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Japan fordert Kurilen: Russland in Ukraine festgefahren
Tokio erneuert die Ansprüche auf die Südkurilen, während Moskau im Ukraine-Krieg steckt. Ein Forum-Vergleich von Flotte und BIP zeigt die Kluft zwischen Anspruch und Realität.
Japan fordert die Kurilen – Pilingui hat mit der Ukraine genug zu tun
Laut einer im Forum kursierenden Vergleichsanalyse besitzt Japan ein fünfmal so hohes BIP wie Russland sowie eine Flotte aus 20 U-Booten und 53 Fregatten und Zerstörern. Mit diesem vermeintlichen Vorteil beansprucht Tokio vier eisige Inseln, die Moskau nach dem Zweiten Weltkrieg annektierte: die Südlichen Kurilen. Auf dem Papier ist der Unterschied gewaltig. In der Realität bleiben die Inseln russisch, und niemand rührt einen Finger.
Die Forderung ist nicht neu: Es ist ein diplomatisches Ritual, das Tokio seit Jahrzehnten wiederholt. Was sich geändert hat, ist der Zeitpunkt. Sie wird genau dann reaktiviert, wenn Russland im Ukraine-Krieg feststeckt und der Pazifik-Front wieder erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Was sind die Kurilen und warum gibt es seit 1945 keinen Friedensvertrag?
Japan und Russland haben nach dem Zweiten Weltkrieg nie Frieden geschlossen. Das Hindernis ist die Souveränität über die Südlichen Kurilen, die von der Sowjetunion besetzt und von Moskau geerbt wurden. Tokio beansprucht diese Inseln; in den weitestgehenden Versionen des Anspruchs auch die südliche Hälfte Sachalins, das ehemalige Karafuto.
Im Thread wird argumentiert, dass Japan mehr Einwohner als Russland habe und ein fünfzigmal kleineres Territorium besitze. Dies sei laut dieser Sichtweise der eigentliche Kern des Anspruchs: Raum. Die Inseln bestehen aus vulkanischem Gestein und haben ein raues Klima, aber ihre Lage ist strategisch entscheidend für den Zugang zum Pazifik.
Gibraltar, Falklandinseln und Golanhöhen: Der Club der unerfüllten Ansprüche
Der am häufigsten gezogene Vergleich betrifft Spaniens Haltung zu Gibraltar, Argentiniens Anspruch auf die Falklandinseln oder Syriens Position zu den Golanhöhen. Es handelt sich um Forderungen, die auf historischen Argumenten basieren, denen jedoch die militärische Durchsetzungskraft fehlt.
Ohne Friedensvertrag und ohne militärische Stärke hinter der Forderung hat der Anspruchsteller zwar recht, kann es aber nicht durchsetzen. Die Forderung verkommt zu einem jährlichen Routineakt, den der Besatzer elegant ignoriert. Auch der Fall der Dokdo-Inseln (Takeshima), um die sich Südkorea und Japan streiten, kommt zur Sprache: Tokio verliert hier sogar Gebiete in seiner eigenen Nachbarschaft.
Der Schatten Washingtons und die 7. Flotte in Yokosuka
Ein Teil der Analyse behauptet, Japan unternehme nichts ohne grünes Licht der USA. Die US-amerikanische 7. Flotte hat ihren Stützpunkt in Yokosuka, und Japans Außenpolitik sei eng damit verknüpft. Falls dies stimmt, verschiebt sich die Frage: Nicht was Tokio will, sondern was Washington will, ist entscheidend.
Auf der anderen Seite steht China. Ein nuklear bewaffnetes Japan wäre ein Szenario, das Peking laut dieser Einschätzung niemals tolerieren würde. Dieses Gegengewicht allein könnte erklären, warum die Forderung bei einer jährlichen diplomatischen Note und einer dreitägigen Schlagzeile bleibt.
Unbestätigte Daten: 1.200 Atomsprengköpfe?
In einem spekulativeren Abschnitt taucht eine Zahl auf, die Vorsicht erfordert: Die Behauptung, Japan verfüge möglicherweise über ein Nukleararsenal von über tausend Sprengköpfen, basierend auf einem schnell zitierten Lexikoneintrag. Es gibt keine unabhängige Bestätigung, und die Quelle ist fragwürdig. Die Zahl wird erwähnt, nicht belegt.
Auch die im Thread genannten konventionellen Zahlen sind quellenlos: rund 200 einsatzbereite F-15-Jäger, 150 bestellte F-35 und etwa 40 bereits im Dienst.
Kann Russland eine zweite Front in Asien eröffnen?
Das am häufigsten vorgebrachte Argument beruht auf militärischem Menschenverstand. Wenn Russland nicht einmal Kiew einnehmen konnte, ist die Vorstellung einer amphibischen Landung auf pazifischen Inseln mit der entsprechenden Logistik reine Fiktion. Japans eigene Forderung liest sich, entgegen aller Erwartungen, eher als Beweis für Russlands Schwäche: Man nutzt aus, dass der Bär abgelenkt ist.
Das Gegenargument ist ebenso simpel. Japan verfügt nicht über die offensive Stärke, die ein solcher Anspruch erfordern würde, und seine Verfassung setzt ihm enge Grenzen. Fordern heißt nicht erobern.
Mit diesen Fakten lautet die Frage nicht, ob Japan die Kurilen zurückgewinnen wird. Sondern wie viele identische Pressemitteilungen nötig sind, bis jemand sie ernst nimmt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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