Mai 2014: Der Ibex zahlt Dividenden, während die MwSt auf 25% zusteuert
Am 1. Mai 2014 eröffnete die spanische Börse den Monat mit einem Widerspruch, der die Stimmung des halben Landes zusammenfasste: Der Ibex 35 schüttete großzügig Dividenden aus, während die Wirtschaftsnachricht des Tages war, dass die Mehrwertsteuer nach den Wahlen auf 25% steigen könnte. Die Schlagzeile kursierte mit Sarkasmus unter den Privatanlegern, die monatelang von Erholung hörten, während sie auf ihr Girokonto blickten. Die Botschaft zwischen den Zeilen war die alte: Jeder klammere sich an die Dividende, die er bekommen kann.
Die Zahlen von Sony halfen auch nicht weiter: Das japanische Unternehmen kürzte seine Prognose für das operative Ergebnis um mehr als zwei Drittel. Der erste Tag des Monats brachte bereits genug Zündstoff für Skepsis.
Im Mai verkaufen? Das Ibex-Niveau entscheidet alles
Der Ibex 35 startete in den Mai bei rund 10.400 Punkten, nach einem Anstieg, der die Indikatoren sehr hoch getrieben hatte. Das am häufigsten genannte Szenario war eine leicht abwärts gerichtete Seitwärtsbewegung, mit einer ersten Unterstützungszone zwischen 10.034 und 10.050 und einem Kursziel über 11.123. Die gehandelten Zwischenwerte bewegten sich in der Spanne 10.100-10.600.
Es gibt zwei Lager, und keines gibt nach. Ein Argument besagt, dass der Anstieg über Monate hinweg aufgebaut wurde, mit einem längst angekündigten Volumen, und dass wer bereits Gewinne hat, diese durchhalten muss. Das andere Lager antwortet, dass es weder Trendwende noch Verteilung gab, aber dass Einstiege zu diesen Preisen ein Glaubensakt sind. Der wiederkehrende Satz ist der klassische Fluch: Verkauf im Mai und geh weg. Niemand ist sich einig, ob das noch gilt oder ob der Markt dieses Jahr beschlossen hat, es zu ignorieren.
Dividenden überall: Das Geschenk, das keines ist
Mai ist Dividendensaison, was viele Schattenseiten verdeckt. Santander, BME und einige andere schütteten aus. Der wiederkehrende Witz war präzise: Heute verteilen sie das, was sie nicht haben. Die Dividende erhöht den Kontostand des Aktionärs und senkt den Kurs im gleichen Verhältnis; der Nettoeffekt für den, der Ende des Monats auf sein Konto blickt, ist eine buchhalterische Illusion. Aber psychologisch stützt sie die Aktie. Und hilft, nicht zu verkaufen.
Das perfekte Beispiel lieferte ein Fall aus dem Familienumfeld. Eltern hielten seit sieben Jahren Aktien von Santander und hatten in dieser Woche genau denselben Betrag wie ihre ursprüngliche Investition. Sieben Jahre. Inflation, Gebühren, Trugbilder. Die Frage ihres Sohnes – ob jetzt verkaufen oder bis zum Ende des Mais warten – fasst die Beziehung tausender Sparer zur Großbank zusammen: Unwissend gefangen, wartend auf einen Tag, der nie kommt.
Vergiftete Penny Stocks: Billig, klein und explosiv
Wenn der Ibex die Schaufensterpuppe war, fanden die echten Bewegungen bei den kleinen Werten statt. Natra, Biosearch, Amper, Montebalito, Realia, Ezentis. Die sogenannten Penny Stocks (chicharros), Werte mit winziger Marktkapitalisierung, die in einer Sitzung verdoppeln oder unwiederbringlich abstürzen können.
Die häufigste Warnung war klar: Wer in einen Penny Stock geht, in der Hoffnung, dass andere draufzahlen, hat alle Chancen, selbst der Dumme zu sein. Volumina tauchten plötzlich auf, jemand löste Verkaufsorder aus, und der Kleinanleger kam zu spät. Natra war das Lehrbuchbeispiel: Man sprach von 1,79-1,82 als Schlüsselzone, mit der Möglichkeit, auf 1,73 oder weniger zu fallen, wenn der RSI es so vorgab. Ezentis kündigte eine Kapitalerhöhung von 5 neuen Aktien je 11 Bezugsrechten an, zu 0,7 Euro pro Stück. Das Geld ging wieder einmal aus der Tasche des Aktionärs.
ANR: Der amerikanische Kohlebergbau, der ums Überleben kämpft
Ein Wert dominierte die Diskussion den ganzen Monat: Alpha Natural Resources, ANR, ein US-Kohle- und Gasunternehmen. Die Ergebnisse des ersten Quartals überraschten positiv – ein Verlust von 0,25 Dollar pro Aktie gegenüber Schätzungen, die das Doppelte erwartet hatten – und das Unternehmen hatte seine Liquidität auf 2,1 Milliarden Dollar erhöht. Bei einer kumulierten Kursverlust von 50% in vier Monaten war die Marktreaktion die große Unbekannte.
Optimismus hatte ein Argument: Der Preis für Erdgas in den USA war explodiert, und wenn die Produktion fällt, gewinnt Kohle als Alternative wieder Nachfrage. Pessimismus hatte ein anderes: Der Markt erwartete ein negatives Umfeld für US-Kohle bis 2017, und ANR hatte kein Geld, um so lange durchzuhalten. Jede zusätzliche Finanzierung käme wie Wucher oder via einer 50%-Kapitalerhöhung. Das Unternehmen war bereits unter 800 Millionen Dollar kapitalisiert. Die Enkel werden Geld haben... oder bunte Heiligenbildchen, fasste einer verbittert zusammen.
Draghi, die EZB und die Blase, die niemand sehen will
Das Ereignis des Monats hatte einen Namen: Die Sitzung der EZB. Alle Teile waren seit Wochen ausgebreitet, und der Markt wartete auf den Zentralbankpräsidenten wie auf ein Urteil. Das Szenario hatte drei Türen: Stimulus sofort, Verschiebung auf Juni, oder die Option, die jemand als Hintertür (culera) bezeichnete, nämlich gar nichts, weder damals noch später. Letzteres hätte die großen Anleger gezwungen, einen anderen Katalysator zu suchen.
Parallel warnte die EZB selbst vor einer Blase und einer starken, ungeordneten Korrektur an den Finanzmärkten. Die logische Frage – wenn die Zentralbank warnt, warum verkauft dann niemand? – hatte eine Antwort: Solange billiges Geld fließt, will niemand vom Zug springen. Zyklen, sagten die Veteranen, haben fünf Jahre Aufwärtsphase, und Rücksetzer gehören zum Handbuch. Das Problem ist, dass niemand weiß, wann der Rücksetzer beginnt.
Kredit, der nicht zurückkommt, und Santander, der nicht anspringt
Gegen die offizielle Erzählung der Erholung zeigten die Daten der Banco de España etwas anderes: Der Kredit floss nicht zurück. Positive Daten wurden präsentiert, negative ignoriert, und so hielt man die Fiktion des Krisenausgangs aufrecht. Die Banken verschoben derweil ihre Figuren. BBVA verhandelte den Ausstieg aus Portugal und stellte 83 Filialen zum Verkauf, ein Zeichen dafür, dass es keinen Grund zum Feiern gab. Italien kündigte seinerseits an, Prostitution und Drogenhandel in die BIP-Berechnung aufzunehmen. Alles eher, als zuzugeben, dass die reale Wirtschaft hinkte.
Manche setzten auch Zahlen darauf, was passiert, wenn Geld nicht zirkuliert. Der Kredit kommt nicht zurück, weil das Geld ängstlich ist, sich versteckt und nicht zu finden ist, und in einem Abwärtszyklus flüchtet es oder verschwindet direkt durch den Hebeleffekt. Das Diagramm der japanischen Staatsverschuldung – mehr als eine Billion Yen über der Billion – wurde als Erinnerung geteilt, dass dies länger dauern kann, als jeder aushält.
Ferrovial, Iberdrola und die Marotte, keine Stops zu setzen
Operativ gab es zwei Werte, die Gesprächsstoff boten. Ferrovial begann den Monat mit einer Abwärtslücke, und manche zogen ihre Kauforder bei 15,50 zurück, erwarteten weitere Verluste und schielten unter 15,40. Iberdrola, das den Index gut begleitet hatte, zeigte Ermüdungserscheinungen: Zwei Sitzungen ohne跟随 des Ibex und sinkende Volumina. Wer genau hinsah, erwog den Ausstieg, wenn die 5,25 nicht gebrochen würden.
Und bezüglich der Stops herrschte totale Uneinigkeit. Manche verteidigen, dass ein Stop-Loss nicht obligatorisch sei und ziehen es vor, Korrekturen auszusitzen. Andere kontern, dass kein Stop oder ein zu hoher Stop der schnellste Weg sei, einen Gewinn in einen Verlust zu verwandeln. Was passierte, als ein Wert in zwei von drei Sitzungen mehr als 5% fiel, lieferte die Diskussion: Wer aussaß, entkam nur knapp im Plus, und wusste es.
Der Dividenden-Hut und andere Anekdoten
Nicht alles war Analyse. Mitten im Getümmel berichtete ein Aktionär, per Einschreiben ein Detail für die Delegation seiner Stimme erhalten zu haben: einen karierten Regenhut, der seiner Meinung nach nur für Karneval taugte. Ein anderes Mal mache ich ein Foto mit der Sporttasche von Santander, scherzte er. Die Anekdote beschreibt gut die Beziehung des Kleinanlegers zur Großbank: Du bekommst ein Geschenk, du unterschreibst, und andere treffen die Entscheidungen.
Es gab auch Raum für das Menschliche. Ein Teilnehmer kündigte die Geburt seiner zweiten Tochter nach einer schwierigen Schwangerschaft an und bat halb im Scherz, seine Aktien sollten steigen. Die Börse hat solche Dinge: Zwischen Chart und Chart schleicht sich das Leben ein.
Das Fazit: 14.000, 9.610 oder die endlose Seitwärtsbewegung
Der Monat endete ohne Drama und ohne Triumph. Der Ibex hielt sich in der Mitte des Aufwärtstrendkanals, die Dividenden wurden kassiert, die Penny Stocks bewegten sich, und die Frage, ob man im Mai verkaufen soll, blieb erneut ohne einstimmige Antwort. Manche träumten von 14.000 Punkten, andere warnten vor einem Rückgang auf 9.610. Beides passte in denselben Monat.
Das Einzige klare, mit den Daten der Banco de España in der Hand, ist, dass die Erholung des Kredits ausblieb, die MwSt auf 25% steigen konnte und die Börse derweil stieg. Mit diesen Zutaten, ergibt Optimismus Sinn, oder ist es einfach das letzte Stück, bevor jemand die Musik abschaltet?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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