Spanien plantiert Gesetz zur Abschaffung der Prostitution

Das spanische Gleichstellungsministerium bringt im September einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Prostitution ein. Die Koalitionspartner sind uneins.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien plantiert Gesetz zur Abschaffung der Prostitution
Gleichstellungsministerium bringt Gesetz zur Abschaffung der Prostitution im September ein

Das spanische Ministerium für Gleichstellung (Ministerio de Igualdad) hat angekündigt, im kommenden September dem Ministerrat (Consejo de Ministros) einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Prostitution vorzulegen. Dies bestätigte Ministerin Ana Redondo, die die Maßnahme in ein breiteres Paket gegen Sens einbettete und ausdrücklich mit dem UCO-Bericht über José Luis Ábalos verknüpfte: „Es ist an der Zeit, in jeder Hinsicht und mit größter Entschiedenheit zu reagieren“, sagte sie. Die PSOE hatte zuvor bereits versucht, dies auf parlamentarischem Weg durchzusetzen, scheiterte jedoch mangels Unterstützung durch ihre Koalitionspartner.

Was sich gegenüber früheren Versuchen ändert

Der Unterschied liegt im Verfahren. Bisher wurden sozialistische Initiativen gegen Zuhälterei und das sogenannte „tercería locativa“ – die Vermietung von Räumen für die Ausübung der Prostitution – als Gesetzesvorschläge im Parlament eingebracht und kamen nicht durch. Nun stammt der Text als Entwurf aus der Regierung, was ihm theoretisch mehr Spielraum gibt. In der Praxis liegt das erste Hindernis innerhalb der Exekutive selbst: Sumar, der Koalitionspartner, hat keine einheitliche Haltung zu diesem Thema.

Redondo verteidigte, dass die PSOE eine „Null-Toleranz-Politik gegenüber Sens“ verfolge und bezeichnete die Audiomitschnitte von Ábalos als Ausdruck des „tiefsten Punktes der sens Mentalität“. Sie räumte auch ein, dass es „noch bedeutende Rückstände von Sens in allen Verbänden, in allen Parteien“ gebe, ohne Ausnahme.

Das wirtschaftliche Argument: Was wird verboten und wer wird verfolgt?

Ein Großteil des Widerstands gegen die Maßnahme kritisiert nicht das Ziel, sondern den Mechanismus. Es wird argumentiert, dass die Strafverfolgung der Tätigkeit den Sektor in die Schattenwirtschaft drängt, statt ihn zu reduzieren, und dass die Strafe eher bei denProstituierten liegt als bei denen, die davon profitieren. Manche behaupten, die Verfolgung richte sich nicht gegen die Prostitution, sondern gegen Männer, und weisen darauf hin, dass das Geschäft weiterhin existieren würde, nur ohne Steuerabgaben oder Gesundheitskontrollen.

Die steuerliche Seite taucht immer wieder auf: Wenn die Aktivität illegal ist, fallen keine Mehrwertsteuer, keine Selbstständigenbeiträge und keine Einkommensteuer an. Das Ergebnis ist laut dieser Analyse weniger Einnahmen und weniger Nachvollziehbarkeit, nicht weniger Prostitution. Der Vergleich mit der Abtreibung – Souveränität über den eigenen Körper im einen Fall, Verbot im anderen – ist der am häufigsten angeführte Kontrast.

Die parlamentarische Paradoxie: Ábalos’ Stimme

Eine verbreitete Nachricht besagt, dass die Regierung für die Verabschiedung des Gesetzes die Stimme von José Luis Ábalos benötigen würde – derselben Person, deren UCO-Bericht als politische Rechtfertigung für die Norm dient. Die parlamentarische Arithmetik würde die Ankündigung zu einem Problem der Mehrheitsbeschaffung machen, bevor es um Prinzipien geht.

Im Hintergrund schwelt eine weitere Debatte: Ob das eigentliche Ziel Menschenhandel oder freiwillige Prostitution ist. Manche deuten an, ohne Beweise vorzulegen, dass Mafias in der Nähe der Macht Druck ausüben, um die Aktivität zu kriminalisieren und den Schwarzmarkt zu kontrollieren, und dass Opfer von Menschenhandel als Vorwand missbraucht werden. Dies ist ein Verdacht, keine Tatsache.

Der Zeitplan und die Glaubwürdigkeit der Ankündigung

September ist die Frist, die das Gleichstellungsministerium nennt, und betont, man arbeite „mit voller Leistung“ am Maßnahmenpaket. Die Skepsis gegenüber der Einhaltung des Zeitplans ist weit verbreitet, und zwar nicht nur wegen der Mehrheitsfrage: Die Ankündigung erfolgt mitten im Sturm um die Audioaufnahmen im Ábalos-Fall, was dazu einlädt, sie als politische Reaktion und nicht als festgelegten legislativen Fahrplan zu lesen.

Mit diesen Voraussetzungen kann das Gesetz verabschiedet werden, im Versuch stecken bleiben oder sich während der Verhandlungen mit Sumar verändern. Was sich nicht ändert, ist die Grundlage der Debatte: Die Aktivität wird mit oder ohne Verbot weiter existieren, und das Geld wird weiterhin durch dieselben Kanäle fließen wie immer. Nur wer es verdient und wer es verfolgt, könnte sich ändern.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (150 Antworten).

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