Ibex im April 2014: Abwärtskeil deutet auf 8.650 Punkte

Im April 2014 pendelte der spanische Leitindex Ibex 35 zwischen 10.100 und 11.200 Punkten, während ein absteigender Keil auf 8.650 hindeutete und die EZB untätig blieb.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

April 2014: Der Ibex wartete auf Draghis Worte statt auf Gewinne

Der April 2014 war kein Monat für Wagemutige, sondern für Buchhalter. Der Ibex 35 verbrachte vier Wochen damit, zwischen einem stark überwachten Boden bei 10.100 Punkten und einem angestrebten Höchststand von 11.200 zu schwanken. Der erwartete Auslöser – die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi – verlief ohne große Überraschungen. Es handelte sich weniger um eine Investitionsstrategie als vielmehr um Glücksspiel. Und in diesem Monat wurde das Casino nicht von Frankfurt, sondern von den Nachrichten aus Amerika gesteuert.

Der Markt hatte mit verdächtiger Sicherheit entschieden, dass Draghi keine großen Maßnahmen ergreifen würde. Die Pressekonferenz wurde ohne sofortige oder drastische Schritte erwartet, und der Devisenmarkt blieb nach einer ersten Schwankung ruhig. Dieser Konsens der Ruhe – wenn alle zustimmen, liegt oft ein Problem verborgen – bestimmte den Ton des Monats.

Warum der Markt auf Draghi wartete, ohne nervös zu werden

Niemand ging davon aus, dass kurzfristig drastische Maßnahmen kommen würden. Im Hintergrund lag die unbequeme Idee, dass Zentralbanken nicht für die Wirtschaft, sondern für die Märkte handeln. Diese oft wiederholte Skepsis erklärte, warum der Index jeden Schlag verkraftete, ohne zusammenzubrechen. Der Markt tastete ab, ließ alles im Stand-by und wartete darauf, wer zuerst handelt.

Auffällig war, dass sich Spanien besser entwickelte als Volkswirtschaften mit viel mehr industrieller Stärke. Ein Teilnehmer fasste dies skeptisch zusammen: Es ist schwer zu akzeptieren, dass ein Land wie Spanien als sicherer gilt als die USA. Die implizite Antwort lag bei der EZB, dem Fundament der gesamten Struktur. Ohne diesen Schutzschirm hielt die Preislogik keiner ernsthaften Prüfung stand.

10.100 als Boden und 11.200 als Decke: Wie man die Spanne handelte

Die Handelsspanne war so eng, dass sie zur Falle für Short- und Long-Positionen wurde. Viele Geschäfte des Monats bewegten sich in Bändern von 60 bis 100 Punkten, mit schnellen Abschlüssen und sehr engen Stop-Losses. Wer zu lange durchhielt, endete oft mit Verlusten.

Einige erklärten, sie seien mit allem fetten Short ab der Zone um 10.495, überzeugt, dass die Erholung früher käme, und beendeten die Positionierung mit einem Durchschnittskurs um 10.550. Andere schlossen Longs bei 10.255 nach Einstieg bei 10.195 und bauten zwanzig Minuten später Shorts auf. In dieser Choreografie kurzer Impulse entschied die Reaktionsgeschwindigkeit über Gewinn oder Verlust, nicht die These.

Das Problem beim Handeln so ist, dass der Markt Überzeugung bestraft. Laut ausgesprochene Shorts führten dazu, dass der Index am nächsten Tag über 10.300 brach.

Die Gap bei 9.450 und der Keil, der auf 8.650 deutete

Die bearishe These hatte Namen und Zahlen. Es wurde argumentiert, der Ibex zeichne einen Keil – in voller Pracht –, der erst die obere, dann die untere Grenze touchiere, nach einer seitlichen Bewegung, die als „amyotroph“ bezeichnet wurde. Vom Gap bei 9.450 aus sollte ein Pullback erfolgen. Von dort war das erklärte Ziel 8.650, und das Szenario wurde als vernichtende Furie gegenüber jeder vertrauensvollen Position beschrieben.

Es gab Unschärfen: Das Gap bei 9.450 wurde manchmal fälschlich als tausend Punkte höher zitiert, was die spätere Korrektur erklärt. Die technische Analyse hat ihre Tücken. Wichtig war, dass das Muster als ein Signal angekündigt wurde, das genau dann in allen Medien erscheinen würde, wenn der Abwärtstrend bereits abgeschlossen war.

Der zweite Teil des Arguments war der DAX. Der Bruch der Unterstützungen des deutschen Indexes wurde als Bestätigung gelesen, nicht als Rauschen. Wenn der deutsche Markt hustet, bekommt Spanien eine Erkältung; in diesem Monat bewegten sich die Deutschen mit einer Volatilität, die viele auf dem falschen Fuß erwischte.

Volumen sank, während der Index stieg: Die ignorierte Divergenz

Das unangenehmste Signal des Monats war keine Figur, sondern eine Subtraktion. In den letzten Aufwärtsphasen sank das Volumen deutlich. Ein Anstieg ohne Volumen ist ein Anstieg ohne Überzeugung: Der Preis steigt, weil kein Angebot entgegenwirkt, nicht weil starke Hände ihn treiben. Die bearishe Divergenz – steigende Hochs im Preis, fallende Werte im RSI-Indikator mit drei Spitzen – lag auf dem Tisch und wurde mehrfach wiederholt.

Das Gegenargument war mechanisch: Solange große Fonds keine Positionen auflösen, um in andere Märkte zu rotieren, gibt es keinen starken Fall. Tagesbewegungen sind Erschütterungen zur Liquiditätsgenerierung, Tropfen in einem Meer latenter Gewinne für das große Geld, Ruin für den Kleinanleger. Wendepunkte wurden an sehr konkreten Niveaus platziert, mit Verkaufssignalen um die 1.898 des US-Futures, und alle blickten auf diese Zahl wie auf einen Sturm im Talgrund.

Das Datenblatt, das die Erzählung brach: US-BIP wuchs nur 0,1%

Am 30. April kam die statistische Ohrfeige. Die amerikanische Wirtschaft war im ersten Quartal 2014 nur um annualisierte 0,1% gewachsen, verglichen mit 2,6% im vierten Quartal 2013, laut der vorläufigen Schätzung des Bureau of Economic Analysis. Zehn Prozentpunkte. Mit noch ausstehenden Revisionen.

Und trotzdem stiegen die Indizes trotz katastrophaler BIP-Daten und laufender Reduktion des Kaufprogramms der Federal Reserve. Die Reaktion war Unglaube: Stimulusabbau und schlechte Daten, aber der Markt zeigte dreiste Aufwärtsbewegung. Die Entkopplung zwischen Realwirtschaft und Preisen hörte auf, eine Hypothese zu sein, und wurde zu einer unbequemen Tatsache, die niemand ganz erklären konnte.

Kleinwerte hielten bei 0,80, während sie Kapitalerhöhungen verhandelten

Während der große Index in der Spanne langweilte, bot der kleine Markt Spektakel. Einer der meistbeobachteten Titel hielt sich fest bei 0,80 Euro mit einem Volumen, das nicht passte: Es schien, als verteidige jemand den Preis. Die kursierende Erklärung war, dass neue Anleger an einer Kapitalerhöhung auf diesem Niveau teilgenommen hatten, mit der Schatten eines inversen Splits und der Insolvenz als Alternative, falls die Operation scheiterte.

Die Lesart am Parkett war anders: Das Unternehmen hatte kaum Schulden, daher schien der Bankrott unwahrscheinlich. Bei 0,70 als Kaufauslöser hatten einige ihren Plan klar mit tausend Euro in der Hand und warteten ab. Der Rest, Dividenden der Santander und neue Bezugsrechte im Portfolio, beobachtete man mit der Geduld dessen, der schon zu viele Kapitalerhöhungen während einer improvisierten Restrukturierung gesehen hat, die ein Teilnehmer als „Reisen mit einem manisch-depressiven Fahrer“ beschrieb.

Von deutscher Kohle zum Finale in Lissabon: Was zwischen den Charts durchrutschte

Der Monat endete mit einem Energiedatum, das fast wie ein öffentlicher Dienst geteilt und übersetzt wurde: Die deutschen Kohleimporte stiegen 2013 um 9,3%, wobei die aus Russland um 18% zunahmen. Japan und Deutschland belebten Kohlekraftwerke wieder, um Atomkraft zu ersetzen. Öl, Gas, Kohle: Wer die Energie bewegt, bewegt die Welt. Der Gaspreis wurde zur wiederkehrenden Wette.

Und zwischen Chart und Chart das Leben. Barcelona und sein Spaziergang, das Champions-League-Finale, das erstmals zwei Teams derselben Stadt gegenüberstellte – Atlético und Real Madrid – und die Easyjet-Tickets Richtung Lissabon zu Hochpreisen. Santander legte Bezugsrechte ins Depot vor Handelsbeginn, Grifols kämpfte mit den 38,50 (Fibonacci-Retracement), der nächste Schritt bei 39,10 (61,8%) und der dicke Widerstand bei 41,15. Ferrovial bei 18 Euro zum Verkauf vor Weihnachten, und der Ibex plätscherte derweil vor sich hin.



Der Monat endet am 30. April, ohne dass sich der Keil auflöst: Der Ibex bleibt in der Spanne, das Volumen stimmt nicht überein und das Gap bei 9.450 ist weiterhin da, ebenso bedrohlich wie intakt. Mit diesen Voraussetzungen hätte der Abwärtsbruch, den fast alle erwarteten, längst eingetreten sein müssen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3659 Antworten).

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