Kälte macht nicht krank: Streit zwischen Experten und Foren

Kälte allein verursacht keine Erkältung, schwächt aber die Abwehrkräfte. Die Debatte über nasse Socken und Minusgrade geht weiter.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kälte macht nicht krank: Streit zwischen Experten und Foren
Kälte macht nicht krank: Die Wissenschaft sagt es, deine Großmutter nicht

Kälte allein führt nicht zu einer Erkältung. Dies ist die Schlussfolgerung, die Wissenschaftskommunikatoren jeden Winter wiederholen und die prompt einen Aufstand in den sozialen Medien auslöst. Das letzte Mal, als jemand dies laut aussprach, war das Echo wie immer: Dass Viren nicht existieren, dass Bakterien schuld sind, dass kaltes Wasser die Abwehrkräfte tötet. Die Diskussion hat sich statt zu klären, in ein so vorhersehbares Ritual verwandelt wie die Januar-Rechnungen.

Der Auslöser war ein Video, in dem ein junger Mann mit vorzeitigen grauen Haaren und einem Kommunikationsmantel erklärte, dass fünf Grad, nasse Socken oder verschwitzte Shirts dich nicht erkältet machen. Die Antwort war sofortig: Von denen, die ihm eine exemplarische Hypothermie wünschten, bis hin zu denen, die ihn beschuldigten, ein Tragatochos im Dienst der Pharmaindustrie zu sein. Der Ton lud, wie man sieht, nicht zur Nuance ein.

Warum macht Kälte nicht krank?

Die physiologische Erklärung ist einfach und zugleich unbequem für den gesunden Menschenverstand. Kälte erzeugt keine Viren aus dem Nichts. Was sie tut, ist die lokalen Abwehrkräfte zu senken: Sie reduziert den Blutfluss in den Atemwegen, trocknet die Schleimhäute aus, die als Barriere wirken, und verändert die Lipoproteinhülle einiger Viren, die dadurch infektiöser werden. Das heißt, Kälte ist nicht der Akteur, aber sehr wohl der Komplize.

Diese Nuance geht im Streit verloren. Manche behaupten, dass Kälte per se nicht krank macht und alles andere Folklore sei. Gegenüber steht die verbreitete Haltung auf der Straße: Wenn du frierst, erkältest du dich. Und dazwischen versuchen einige Teilnehmer zu erklären, dass der menschliche Körper latente Viren und Bakterien beherbergt, die nur ein Zeitfenster brauchen. Dieses Fenster öffnet genau die Kälte.

Die Diskussion driftete schnell in sumpfigeres Terrain ab. Es tauchten jene auf, die die Existenz von Viren leugnen, jene, die behaupten, alles seien Bakterien und Pilze, und jene, die in jeder Impfkampagne eine globale Verschwörung sehen. Dies ist das Hintergrundrauschen, das seit einigen Jahren jede Gesundheitsdiskussion begleitet. Und wie immer übertönt es die interessanten Daten.

Das Experiment der Bar und des Whiskey-Cokes

Eines der am häufigsten zitierten Fragmente der Debatte war ein Heimexperiment, das mehrere Teilnehmer detailliert beschrieben. Es ging darum, im Januar ohne Jacke aus einer Bar zu gehen, ein kaltes Glas in der Hand, den Mantel und die Straße abzuwechseln und zu prüfen, ob man am nächsten Tag mit Schnupfen aufwacht. Das Ergebnis war laut den Testern einstimmig: Du wirst krank. Und es ist egal, ob du allein bist oder in Gesellschaft.

Die Schlussfolgerung, die manche daraus zogen, war, dass Viren nicht existieren. Die Schlussfolgerung der Wissenschaft hingegen ist, dass wiederholte Unterkühlung und langfristige Exposition die Immunantwort schwächen. Man braucht keinen exotischen Erreger: Es reicht, wenn die bereits vorhandenen einen fruchtbaren Boden finden. Dies ist der Unterschied zwischen einer Hypothese und einer Gewissheit, und in diesem Fall stützt die Gewissheit die Hypothese nicht.

Ein weiteres wiederkehrendes Argument war das der nordischen Länder. Es wurde gesagt, dass in Schweden oder Norwegen Babys bei Minusgraden draußen Mittagsschlaf halten. Das stimmt, aber mit Nuancen, die die Debatte aufgriff: Sie sind warm angezogen, nur kurz tagsüber, nie nachts und immer unter Aufsicht eines Erwachsenen. Die Gewohnheit beweist nicht, dass Kälte harmlos ist, sondern dass sich der menschliche Körper anpasst, was man ihm zumutet, sofern die Kleidung angemessen ist.

Kalte Duschen, Büros und andere Theorien

Manche berichteten, dass sie sich jahrelang mit eiskaltem Wasser duschen und sich nicht an ihre letzte Erkältung erinnern können. Andere sprachen vom Büro als dem eigentlichen Ansteckungsherd: offene Räume mit zweihundert Personen, Kollegen, die hustend zur Arbeit kommen, weil sie nicht zu Hause bleiben, und ein Infektionskalender, der drei Tage im Voraus vorhersagbar ist. Die Anekdote deutet, obwohl sie gering erscheint, auf etwas hin, das die Debatte nicht abschließt: Kälte ist nicht der einzige Faktor und wahrscheinlich nicht der wichtigste.

Auch tauchte die Theorie auf, dass extreme Hitze tödlicher sei als Kälte, mit dem Beispiel von Menschen, die in warmen Regionen leben und hundert Jahre alt werden. Und die Gegenposition: Trockene Kälte wird in der Kryotherapie verwendet und es ist die feuchte Kälte, die krank macht. Jeder zog die Decke zu seinem eigenen Stück, wie es üblich ist.

Das Geschäft der Apotheke

Eine der häufigsten Anschuldigungen war die des kommerziellen Interesses. Es wurde gesagt, dass wer den Mythos der Kälte widerlegt, oft eine Apotheke dahinter hat und dass, wenn er kein Frenadol verkauft, er nichts isst. Dies ist ein altes Argument, das schwer zu entkräften ist, ohne sich im Schlamm zu suhlen, aber man sollte daran denken, dass die Empfehlung, sich warm anzuziehen, hydriert zu bleiben und gut zu schlafen, kein Goldgrube für die Industrie ist. Eine andere Sache ist, dass die Industrie existiert und verkauft.

Was klar wurde, ist, dass die Debatte weniger um Medizin als um Vertrauen kreist. Wen wir glauben, wem wir zuhören und was wir bereit sind zu akzeptieren, wenn die Evidenz widerspricht, was uns zu Hause beigebracht wurde. Kälte macht nicht krank, aber die Gewohnheit, sie dafür verantwortlich zu machen, ist stärker als jede Studie.

Mit diesen Zutaten ist es vorhersehbar, dass im nächsten Winter dieselbe Litanei, derselbe Streit und dieselben nassen Socken zurückkehren. Und dass niemand sich einig wird. Die Vorhersage erfolgt allerdings mit Vorbehalt: Die Wissenschaft schreitet voran, aber der gesunde Menschenverstand ist langsamer.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (151 Antworten).

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