Jesús G. Maestro: Literaturprofessor als „Humbug-Verkäufer“ kritisiert

Ein Professor aus Vigo, ein 56-minütiges Video und der Vorwurf des Humbugs: Aufmerksamkeitsökonomie angewandt auf den literarischen Kanon.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Jesús G. Maestro: Literaturprofessor als „Humbug-Verkäufer“ kritisiert
Don Quijote, ein Professor und das Geschäft mit der Aufmerksamkeit

Ein ordentlicher Professor für Literaturtheorie an der Universität Vigo vertritt seit Jahren eine unbequeme These, die seine Kritiker ablehnen: Fast alles, was außerhalb Spaniens gelesen wird, sei minderwertig. Englisch sei „extrem einschränkend“, und nach seiner Definition gehörten weder Dostojewski noch Bolaño zur Literatur; ein Verteidiger berichtet, er habe „Der Hobbit“ 1992 als langweilig und kindisch empfunden. Don Quijote hingegen sei der Gipfel der Zivilisation. Die Frage hat nun einen Namen: Ist Jesús G. Maestro ein Scharlatan?

Was verkauft ein Professor? Das Geschäft mit der Aufmerksamkeit

Der ökonomische Vorwurf ist am weitesten verbreitet. Im Gegensatz zu Fitness-Gurus, die Kurse für 49,99 Euro verkaufen, betonen seine Anhänger den Unterschied im Maßstab: Hier handle es sich um eine lebenslange Professur und tausende Seiten Essayistik, nicht um ein Wochenend-Paket. Andere entgegnen, dass der Maßstab das Modell nicht ändere. Kurze Videos, prägnante Aussagen, deaktivierte Kommentare und ein Publikum, das Abonnements und Verkäufe speist. Die Mechanik ist die jedes Content-Erzeugers: Aufmerksamkeit gewinnen und in Umsatz verwandeln.

Vom Hispanismus zum Don Quijote als Bibel

Der zweite Vorwurf betrifft nicht Geld, sondern Glaube. Es wird behauptet, sein Kreuzzug gegen das Anglophone und den deutschen Idealismus verberge einen kulturellen Nationalismus, der Don Quijote über jeden ausländischen Kanon stelle. Seine Anhänger lesen dies als Methode; seine Kritiker als sektiererisches Schwarz-Weiß-Denken: die Erleuchteten gegenüber den Blinden. In seiner geistigen Abstammung steht der philosophische Materialismus von Gustavo Bueno, ein Umfeld, das Widerspruch schlecht verträgt. Was viele besonders stört: Der Autor selbst lacht angeblich nicht beim Lesen des Romans, den er verteidigt.

Auch der Kritiker verkauft: Zwei Altäre, ein Markt

Dann ist da die Ironie der Situation. Das Video, das die Debatte entfachte, dauert 56 Minuten und stammt von einem anderen Vermittler, dem vorgeworfen wird, Scharlatane zu kritisieren, während er eigene Bücher verkauft. Zwei Altäre, derselbe Markt. Das wiederkehrende Bild ist das eines Musikers, der nur über Musik spricht, aber nie spielt. Im Internet verkauft jeder etwas – entweder einen Kurs oder ein Stück Seele.

Es bleibt eine offene Frage: Kann jemand, der keinen einzigen Roman veröffentlicht hat, über Literatur urteilen? Seine Verteidigung lautet, dass Theoriearbeit genau das sei. Doch der Zweifel nagt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (81 Antworten).

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