narrative dieses Krieges. Für einen Teil der Analyse ist die Aufgabe dieses Symbols keine Niederlage, sondern ein «logischer Zug von herausragender taktischer Intelligenz». Für den anderen Teil ist es der nächste Rückzug, der als Strategie verkauft wird.

Was gewinnt Russland durch die Frontlinie am Dnepr?

Die These, die den Rückzug verteidigt, besagt, dass der Fluss nun für Moskau arbeitet. Indem sich die ukrainischen Kräfte auf dem rechten Ufer konzentrieren, haben sie eine natürliche Barriere im Rücken: Das Gelände verengt sich, die Nachschubwege komprimieren sich und jeder Brückenkopf liegt unter dem Feuer der russischen Artillerie. In diesem Zusammenhang wird die 2S7M Malka, ein selbstfahrendes Großkaliber-Geschütz, als Beispiel für die intakte Feuerkraft Moskaus angeführt.

Die Luftüberlegenheit, so diese Lesart, erledige den Rest. Der Gegenargument ist einfacher: Ein Fluss bindet eine Armee an sein Ufer, nicht die gegnerische an das gegenüberliegende. Wenn der Dnepr so schützend wäre, müsste man erklären, warum er jetzt aufgegeben wird.

Der hinkende Vergleich mit dem Ebro

Wenn ein Rückzug als Meisterwerk verkauft wird, tritt die Geschichte als Belastungszeuge auf. Hier tauchten zwei Vergleiche auf. Der erste war die Schlacht am Ebro: Die Republikaner leisteten Widerstand mit dem Fluss im Rücken und zahlten teuer dafür. Der zweite war Dünkirchen: Churchill zog seine Truppen zurück und schlug dann vom anderen Ufer zu. Die Analogie wird herangezogen, um die aktuelle Manöver zu rechtfertigen.

Keiner der beiden passt ohne Gewaltanwendung. Am Ebro lag die Barriere hinten, weil die Überquerung zum anderen Ufer erfolgt war. Bei Dünkirchen war der Rückzug eine Evakuierung unter Feuer, keine gewählte Verteidigungslinie. Das unbequeme Detail: Der Ebro-Vergleich beschreibt tatsächlich die Position, die jetzt die Ukraine einnimmt. Und der Dünkirchen-Vergleich diejenige, die Russland gerade verlassen hat.

Ukraine überquert den Dnepr bereits mit Schnellbooten

Die natürliche Barriere hielt nur kurz. Ukrainische Spezialeinheiten durchquerten das Flussmündungsdelta in Schnellbooten und griffen die Kinburn-Nehrung an, wie in den Berichten erwähnt wurde. Der Fluss, der den Gegner eigentlich an einem Ufer festbinden sollte, erwies sich als passierbar für kleine, schnelle Boote.

Daraus ergibt sich ein wiederkehrender Tonfall: Wenn jemand Schnellboote verkauft, ist das Geschäft rund. Die Ironie schwebt über der Karte. Die Realität ist banaler: Ein breiter Fluss verhindert den Übergang nicht, er macht ihn teurer und langsamer. Und die Bewegung des Feindes zu erschweren, ist auch eine Form der Abnutzung.

Die Front, die nicht auf der Karte erscheint

Es gibt eine dritte Lesart, weniger episch und mehr buchhalterisch. Sie besagt, dass die Ukraine wirtschaftlich und infrastrukturell weit unter ihrem Niveau vor der Invasion liegt und dieser Schaden langfristig schwerer wiegt als jede Linie auf einer Karte. Dies ist die kalte Version des Krieges: Er wird nicht durch die Eroberung von Städten gewonnen, sondern durch die Erschöpfung des Gegners. Diese Argumentation hat Befürworter in der Debatte.

Das Problem ist, dass dies in beide Richtungen funktioniert. Die gleiche Abnutzung, die dem Rivalen zugeschrieben wird, leidet auch derjenige, der seit Monaten schießt. Und wer darauf gesetzt hatte, alles in drei Tagen zu lösen, mit Kiew als Ziel, musste seinen Zeitplan bereits mehrfach neu schreiben.



Es gab sogar Stimmen, die ein Datum nannten: Wir sehen uns im Januar. April kam und die Front blieb offen, mit dem linken Ufer, das noch zu verteidigen war, und dem rechten, das konsolidiert werden musste. Wenn die russische Wette darin bestand, die Karte am Dnepr einzufrieren und den Gegner aus der Ferne bluten zu lassen, werden die nächsten Monate zeigen, ob der Fluss eine Grenze ist oder nur eine lange Pause. Niemand mit gesundem Menschenverstand würde sein Gehalt darauf verwetten, dass es das Erstere ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (187 Antworten).

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