IAG-Kauf bei 2,15 € mit fünf Jahren Geduld: Die These, die das Bicho zunichtemachte
Was passiert, wenn man eine Aktie kauft, überzeugt davon, dass die Zeit für einen arbeitet, stattdessen aber eine Pandemie, eine Kapitalerhöhung und zwei Wellen eines neuen Bicho bringt? Genau das widerfuhr dem Investor, der 2020 3.500 IAG-Aktien zum Preis von 2,15 Euro kaufte. Die These schien wasserdicht: Die Flugzeuge würden wieder fliegen, Iberia und British Airways dominieren interkontinentale Routen nach Amerika, und auf Zehnjahressicht spiele es keine Rolle, ob man zu 2,15 oder 1,50 einsteige. Niemand hatte damit gerechnet, dass im Chartboden eine Falltür versteckt war.
Innerhalb weniger Monate fiel der Wert von knapp 4 Euro unter die Marke von 1 Euro. Der Einstieg bei 2,15 Euro war nicht der Boden: Es war nur das erste Stockwerk eines Gebäudes, das weiter abstürzte. Mit jedem weiteren Schritt nach unten füllten sich die Diskussionen mit gestaffelten Käufen, Durchschnittspreisen und jenem Satz, der nie alt wird: «Wenn sie unter 2 fällt, kaufe ich nach.»
Die These des geduldigen Käufers, Punkt für Punkt geprüft
Das anfängliche Argument stützte sich auf eine einfache, schwer zu widerlegende Idee: IAG würde nicht verschwinden. Sie sei die beste europäische Flagcarrier-Airline, behaupteten die Optimisten, und wenn die Seuche vorüber sei, verdiene sie wieder wie früher. Der Teufel steckte, wie so oft, in der Bilanz.
Wer statt auf Nationalflaggen auf Zahlen schaute, sagte es ungeschminkt: IAG verbrannte pro Quartal ein ganzes Jahr an Gewinnen, und tat dies drei Quartale in Folge. Bei diesem Tempo war die Frage nicht, ob sie wieder fliegen würde, sondern wie viele Kapitalerhöhungen nötig wären, um bis zum nächsten Start durchzuhalten.
Es gab eine Berechnung, die im Umlauf war und Gänsehaut verursachte: Eine Kapitalerhöhung über 2,75 Milliarden Euro bei einem Unternehmen, das an der Börse etwa 3,6 Milliarden wert war. Fast 70 % mehr Aktien auszugeben, ohne dass der Gewinn proportional steigt, hat einen technischen Namen: Verwässerung. Und einen weniger technischen Namen, den die Grobiane vor Ort verwendeten.
Der Tag, an dem IAG bei 1,04 Euro stand
Alles, was stieg, fiel. Im Juni notierte der Wert bei 3,67 Euro, und viele verkauften rechtzeitig. Wer nicht verkaufte, erlebte einen Absturz, der die Aktie Ende Oktober auf 1,04 Euro drückte. Hier zeigt sich der wahre Charakter jedes Anlegers: Wer Stop-Loss-Orders hatte, ging gebrannt heraus; wer langfristig investiert war, hielt durch und betete.
Die psychologische Komponente ist in jedem Lehrbuch dokumentiert und hört dennoch nicht auf, sich zu wiederholen. Kauf zu 2,30 Euro, nachdem die Aktie von 8 Euro kam, erzeugt ein falsches Schnäppchen-Gefühl, das ignoriert, dass sich der Kontext geändert hat. Danach kauft man zu 4 Euro nach, um den Kauf zu 2,50 Euro zu korrigieren, und so weiter. Erfahrene Analysten fassten es mit einem treffenden Bild zusammen: Einfache Gazellen-Psychologie.
Die Wende kam mit einer Nachricht, die zu diesem Zeitpunkt niemand erwartet hatte: der Moderna-Impfstoff. Die gesamte Tourismus- und Luftfahrtbranche schoss binnen Tagen in die Höhe. Und mit der Erholung kam der Verdacht. Wenn der Impfstoff so nah war, warum verkaufte dann der medizinische Direktor des Unternehmens genau in diesen Tagen große Mengen an Aktien? Zwei plus zwei machen vier, sagten die Skeptiker.
Warum hat der Impfstoff IAG nicht auferweckt?
Der Optimismus hielt so lange wie eine Schlagzeile. IAG stieg zwar, aber weit unter dem Niveau, von dem die Käufer bei 2,15 Euro geträumt hatten. Die Widerstandsmarke bei 2 Euro wurde zur Mauer. Dort begann eine neue Debatte: Wenn die Aktie trotz Impfstoff, Brexit-Abkommen und bereits eingepreister Kapitalerhöhung nicht abhob, was blieb ihr dann noch?
Einige vertraten die Ansicht, dass nicht die Nachrichten das Problem seien, sondern das Geschäftsmodell. Zu beginnen zu fliegen kann mehr Geld kosten als am Boden zu bleiben: Eine Airline ist ein Geschäft mit hohem Volumen und minimaler Marge, und der Unterschied zwischen 140 oder 170 Passagieren pro Flugzeug entscheidet genau darüber, ob Gewinn oder Verlust steht. Bei halbvollen Maschinen bleibt man besser am Boden.
Der häufigste Vergleich war unbequem: Die Luftfahrtkrise entsprach der Bankenkrise von 2008. Zyklische Sektoren mit hoher Verschuldung und Bilanzen, die davon abhängen, dass alles perfekt läuft. Und Warren Buffett hatte sich aus dem Sektor zurückgezogen, gerade deshalb, erinnerten die Skeptiker.
Flugzeug-Leasing als Alternative zur Airline
Gegenüber dem direkten Aktienkauf schlugen einige einen Twist vor: Statt in den Betreiber der Flugzeuge zu investieren, sollte man in den Vermieter investieren. Die Logik ist schlüssig: Man behält das Asset und erspart sich die Last der hochverschuldeten Airline-Bilanz.
Die gehandelten Namen waren AerCap, Air Lease und Fly Leasing. Die ersten beiden sind größer und diversifizierter mit Kunden höherer Qualität; der dritte ist kleiner mit schwächeren Kunden, notierte aber meist günstiger. Die Idee fand Anklang bei denen, die Exposure zum Sektor wollten, ohne eine weitere Kapitalerhöhung riskieren zu müssen.
Die Zeit ließ jedoch keine Gnade walten. Ein neuer Bicho, ein harter Brexit und die Drohung einer zweiten Kapitalerhöhung brachten IAG zurück auf 1,25 Euro. British Airways nahm zusätzlich ein staatlich garantiertes Darlehen über 2 Milliarden Euro auf, und die Cash-Burn-Maschine lief weiter. Wer bei 2,15 Euro gekauft hatte, sah seine These Quartal für Quartal schwinden.
Das Fazit für Verkäufer, Durchhalter und Irrende
Am Ende des Weges stehen die Positionen weiterhin gegenüber. Einige erkannten den Schock und zogen mit Verlusten ab, leckend ihre Wunden. Andere verkauften rechtzeitig bei kleinen Erholungen und lernten «teure Lektionen». Und wenige — die wenigsten — behaupten, dass IAG immer noch enormes Aufwertungspotenzial hat, allerdings nicht zu diesen Preisen.
Die ehrlichste Rechnung ist die, die anerkennt, dass Geld nur beim Verkauf verdient wird, Dividenden addiert und Gebühren sowie Steuern subtrahiert. Alles andere, solange die Aktie im Portfolio liegt, ist Rauch. Und wenn der Wind des Marktes weht, verflüchtigt sich der Rauch schnell.
Hinterher sind wir alle Experten. Das sagt jeder. Was kaum jemand zugibt, ist, dass die Warner recht hatten und dass die Erzählung vom «Man lässt sie nicht fallen» die einzige wichtige Frage verdrängte: Hält die Bilanz stand?
Während die Aktie die 2-Euro-Marke zurückerobert und die Blicke auf die Ergebnisse gerichtet sind, bleibt die Unsicherheit bestehen. Die Geschichte ist nicht zu Ende. Nur vorerst für das Portfolio dessen, der bei 2,15 Euro mit Hoffnung auf eine Verdreifachung kaufte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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