Hohe Lohnnebenkosten belasten spanische Selbstständige

In Spanien kostet eine Fachkraft mit 1.500 € netto den Arbeitgeber 2.800 €. Selbstständige zahlen feste Beiträge unabhängig vom Umsatz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hohe Lohnnebenkosten belasten spanische Selbstständige
Fachkräftemangel in Spanien: Hohe Einstellungskosten erdrücken Selbstständige

Der spanische Arbeitsmarkt findet keine Klempner, Tischler, Mechaniker, Busfahrer, Lokführer, Kellner, Köche, Schalungsarbeiter, Programmierer, Maurer, Glasern, Maler, Schmiede oder Installateure. Die Liste der gesuchten Profile ist enorm, und die offizielle Diagnose wiederholt denselben Refrain: Es fehlt an Arbeitskräften. Die Antwort aus der Praxis lautet anders: Es fehlen nicht die Arbeitnehmer, sondern es gibt zu viele Bedingungen, die eine Einstellung unmöglich machen. Der Artikel, der das Thema eröffnet, verfasst von Enric Sierra in La Vanguardia, argumentiert, dass sich das Problem in letzter Zeit verschärft hat und die Sorge in weniger medienwirksamen Sektoren als dem Gesundheitswesen tief sitzt. So weit die Erzählung. Danach folgen die Zahlen.

Was eine Fachkraft wirklich kostet

Nach Berechnungen, die in der Diskussion kursieren, kostet ein Fachkraft, die 1.500 Euro netto pro Monat verlangt, das Unternehmen rund 2.800 Euro unter Berücksichtigung der Sozialversicherungsbeiträge und sonstiger Abgaben. Diese Lücke zwischen dem Verdienst des Arbeitnehmers und den Kosten für den Arbeitgeber ist nach Ansicht der Befürworter dieser These der Kern des Problems und erklärt, warum viele KMU trotz hoher Auftragslage ihr Personal nicht aufstocken. Die detaillierte Aufschlüsselung zeigt eine Differenz, die überrascht, wenn man nur auf das Bruttogehalt im Vertrag schaut.

Auf der Seite der Selbstständigen verbessert sich die Lage nicht. Der monatliche Beitrag ist zu einer festen Zahlung geworden, die anfällt, ob man Rechnungen stellt oder nicht. Einige erinnern sich daran, dass früher 200 Euro gezahlt wurden, wo heute 500 Euro fällig sind, und diese 300 Euro Differenz waren das Polster für Investitionen oder die Altersvorsorge. Das Ergebnis, so berichten Zeugen, ist ein Fachmann, der als kostenloser Mehrwertsteuereintreiber arbeitet – die Steuer wird abgeführt, egal ob der Kunde zahlt –, und dann jahrelang wartet, bis der Staat einen säumigen Kunden zur Zahlung zwingt. Die praktische Konsequenz: weniger Selbstständige, weniger Auszubildende und weniger Weitergabe von Handwerkswissen.

„Einen Lehrling einzustellen lohnt sich für mich nicht“

Das konkreteste Zeugnis kommt von einer Werkstatt mit vier Gesellen und null Helfern. Der Inhaber erklärt es unverblümt: Die Fixkosten für Einstellungen und der Mindestlohn machen es unwirtschaftlich, jemanden für einfache Aufgaben einzustellen. Er selbst übernimmt die Helferrolle, wenn nötig. Auch keine Sekretärin. Wenn ihm die Sozialversicherungsbeiträge für neue Mitarbeiter zwei Jahre lang subventioniert würden, versichert er, würde er morgen vier Leute einstellen. Und er fügt hinzu, dass es Tausende von Unternehmen und Selbstständigen in derselben Situation gibt.

Dies ist der Punkt, der laut diesem Teilnehmer die Erzählung vom Mangel widerlegt. Es gibt nicht keine Kandidaten: Es ist so, dass der Preis für ihre Einstellung über dem liegt, was die Tätigkeit tragen kann. Die Ausbildung eines jungen Fachmanns erfordert Zeit und Geduld, und niemand investiert zwei Jahre in die Ausbildung, wenn der steuerliche Rahmen die Rendite auffrisst, bevor der Beruf erlernt ist.

Warum heißt es, es fehle an Kellnern und Lastwagenfahrern?

Weil es, nach dieser Lesart, billiger ist, Arbeitskräfte zu fordern, als Bedingungen anzubieten. Die Sequenz ist bekannt: Erst fehlten Kellner, dann Lastwagenfahrer, nun qualifizierte Fachkräfte. Das Muster wiederholt sich, und die unbequeme Schlussfolgerung lautet: Es gibt genug prekäre Bedingungen, aber keine Kandidaten. Wenn Gehalt und Stabilität stimmen, tauchen Lebensläufe auf. Die Gastronomie und der Transportsektor wissen dies besser als jeder andere.

Es gibt eine generationenspezifische Nuance, die man nicht ignorieren sollte. Einen jungen Menschen ohne Initiative, klebend am Handy und ohne Perspektive auszubilden, ist schwieriger als einen mit Erwartungen. Aber die Diagnose kehrt sich um: Nicht die Jugend ist unfähig, sondern der Markt bietet ihr nichts, was sich lohnt. Sehr gefragte Industriepositionen werden problemlos besetzt, wenn sichtbare Gehälter und eine reale Zukunft vorhanden sind. In zwei Jahren können zwanzig oder dreißige junge Leute produktiv eingesetzt werden, wenn der Beruf gut bezahlt, so ein Teilnehmer.

Die Falle der einheimischen Arbeitskräfte

Die erste Botschaft des Themas ist ein schwerer Schlag gegen die politische Klasse und Empfänger öffentlicher Gelder. Sie fordert niedrigere Steuern für Selbstständige, die Wiedereinführung des Modulsystems (ein vereinfachtes Steuersystem) und die Senkung des Rentenalters auf 65. Dahinter steckt eine härtere These: Dass das Land Arbeitskräfte importiert, während es einheimische verdrängt, und dass jene, die vom Staat leben, ein Interesse daran haben, diesen Kreislauf aufrechtzuerhalten.

Der Vorwurf ist massiv und sollte von den Fakten getrennt werden. Verifizierbar ist, dass die steuerliche und regulatorische Belastung für Selbstständigkeit und Einstellungen hoch ist, dass der Beitrag unabhängig vom Einkommen gezahlt wird und dass die Mehrwertsteuer vor dem Geldeingang abgeführt wird. Der Rest ist politische Interpretation, legitim als Meinung, nicht als Tatsache.

Öffentlicher Sektor als Magnet, privater als Falle

Es gibt eine Strömung, die die Kluft zwischen öffentlichem und privatem Dienstverhältnis als strukturelle Ursache benennt. Wenn der Unterschied in den Bedingungen gewaltig ist, versuchen die Leute, in den öffentlichen Sektor zu kommen, und der private bleibt ohne Nachfolge. Das ist keine abwegige Theorie: In Sektoren wie der Verwaltung ist das Angebot an Bewerbern pro Stelle riesig, während physische Berufe unbesetzt bleiben. Das Problem ist nicht der Mangel an Menschen, sondern wohin sie gehen.

Der Abschluss des Themas hinterlässt ein Bild, das alles zusammenfasst. Jemand prahlt damit, seit vierzig Jahren nicht gearbeitet zu haben und es sich leisten zu können. Auf der anderen Seite arbeiten jene, um eine Struktur aufrechtzuerhalten, die ihnen nichts zurückgibt. Das Gespräch endet nicht in Einigkeit: Es endet mit der Feststellung, dass das System belohnt, wer nicht rudert, und bestraft, wer das Ruder übernimmt.



Die unbeantwortete Frage ist die einfachste: Wenn die Bedingungen würdig wären, wie viele der heutigen Nichtarbeitenden würden zurückkehren? Niemand in der Debatte traut sich, eine Zahl zu nennen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (128 Antworten).

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