Ibex 35 im Juni 2014: Rekordhochs bei schwacher Realwirtschaft
Wie kann ein Börsenindex jährliche Höchststände markieren, während die Wirtschaft, die er abbilden soll, kaum wächst? Der Juni 2014 zeigte genau diesen Widerspruch auf den Bildschirmen: Der Ibex 35 notierte in der Zone von 10.700–11.000 Punkten, streifte mittelfristige Widerstände und profitierte vom billigen Geld der Europäischen Zentralbank. Die Realwirtschaft hinkte hinterher. Und die roten Zahlen, die viele erwartet hatten — jene der Verluste, nicht der Politik — blieben auch in diesem Monat aus.
Draghi, billiges Geld und die Kluft zwischen Börse und Wirtschaft
Der unsichtbare Protagonist dieses Monats war Mario Draghi. Die EZB bereitete ihre Maßnahmen vor — die Zinsen sollten weiter sinken — und die Banken feierten dies mit Kursgewinnen, während andere skeptisch zusahen. Die Theorie war einfach: leichtes Geld treibt Vermögenswerte nach oben. Die Praxis war unbequem. Eine der am häufigsten diskutierten Ideen war die der Divergenz: Nie zuvor war die Finanzwirtschaft so stark von der Realwirtschaft entkoppelt, mit einer schrumpfenden Ökonomie und einem Index, der Rekorde brach.
Die Diagnose wurde immer wieder bestätigt: Die US-Börse auf Allzeithochs bei kontrahierender Wirtschaft, fallende Renditekurven und eine Handvoll Schwergewichte — Santander, Repsol und Iberdrola —, die den Ibex künstlich stützten. Sogar das Label „Death Cross“ wurde über globale Indizes verhängt, jenes Signal, das das Schlimmste ankündigt und das sich oft als Fehlalarm herausstellt. Die Frage stand im Raum: Kann das gut gehen?
Repsol, Pemex und die CNMV: Die Aktie, die den Monat dominierte
Wenn eine Aktie die Gespräche beherrschte, dann war es Repsol. Die CNMV (spanische Börsenaufsicht) suspendierte den Handel, während Pemex seine Beteiligung abstieß. Für manche waren dies institutionelle Verkäufe, die eine Platzierung andeuteten und eine Falle für Naive darstellten; für andere ein Rabatt, der noch in derselben Sitzung geschlossen würde, wie bei anderen Unternehmen zuvor. Die wiederkehrende Frage lautete: Zu welchem Preis einsteigen?
Das Dilemma hatte eine psychologische Komponente, die in Bilanzen fehlt. Wer Enagás hielt, zweifelte, ob er wechseln sollte; wer draußen war, fragte sich, ob der Rückgang ein Boden oder der nächste Abwärtsschritt sei. Die Erholung nach institutionellen Verkäufen „erfolgt meist schnell“, hieß es, aber auch, dass alles zu leicht erscheint, um keine Falle zu sein. Das Szenario wiederholte sich einen weiteren Monat: Privatanleger fragten nach Einstiegspreisen für eine gerade suspendierte Aktie.
Steht eine Korrektur beim Ibex 35 an? Technische Prognosen des Monats
Der Monat hatte seinen eigenen Rhythmus unter Analysten. Eine technische Projektion sah den wichtigsten Support über 10.740 Punkten, mit einem Zielbereich von 10.860–10.950 und der Warnung, dass die Indikatoren „sehr schlecht“ wurden. Nur ein Rücksetzer bis 10.600 mit starker Erholung hätte den Index über 11.000 führen können, laut einer anderen Lesart, mit einer Ausdehnung bis 11.390, wenn die Kraft vorhanden wäre.
Am anderen Ende operierten die Orthodoxen mit Futures-Niveaus: Ein Schlusskurs über 1.962, um 1.975 anzugreifen, mit Supports bei 1.948 und 1.934. Der Bruch dieser beiden Levels, sagten sie, würde bei hohem Volumen den Weg für eine größere Korrektur Richtung 1.898–1.850 ebnen. Im Hintergrund die Warnung, dass der Moment, wenn er kommt, „alle gleichzeitig treffen wird und wir durch eine sehr enge Tür fliehen müssen“. Niemand wusste wann. Alle fürchteten den Ansturm.
Vocento und Small Caps: Den x10-Gewinn im Schlamm suchen
Wo manche einen Friedhof sahen, suchten andere Gold. Vocento galt als perfektes Beispiel eines „Penny Stocks“: Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 270 Millionen Euro und einem Tagesumsatz von lächerlichen 30.000 Euro, sowie einem Absturz von 90 % vom historischen Hoch, das allein beim Anblick schmerzte. Die These war so alt wie der Markt selbst: Wenn etwas tief fällt, prallt es früher oder später ab. Und manchmal verzehnfacht es sich.
Ein weiterer oft genannter Name: Hispania, die Immobilienfirma, die „ohne Backsteine in der Bilanz, ohne Schulden und ohne physische Filialen“ hervorging, was viele nach den Jahren der toten Assets in den Bilanzen als fundamental ansahen. Das Problem war wie immer der Zeitrahmen. Wie viele Jahre muss man warten, bis eine Popular-Aktie bei 5 Euro die 40 erreicht? Die ehrliche Antwort, vermuteten sie, ist, dass niemand es weiß.
Der Gazellen-Indikator: Wenn fünf Freunde innerhalb von drei Tagen Tipps wollen
Es gibt Thermometer, die in keinem Bericht stehen. Eines der zuverlässigsten sind die Menschen um dich herum. Ein Teilnehmer berichtete, dass ihm innerhalb von drei Tagen fünf Bekannte Aktienempfehlungen abverlangt hätten, um „mit praktisch allen Ersparnissen“ einzusteigen. Eine Horde von Gazellen kommt, warnte er, selbst im Masai Mara nicht so zahlreich. Wenn der Schwager fragt, wie man Aktien kauft, ist der Markt nicht günstig; er feiert.
Parallel dazu beunruhigte Veteranen das Gefühl, dass Geld verdienen „leicht“ sei: Bei jedem kleinen Rücksetzer wird gekauft, und alle werden reich. Die wiederkehrende Vergleich war der von billigem Geld als soziale Droge: Man weiß, dass es schlecht ist, dass morgen der Kater kommt, aber um vier Uhr morgens scheint alles eine gute Idee. Das Problem ist nicht der Kater. Es ist der Tag danach.
Corona, WM und Irak: Was den Markt nicht bewegte
Währenddessen brodelte die Nachrichtenlage, doch „die Märkte“ blieben unbeeindruckt. Die Abdankung von Juan Carlos I. und die Proklamation von Felipe VI. füllten Schlagzeilen und lösten Analysen über die institutionelle Fragilität aus, mit der Frage, was geschehe, „falls eines Tages eine Republik eingeführt werden soll“. Der Krieg im Irak, ein mögliches Embargo gegen russisches Gas oder ein Default Argentiniens — „Schachmatt für die argentinische Schuld“, hieß es — hätten die Indizes in den Boden ziehen sollen. Taten sie nicht.
Der Index verhielt sich „wie das spanische Mittelfeld beim Tiki-Taka-Spiel“: kontrollierend, ohne Aufregung. Selbst die Fußball-WM in Brasilien kreuzte den Markt, wobei der Sport als kollektives Betäubungsmittel diente. Der Verdacht schwang mit, dass der Optimismus mit geliehenem Geld finanziert wurde und die Party enden würde, sobald Draghi den Wasserhahn zudrehte.
Enagás und der Peru-Vertrag: Eine Dosis positiver Realität
Es gab jedoch Nachrichten, die Aktien aufgrund eigener Verdienste steigen ließen. Enagás erhielt zusammen mit Odebrecht den Zuschlag für eine Gaspipeline in Peru im Wert von 4 Milliarden Euro, ein Mega-Vertrag, der das Argument der internationalen Infrastruktur als sicheren Hafen wiederbelebt. Der Wert gewann durch solche Projekte an Potential, während der Rest des Index von der Stimmung der EZB und institutionellen Verkäufen abhing.
Der Monatsabschluss sah den Ibex nahe bei 11.000 Punkten, mit der von einigen angekündigten 30-%-Korrektur weiterhin in der Luft und den Small Caps, die zwischen Hoffnung und Panik hin- und hergerissen waren. Diejenigen, die auf den Crash warteten, mussten weiter warten. Wieder einmal.
Mit billigem Geld im Fluss, der anhaltenden Divergenz zwischen Börse und Wirtschaft und den Gazellen, die weiterhin einströmten, schien die Korrektur jeden Montag unmittelbar bevorzustehen. Dieser Montag kam nie. Bis er schließlich kam, natürlich, obwohl ihn zu diesem Zeitpunkt niemand mehr so nannte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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