Der IBEX im Juni 2012: Die 6.300 Punkte als letzte Verteidigungslinie
Der IBEX 35 startete im Juni 2012 auf der Suche nach einem Boden, wobei die Support-Level mühsam abgetastet wurden und die Anleger den Atem anhielten. Die 6.300 Punkte entwickelten sich zur Trennlinie zwischen einer technischen Erholung und einer weiteren Abwärtsbewegung, was zu einer nahezu obsessiven Überwachung dieser Marke in jeder Sitzung führte. Niemand zweifelte am Auslöser: Ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro für das spanische Bankensektor, das in Brüssel ausgehandelt wurde und laut vorherrschender Meinung letztlich vom Steuerzahler getragen werden würde. Die asiatischen Börsen eröffneten im Minus, und der Kalender markierte den 12. Juni als das Datum, an dem viele den ersehnten Tiefpunkt erwarteten.
Was geschah im Juni 2012 mit dem IBEX 35 und der Bankenrettung?
Die Verwendung der Gelder wurde nur spärlich kommentiert und war kontrovers. Es kursierte die nie bestätigte Version, dass die 100 Milliarden Euro praktisch unter mittelgroßen Instituten – genannt wurden Caja Córdoba und Caixa Peine – verteilt würden, eher als bei den großen Banken, die die Schlagzeilen dominierten. Der beschriebene Mechanismus hatte eine zwingende Logik: Die Institute erhielten Mittel, um ihre Schulden bei deutschen Banken zu begleichen; diese Zuführung wurde als Staatsverschuldung verbucht; und die Zinsen auf diese neue Schuld flossen ins Staatsdefizit.
Die wiederholte Schlussfolgerung war unbequem: Das Geld floss gleich schnell nach Europa zurück, wie es hereinkam, ausländische Investoren steuerten keinen Euro bei, und Spanien blieb faktisch mit einem Budgetspielraum nahe null. Einige Analysen bestanden darauf, dass das korrekte Wort Rettung sei und nicht „weiche Kreditlinie“, da das Kleingedruckte keine Unterscheidung zuließ.
Warum wurden die 6.300 Punkte zum entscheidenden Support?
Das Halten der 6.300 war die Voraussetzung, um überhaupt an eine Erholung zu denken. Darüber lagen die Referenzpunkte bei 6.650 und 7.114 Punkten als erste Stufe nach oben im optimistischen Szenario; darunter erstreckten sich die Abwärtsziele bis zu 5.890 und im extremsten Fall bis zu 5.000 Punkten. Eine der meistzitierten – und riskantesten – Vorhersagen sah den Boden exakt am 12. Juni 2012 in der Zone von 5.720-5.693 Punkten.
Es gab zu keinem Zeitpunkt einen Konsens. Während einige argumentierten, dass die Umkehrformation intakt sei und es sich nur um einen Rücksetzer vor dem Anstieg handle, widersprachen andere, indem sie betonten, dass die größere Abwärtsstruktur unverändert bleibe und das Aufheben eines Abwärtsziels kein Aufwärtsziel begründe. Diese Nuance wurde beharrlich wiederholt: Das Brechen eines Abwärtstrends führt zu seitwärts gerichteten Märkten, nicht automatisch zu steigenden Kursen.
Vom Dividende zum Cent: Banken im Fokus
Konkrete Werte pro Aktie füllten die Seiten. Bei BBVA wurde die Marke von 4,90 Euro als Einstiegspunkt für Short-Positionen definiert; eine bestimmte Sitzung wurde als seltenes Ereignis beschrieben, bei dem die ersten Kerzen von Großkäufern dominiert wurden, der Rest aber massiv verkauft wurde, was erhebliche Verluste hinterließ. Bei Santander sprach man von Einstiegschancen zwischen 4,56 und 4,44 Euro; bei Telefónica von 9,80 als Ziel nach oben und 8,78 nach unten; bei Telecinco von einem Doppelboden bei 3,28 mit Aktivierung über 3,90 auf dem Weg zu 4,50.
Die Sitzung, die den Tag am besten abbildete, zeigte ein Plus von 2,13% bei BBVA, 1,28% bei Santander, 1,14% bei Iberdrola und 1,04% bei Telefónica. Dennoch war die zugrunde liegende Warnung anders gelagert: Manche behaupteten, die Banken würden schließlich in Cent-Bereichen notieren, und sie wären nicht die einzigen.
Das 11%-Gap: Die Paradoxie, Geld zu verlieren, während der Index steigt
Eines der meistdiskutierten Ereignisse war die bullische Gap-Eröffnung. In der Vorwoche waren Positionen aufgebaut worden, und als der Index bereits 11% über den Tiefstständen lag, erfolgte der Sprung. Das Ergebnis war eine perfekte Falle: Wer lange gewartet hatte, sah den Zug abfahren und wagte nicht einzusteigen; wer aus vorherigen Verlusten gebrannt war, blieb im Minus, obwohl der Index seit dem Tief um 10% zugelegt hatte.
Die überwiegende Lesart war, dass die Bewegung darauf abzielte, Kleinanleger auszuschließen und die Reise mit möglichst wenigen Teilnehmern zu beginnen. Als Beispiel zur Dämpfung des Enthusiasmus diente das Jahr 2008: Eine Sitzung, in der die Großbanken um 10% stiegen, fielen zwei Tage später wieder auf den Ausgangspunkt zurück.
Wie wurde das Intraday-Volumen interpretiert und wer bewegte den Markt?
Die Analyse des Volumens im IBEX-Futures wurde zum täglichen Barometer. An einem Tag wurde hohe Aktivität mit negativem Saldo festgestellt, wobei mehr Verkäufe bei niedrigen Schwellenwerten (kleine Orders) stattfanden als bei hohen. Das Tageshoch lag bei 13:45 Uhr bei 6.405 Punkten, um bei 6.455 Punkten zu schließen, ein Minus von 0,86%. An einem anderen Tag war die größte Transaktion ein Kauf von 164 Kontrakten um 10:04 Uhr, genau bei 6.315 Punkten, woraufhin bei geringem Volumen verkauft wurde.
Die praktische Schlussfolgerung war, dass die Bewegung durch viele kleine, getarnte Orders angeschoben wurde, während große Akteure schrittweise Aktien abgaben. Wenn makroökonomische Daten am Nachmittag erschienen, brachen die technischen Kanäle abrupt zusammen und die Niveaus verloren ihre Gültigkeit. Die wiederkehrende Warnung: An Tagen mit US-Arbeitsmarktdaten muss man die Niveaus mit Vorsicht behandeln.
Was zwischen den Charts durchsickerte
Mitten in der Kerzenanalyse tauchten andere Geschichten auf, die den Pessimismus nährten. Erwähnt wurde eine Meldung von Reuters über die Pensionsfonds der Stadt New York, die sich einer Sammelklage gegen Wal-Mart wegen angeblicher Bestechungen in Mexiko und deren Vertuschung anschlossen; die Angelegenheit betraf die Treuepflicht der Vorstände gegenüber den Aktionären.
Auch die Insolvenzen im US-Energiesektor wurden genau beobachtet: Patriot Coal, als hochriskantes Wertpapier beschrieben, und James River Coal, das nahe zwei Dollar notierte ohne Insolvenzgerüchte. In Spanien wurde über eine mögliche Unternehmensübernahme bei Solaria spekuliert, die bei Scheitern das Unternehmen an den Rand des Abgrunds bringen würde. Im Hintergrund stand die Empfehlung eines klassischen Handbuchs, zitiert nach seinem Titel: Cash, Strategie gegen den Crash.
Die Erholung kam, aber niemand unterzeichnete Frieden
Der Index konnte schließlich Terrain bis zu 6.732 Punkten zurückgewinnen, unterstützt vom SP500 bei 1.344 aus Wall Street, während mehrere Märkte mit Aufschlag gegenüber dem Forex-Handel eröffneten – ein Signal, das manche als Gefahr, andere als Bestätigung lasen. Die 6.800 waren in greifbarer Nähe, fast ohne Zwischenstation.
Und dort stockt alles. Es gibt keinen Konsens darüber, ob dies der echte Boden oder eine zweiwöchige Illusion war. Die 6.300 hielten dem Druck stand, aber zwischen der Rettung von 100 Milliarden Euro, den Zinskosten, die zum Defizit wurden, und einer Volatilität, die gerade nutzbare Bereiche bildete, bleibt die Frage unbeantwortet, die zu Monatsbeginn gestellt wurde: Wenn dies der Tiefpunkt ist, warum fühlt es sich immer noch wie eine Falle an?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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