Kerry beziffert Feldemissionen auf 33 % und fordert Wandel
Wie stark belastet eine Ernte das Klima? Die Zahl, die im Weißen Haus kursiert, ist unbequem: Zwischen 26 % und 33 % aller globalen Emissionen entfallen auf die Landwirtschaft, „je nachdem, wie man es zählt“, so der US-Sondergesandte für das Klima, der ehemalige Senator John Kerry. Mit dieser Erkenntnis kommt er zu dem Schluss, dass „kein Netto-Null-Ziel“ erreichbar sei, wenn die Landwirtschaft nicht „im Mittelpunkt“ steht. Von dieser Aussage bis zur Schlagzeile, man wolle die amerikanischen Farmer ausrotten, ist es ein weiter Weg – doch einige Medien haben ihn in Rekordzeit zurückgelegt.
In den zitierten Aussagen fehlt das Wort Ausrottung. Stattdessen tauchen Begriffe wie Transformation, Innovation und Anpassung auf – drei Termini, die im Jargon der Klimapolitik ungefähr das bedeuten, was jeder darin sehen möchte. Was keine Interpretation zulässt, ist der Zeitplan: Derselbe Mann, der 2021 warnte, die Menschheit habe nur noch „neun Jahre“, um eine Katastrophe abzuwenden, stellt nun dem Sektor, der unsere Nahrung produziert, Aufgaben.
Was genau gesagt wurde und welche Zahlen genannt wurden
Kerry sprach bei der Agricultural Innovation Mission for Climate (AIM for Climate), einer vom US-Landwirtschaftsministerium organisierten Veranstaltung mit Blick auf die COP28. Dort legte er den vollständigen Bericht vor: Die Landwirtschaft verantwortet zwischen 26 % und 33 % der globalen Emissionen; das gesamte Ernährungssystem würde demnach einen halben Grad zusätzliche Erwärmung bis Mitte des Jahrhunderts verursachen; und der aktuelle Trend führt nicht zu den 1,5 Grad des Pariser Abkommens, sondern zu drei Grad.
Dazu kamen zwei alarmierende Datenpunkte. Erstens: 15 Millionen Menschen sterben jährlich weltweit aufgrund von Emissionen. Zweitens: Eine Zwei-Grad-Welt würde weitere 600 Millionen Menschen unterernährt lassen. Zudem warnte er, dass landwirtschaftliche Erträge in bestimmten Regionen um bis zu 40 % sinken könnten.
Alle diese Zahlen stammen aus seiner Rede und zeichnen zusammen ein klares Bild: Die Landwirtschaft ist nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern auch Teil des Problems. Ob die Quellen dieser Daten einer kritischen Prüfung standhalten, ist eine andere Frage, die in der öffentlichen Debatte offenbar niemand eilig klären will.
AIM for Climate und der COP28-Kalender
Der Rahmen dafür hat einen Namen: Die Initiative Climate-Smart Agriculture, vorgestellt als Bündnis zur Bekämpfung des Klimawandels und des Welthungers durch Investitionen in landwirtschaftliche Innovation über fünf Jahre. Kerry erinnerte an ein Treffen in Glasgow, bei dem beschlossen wurde, die Investitionen in diese Art der Landwirtschaft „aufzustocken“, und forderte US-Gesetzgeber auf, sofort zu handeln, bevor das Thema wieder abkühlt.
Die Dokumente der Initiative enthalten bemerkenswerte Verpflichtungen: „Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion sind entscheidend für den Erfolg der Mission“, und Partner müssen „Best Practices“ teilen sowie eine „inklusive“ Zusammenarbeit starten, geleitet von Werten wie Transparenz, Gegenseitigkeit und meritokratischer Kompetenz. NGO-Vokabular, das in der Praxis bedeutet: öffentliches und privates Geld zur Neugestaltung der Nahrungsmittelproduktion.
Niederlande, Irland und das europäische Vorbild
Der Verweis auf die Niederlande ist kein Zufall. In der laufenden Debatte wird behauptet, das Land plane Viehbestandsreduzierungen und Bodenordnungen, die Tausende von Betrieben betreffen würden – man spricht von tausenden Höfen im Visier – sowie zwangsweise Enteignungen unter Umweltvorwand. Irland wird in Nachrichten erwähnt, die sich auf die Reduktion des Rinderbestands beziehen, mit kursierenden Zahlen, die Hunderttausende von Tieren nennen.
Und es gibt eine Tatsache, die man im Kopf behalten sollte: Dreizehn Länder, darunter Spanien, haben laut den geteilten Nachrichten ein globales Klimaabkommen unterzeichnet, das strenge Maßnahmen gegen die Landwirtschaft vorsieht. Dass die spanische Landwirtschaft im selben Topf landet wie die niederländische, mit Bewässerung und Stauseen im Fokus, wird von mehreren Teilnehmern vertreten.
Wer verdient am Wandel?
Hier taucht der Name auf, der in dieser Diskussion nie fehlt: Bill Gates, der weiterhin Ackerland kauft. Um ihn herum wächst ein Geschäft. Laut der Debatte sitzen die größten Unternehmen für automatisierte Landwirtschaft mit Hydroponik und Aquaponik in den Niederlanden – genau dem Land, das als Modell für die erzwungene Umstrukturierung des Primärsektors verkauft wird.
Die Logik des Geldes ist einfach: Wenn traditionelle Landwirtschaft teurer oder eingeschränkt wird, kann wer mit kontrollierter Bewässerung ohne Boden produziert, teurer verkaufen. Parallel dazu kursiert die These, seit Jahrzehnten von russischen Geologen vertreten, dass Erdöl und Kohle geologischen und nicht fossilen Ursprungs seien, was das Narrativ der Knappheit sprengen würde. Weder bestätigt noch widerlegt: Es existiert einfach.
Vom Euphemismus zum Absurden
In der öffentlichen Diskussion kursiert eine ironische Übersetzung dieses Jargons, die das allgemeine Misstrauen zusammenfasst: inklusiv bedeutet obligatorisch; nachhaltig bedeutet profitabel; resilient bedeutet eugenisch; digital bedeutet überwacht; grün bedeutet elitär; sorgfältig bedeutet kontrolliert. Das ist keine akademische Analyse, aber es erklärt, warum jede neue Klimakampagne mit hochgezogenen Augenbrauen aufgenommen wird.
Das Extrem dieser Gattung erreicht jemand, der ohne jeglichen Beweis behauptet, selbst die Atmung der Pflanzen verschärfe die globale Erwärmung. Diese Aussage hat keine wissenschaftliche Grundlage, verbreitet sich aber trotzdem, weil sie in ein breiteres Misstrauen passt: dass das Ziel nie das Klima war.
Kerry sagte, ohne Handeln würden Menschen sterben. Im Großen und Ganzen hat er wahrscheinlich recht. Bei der Wahl des Schuldigen sieht man jedoch die Federn. Und wer in einem Privatjet fliegt, um zu erklären, wie fremdes Essen rationiert werden muss, rationiert seines nie.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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