April 2010: Der IBEX 35 unterbietet die Marke von 10.100 Punkten
Am Nachmittag eines Tages Ende April 2010 zeigte die Anzeige des IBEX 35 10.077 Punkte an. Es war kein sauberer Schlusskurs oder ein respektierter Support, sondern ein Tiefpunkt mitten in einer Sitzung, in der fast der gesamte spanische Markt gleichzeitig fiel. Die Futures, die dem Geschehen immer einen Schritt voraus sind, hatten bereits 9.932 erreicht. Der Einbruch kam nicht aus Madrid, sondern aus Athen, getrieben von Ratingagenturen und einer dumpfen Panik vor Staatsanleihen, die in diesem Monat die vermeintliche Ruhe zerstörte.
In diesen Tagen wiederholten sich zwei Aussagen beharrlich: dass Institutionen nicht verkauften und dass der spanische Index schwächer performte als seine europäischen Nachbarn. Beide Behauptungen prallten letztlich auf die Realität der Kursentwicklung.
Die griechische Krise als Treiber des IBEX-Absturzes
Der Auslöser hatte einen Namen und war nicht spanisch. Morgan Stanley warnte, dass die griechische Schuldenkrise eine Kette von Ereignissen auslöse, die Deutschland zum Euro-Austritt bewegen könnte, mit harten Folgen für unvorbereitete Anleger. Die Notiz wurde zitiert und interpretiert bis zur Erschöpfung. Die Marktreaktion war keine vernünftige Zweifelhaftigkeit, sondern Verkauf.
Staatsanleihen wogen schwerer als Unternehmensgewinne. Die Zahlen aus Wall Street waren ordentlich, aber irrelevant. In Europa dominierten andere Faktoren: griechische Anleihen und Misstrauen gegenüber Spanien. Indizes reagierten auf jede Schlagzeile über Rettungspakete, Schuldenschnitte oder Euro-Austritte. In diesem Umfeld diente die technische Analyse dazu, dem Angstniveau eine Zahl zu geben, es nicht zu beseitigen.
Der deutsche DAX klammerte sich an einen Pivot bei 6.222 Punkten, während der spanische Index keinen Halt fand. Diese scheinbar technische Differenz beschrieb etwas Unangenehmeres: Wenn das Misstrauen Südeuropa trifft, leidet Madrid stärker als Frankfurt.
Tägliche Berichte über institutionelle Volumina
Eine der meistgelesenen Publikationen jenes Monats war ein täglicher Bericht, der die Aktivität institutioneller Volumen im IBEX sezierte. Er schaute nicht auf Charts oder Linien, sondern darauf, wer kaufte, wer verkaufte und wann, um großes Geld vom Rauschen der Kleinanleger zu trennen. Jede Sitzung wurde zusammengefasst durch das Tagesvolumen (niedrig, normal, hoch), den Saldo (positiv oder negativ) und eine Interpretation der Absichten.
Die Methode hatte ihren Reiz. Man notierte, ob große Pakete bis 9:30 Uhr kauften und danach verkauften, ob sie mittags verschwanden oder in der Auktionsphase am Ende agierten. Manchmal war der Saldo leicht positiv bei niedrigem Volumen; am nächsten Tag stark negativ nach einem Verkauf von etwa 1.400 Kontrakten um 15:00 Uhr, den der Analyst selbst für einen Computerfehler hielt. Die übliche Schlussfolgerung war eine Wette auf die Eröffnungslücke des folgenden Tages.
Und genau dies war der fragilste Teil des gesamten Konstrukts. Es gab Tage, an denen die Absichtsanalyse eine Aufwärtslücke vorhersagte, der Markt aber abwärts eröffnete. Andere Male warnte der Bericht vor einem Future-Support, der getestet, kurz abprallte und dann weiter fiel. Die handwerkliche Arbeit war ernst. Die Gewissheiten waren es deutlich weniger.
Der Tag, an dem der IBEX unter 10.100 fiel
Der Absturz geschah ohne Epik. Eine Sitzung mit einem bärischen Umkehrmuster riss den Index und fast alle Werte mit, nachdem der vorherige Schlusskurs noch Kontinuität signalisiert hatte. Die damals gehandelten Ziele lagen bei 11.000 und dann 10.750. Die erste Station wurde in die entgegengesetzte Richtung getroffen.
Aus dem Tropfen wurde ein Einsturz. Santander fiel um 5,41 %. BBVA um 5,74 %. Bankinter ebenfalls um 5,74 %. Banco Popular um 6,09 %. Ferrovial um 6,57 %. Sacyr um 7,19 %. FCC, Abertis, Banesto und Mapfre vervollständigten eine Verlustliste, die selten so einheitlich war. Es war kein einzelnes Problemunternehmen, sondern das gesamte spanische Finanzsystem, das durch den Fleischwolf gedreht wurde.
Einer der meistdiskutierten Vorfälle betraf einen kleinen Wert, der in einer einzigen Sitzung 8,4 % verlor. Der Aktionär schrieb hundertmal zur Buße denselben Satz: „Ich werde nie wieder diese Aktie kaufen.“ Jemand antwortete, dass hundert weitere Wiederholungen ihn freisprechen würden. Grabenkrieg-Humor für ein rotes Depot.
Auch Wall Street half nicht. Der Dow Jones schloss mit -1,42 %, der Nasdaq mit -2,02 % und der S&P 500 mit -1,67 %. Mit diesem Bild auf der anderen Seite des Atlantiks war die europäische Montags-Sitzung vorab verloren.
Warum fiel der IBEX stärker als DAX oder STOXX?
Diese Frage hing über jedem Handelstag. Mehrere Analysen deuteten auf ein Verteilungsmuster hin: Der Index gab Papier in Aufwärtsbewegungen ab und hielt in Tiefs, fast punktgenau wie seit den 11.350 Punkten. Wer diesem Skript folgte, warnte, dass, wenn das Muster einige Wochen anhält, das Kommende bereits geschrieben ist.
Demgegenüber stand die wiederkehrende Lesart, dass Institutionen weiterhin nicht verkauften, was theoretisch den Schaden begrenzte. Die Falle: Das große Geld verkaufte nicht gebündelt, aber der Preis sank trotzdem.
Währenddessen spielten die Ratingagenturen ihre Rolle. Die Herabstufung der AAA-Bonität Spaniens wurde von denen, die monatelang gewarnt hatten, mit bitterem Sarkasmus aufgenommen. Es war keine Überraschung, sondern die Bestätigung, dass das Land nicht mehr zur Gruppe der Unantastbaren gehörte.
Das Lücken-Ratespiel: Vorhersagen, die nicht stimmen
In jenem Monat wurde ein Spiel populär: die Vorhersage der Eröffnungslücke. Zwei Amateur-Analysten wurden zu Referenzen, einer wettete auf Aufwärtslücken, der andere auf Abwärtslücken, und jeden Freitag stimmte das Publikum für seinen Favoriten. Das Problem war die Statistik. Einer der beiden lag, laut kursierenden Zählungen, bei den Lücken daneben wie ein Streuschuss, traf aber Supports oft. Der andere deckte sich fast immer mit widersprüchlichen Signalen ab.
Die Übung hatte etwas Liturgisches. Man sprach von einem flüsternden Indikator mit zwei Unterindizes, die manchmal in dieselbe Richtung zeigten, manchmal divergierten. Bei Übereinstimmung herrschte Konsens; bei Streit begann die Debatte. Und am Montag löste der Markt alles, ohne jemanden zu fragen.
Aufschlussreich war, dass frühere Treffer übermäßiges Vertrauen erzeugt hatten. Ein treuer Trinc gab nach dem Crash zu: Seit Februar lag die Trefferquote höher als bei jedem professionellen Analysten, und das sei nicht normal. Kein System hält dieses Tempo ewig durch. Als der Fehler kam, kam er groß.
Broker, CFDs und die Kleingedrucktes des Hebelns
Zwischen den Abstürzen drehte sich die halbe Diskussion um Praktisches: Mit wem handeln und zu welchen Kosten. Genannte Namen für langfristige Positionen waren Interdin, R4 und ING Direct. Die Grundbeschwerde blieb gleich: Bankkommissionen vervierfachten die Kosten im Vergleich zu anderen Plattformen, und zudem erlaubten Banken oft keine Stop-Loss-Orders.
CFDs drängten stark in die Diskussion. Die Warnung war klar: Sie werden gehebelt, nur 10–30 % Margin erforderlich, funktionieren also keineswegs wie normale Aktien. Man gewinnt groß und verliert groß. Vorsicht bei parallelen Märkten, wo ein Spike ohne Bezug zum Basiswert den Stop auslösen kann, ohne dass sich der reale Wert bewegt hat.
„Lernen durch Schläge“, fasste einer zusammen. Wer Stops nutzen will, lernt sie erst durch Geldverluste. Niemand bestritt diesen Teil.
Steuerplanung, Offshore-Gesellschaften und das Barings-Gespenst
Es gab auch Zeit für Steuerplanung. Diskutiert wurde, ob man besser zu Lebzeiten schenkt oder vererbt, wo man den Wohnsitz festlegt und warum gute Steuerberater oft Juristen statt Ökonomen sind. Einer erwog eine Struktur in Andorra. Ein anderer empfahl eine nicht-residente Gesellschaft in UK oder Jersey, mit dem Nachteil, dass die Rückholung des Geldes nicht immer einfach sei.
Parallel erinnerte jemand an die Geschichte von Nick Leeson und den Fall des Barings-Bank 1994, Londons älteste Bank, ruiniert durch einen einzelnen Händler. Eine Warnung, die über fünfzehn Jahre alt war, aber im April 2010 immer noch sehr aktuell klang.
Letztlich ist die verwirrende Zahl weder griechisch noch deutsch. Es ist der IBEX 35 bei 10.181,80 Punkten nach Wochen voller Prognosen, Volumenberichte, Lücken-Wetten und Institutsanalysen. Jemand fasste es mit dem alten Ironie-Klassiker zusammen: Der Aktienmarkt steigt nie wirklich, außerdem kann man immer vermieten oder refinanzieren. Niemand lachte. Oder alle lachten, was aufs Gleiche hinauskommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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