Dominikaner in der Schweiz: Der Lärm, der die Migrationsdebatte neu entfacht
Die Schweiz hat keinen Strand. Und trotzdem ziehen jeden Sommer Menschen an das Ufer eines Sees – mit Klappstühlen, Kühltasche und Lautsprecher, bereit, dort den Tag zu verbringen, als wären sie an der Küste. Diese Szene, in jedem Mittelmeerland banal, ist zum Auslöser einer Diskussion über die dominikanische Community in der Schweiz geworden, in der Zusammenleben, Integration und jede Menge Vorurteile vermischt werden.
Die Angelegenheit kursiert unter einer vagen Bezeichnung, "Dritte-Welt-Mentalität", hinter der weder eine akademische Definition noch ein wirtschaftlicher Indikator steht. Was tatsächlich auftaucht, wenn man genauer hinschaut, ist ein Kampf um den öffentlichen Raum: Wer darf das Seeufer belegen, mit welcher Lautstärke und nach welchen Regeln. Ein Teil der Beiträge sieht darin einen Kulturkonflikt; der andere die schlichte Unbequemlichkeit, sich einen See zu teilen.
Worum gestritten wird: Stühle, Seen und laute Musik
Das sich wiederholende Bild zeigt Gruppen, die am Wasser auf Stühlen sitzen, mit lauter Musik, in einem Land, in dem Stille und Ordnung als Markenzeichen gelten. Für die einen sind es ganz normale Leute, die den Tag an einem Ort ohne Strände verbringen. Für die anderen der Beweis, dass ein Modell des Zusammenlebens Risse bekommt. Dieselbe Szene, zwei gegensätzliche Lesarten, und kaum Daten dazwischen: Zahlen zu Zusammenleben, Beschwerden oder Sanktionen findet man nirgends.
Es gibt eine Feinheit, die oft übersehen wird. Kritisiert wird nicht so sehr die Nutzung des Raums, sondern ihre Lautstärke. Niemand bestreitet das Recht, am Wasser zu sitzen. Gestritten wird über den Lautsprecher.
Die Berufe, die der dominikanischen Community zugeschrieben werden
An dieser Stelle wird die Erzählung brüchiger. Manche behaupten, viele Frauen arbeiteten in der Reinigung – ein Teilnehmer sagt, er sehe sie an seinem eigenen Arbeitsplatz – und viele Männer im Bau. Das sind typische Tätigkeiten jeder kürzlich angekommenen Migrantengruppe, mit hohen Raten der Schwarzarbeit in ganz Europa. Keine einzige Zahl belegt das Ausmaß, aber die Beobachtung hat ihre Logik: Es sind Branchen mit geringer Sprachbarriere.
Ein anderer Teil der Beiträge wagt einen deutlich riskanteren Sprung und stellt der Community eine Verbindung zu illegalen Aktivitäten in bestimmten Zürcher Vierteln wie der Langstrasse nach. Es ist eine oft wiederholte Behauptung und, soweit überprüfbar, ohne jeden Beleg. Man sollte sie von dem Vorherigen trennen: Eine Sache ist, darüber zu diskutieren, in welchen Branchen gearbeitet wird – eine andere, Straftaten zu unterstellen, ohne mehr Grund als den Verdacht.
Integration und die Barriere der deutschen Sprache
Die Sprache bildet das Rückgrat eines Großteils der Beschwerden. Die Rede ist von Menschen, die laut am Telefon sprechen, auf Spanisch, in Zugabteilen, in denen Stille herrscht. Ein sich wiederholendes Detail: selten hört man ein Wort auf Deutsch. Ob das eine Frage der Zeit oder des Willens ist, ist genau der Streitpunkt: Keine neu angekommene Community beherrscht die Landessprache am ersten Tag.
Der historische Vergleich, den ein anderer Teil der Debatte anstellt, ist unbequem und zugleich scharfsinnig. Vor vier Jahrzehnten nahmen spanische Touristen genau diesen Platz in der europäischen Vorstellungswelt ein: laut, gesellig, mit dröhnender Musik und verteilter Abfall. Zivilisiertheit lernt man durch Zusammenleben und über Generationen, nicht durch einen Pass. Wenn das für die Spanier galt, lautet die Frage, warum es für andere nicht gelten sollte.
Der Spiegel: spanische Touristen und derselbe Lärm
Die aufschlussreichste Anekdote spielt nicht in der Schweiz. In einer ländlichen Gegend Spaniens mieten einige Urlauber ein ganzes Haus und kommen wie die Stiere in die Arena: Geschrei, Musik auf voller Lautstärke, Bälle auf den Dächern und Autos, die auf für Fuhrwerke gedachten Wegen keinen Platz finden. Wer es erzählt, fügt das entscheidende Detail hinzu: ein Vater, der auf offener Straße seine Tochter anschreit, während das ganze Dorf mitbekommt. Es sind Spanier.
Dieser Kontrast, von mehreren Stimmen getragen, zerlegt die schnelle Erzählung. Unzivilisiertes Sommerverhalten kennt keine Grenzen: Es kennt nur Ferien. Was sich ändert, ist, wie es gedeutet wird – je nachdem, wer es verursacht.
Die Dritte Welt sind die Menschen, nicht das Land
Es gibt eine These, die die gesamte Diskussion von Anfang bis Ende durchzieht: Entwicklung wird nicht vom Territorium bestimmt, sondern von der Mentalität derer, die es bewohnen; deshalb verlange es, ein Land aus der Armut zu führen, laut dieser Sichtweise weit mehr als Infrastruktur. Es ist eine suggestive Behauptung und zugleich eine tückische: Sie macht ein komplexes Phänomen – Einkommen, Institutionen, Arbeitsmarkt – zu einem Merkmal des kollektiven Charakters.
Die letzte Ironie liefert derjenige, der den doppelten Standard benennt: In der Dominikanischen Republik werden Haitianer mit Argumenten abgelehnt, die den jetzigen in Europa sehr ähnlich sind. Die Migrationsklage, so scheint es, reist immer nur in eine Richtung.
Was die Debatte offenlässt
Auf dem Tisch liegen intransparente Arbeitsbranchen, eine langsam vorankommende Integration, widerwillig geteilte öffentliche Räume und eine Bezeichnung, die nach einer Diagnose klingt, aber nichts erklärt. Niemand hat bislang eine Zahl vorgelegt, die das Phänomen messbar machen würde. Wie viel von diesem Unbehagen ist ein echtes Problem des Zusammenlebens – und wie viel ist schlicht die Unbequemlichkeit, sich ein Ufer mit Menschen zu teilen, die uns nicht ähneln?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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