Grifols: Kauf bei 8,6 €, Verkauf bei 10,5 € vor Crash

Der spanische Pharmakonzern Grifols legte ungeprüfte Zahlen für 2023 vor: Der Gewinn fiel um 72 %, die Aktie brach binnen einer Sitzung um fast 35 % ein.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Grifols: Kauf bei 8,6 €, Verkauf bei 10,5 € vor Crash
Grifols kaufte bei 8,6 €, verkaufte bei 10,5 € während des Gewinneinbruchs von 72 %

Lohnt es sich, 700 Euro in ein Pharmaunternehmen zu stecken, das gerade seine ungeprüften Bilanzen veröffentlicht hat? Der Markt antwortete mit einem Einbruch von 34,93 % in nur einer Sitzung. Grifols präsentierte die Ergebnisse für 2023 mit 6,592 Milliarden Euro Umsatz, elf Prozent mehr als im Vorjahr, aber einem Gewinn von nur 59 Millionen Euro, ein Rückgang um 72 %. Die Abschlüsse kamen ohne Prüfbericht und ohne die Unterschrift eines Vorstandsmitglieds, das sich weigerte, sie zu unterzeichnen. In diesem Kontext ähnelt die Geschichte desjenigen, der bei 8,6 € kauft und bei 10,5 € verkauft, dem Verlassen des Raums kurz bevor das Schießen beginnt.

Was sagen die ungeprüften 2023er-Zahlen von Grifols aus?

Das beunruhigendste Detail war nicht der Gewinn selbst, sondern die Art der Präsentation: ungeprüft und laut Forennutzern mit einem Vorstand, der die Unterschrift verweigerte. Ursprünglich hatte das Unternehmen bei der CNMV (der spanischen Börsenaufsicht) eine vorzeitige Veröffentlichung beantragt, was zu einem Dokument führte, das zwischen Erwartung und Alarm schwebte. Der Umsatz stieg zwar, doch der Gewinn brach um 72 % ein, und der Aktienkurs fiel von der Unterstützung bei 8 Euro auf 7,778 Euro mit einem Tagesverlust von 3,76 %.

Es gibt eine wohlwollende Lesart: Das Geschäft erzielt Rekordumsätze, der Einbruch liegt an Sondereffekten und buchhalterischer Unsicherheit. Die unbequeme Sicht ist, dass ein Gewinn von 59 Millionen Euro bei 6,592 Milliarden Euro Umsatz einen lächerlichen Margen lässt und ein fehlender Prüfer die schlechteste Visitenkarte für ein verschuldetes Unternehmen ist.

Der Plan: 3.000 Euro Kapital, 700 investiert bei 8,6 €, Zielverkauf bei 14 €

Die ursprüngliche Strategie war einfach. 3.000 Euro verfügbar, 700 bereits bei 8,6 Euro investiert, mit der Absicht, die Position bei weiteren Kursrückgängen auszubauen. Das Ziel war, bis 14 Euro durchzuhalten, die Hälfte zur Diversifikation zu verkaufen und nachzukaufen, falls keine Erholung kam. Dies war keine Finanzanalyse, sondern eine Wette darauf, dass die auf eigenen Wunsch vorgelegten Zahlen von 2023 als Katalysator dienen würden.

Die Skepsis kam schnell. Mit 700 Euro sind 10 % Gewinn nur 70 Euro, wovon Gebühren einen Großteil fressen. Manche merkten an, dass solche kleinen Positionen den Markt nicht bewegen, andere fragten direkt nach dem Schuldenchart. Parallel gab ein Nutzer zu, 6.000 Euro bei 8,5 Euro gekauft zu haben, mit dem Plan, bei 10 Euro zu gehen.

Warum man vor der Kapitalerhöhung zum Verkauf riet

Die konkreteste Warnung kam vor den Ergebnissen: Verkaufen, wenn die Kapitalerhöhung angekündigt wird. Solche Erhöhungen verwässern bestehende Aktionäre und drücken meist den Preis. Bei Grifols gab es eine zusätzliche Komplikation: das Nebeneinander von Typ-A- und Typ-B-Aktien. Die gängige Hypothese war, dass die Operation mit Typ-A-Aktien durchgeführt würde, um sie mit Typ B gleichzustellen, wobei Zweifel bestanden, welche Serie zahlen würde und ob sich eine Teilnahme lohnte.

Nichts davon wurde gelöst. Die Position wurde bei 10,5 Euro geschlossen, unter dem Ziel von 14, aber weit über dem späteren Absturz. Wer zum Verkauf vor der Erhöhung riet, kannte den Zeitpunkt nicht, lag aber mit der Richtung richtig.

Ungeprüfte Bilanzen, verbundene Gesellschaften und die Rolle von Gotham

Hier muss man Fakten von Vermutungen trennen. Bestätigt ist, dass die Bilanzen ungeprüft und ohne Unterschrift eines Vorstands herauskamen. Von dort behaupten einige, das Unternehmen habe Geschäfte mit verbundenen Gesellschaften seiner Eigentümer getätigt, die den Gewinn der Muttergesellschaft ausgehöhlt hätten. Dies ist eine Anschuldigung aus einem im Thread zitierten Artikel, kein gerichtliches Faktum.

In diesem Kontext taucht Gotham auf. Im Thread als einer der aggressivsten Händler in London beschrieben, geht man davon aus, dass sie wussten, was kommt. Diskutiert wurde auch, ob traditionelle Banken Short-Positionen gegen das Unternehmen eingehen würden: In Europa gibt es Einschränkungen für den Handel mit eigenen Aktien, was als Erklärung diente, warum der Angriff nicht vom konventionellen Bankensektor kam.

Chinesischer Aktienmarkt als Anlagealternative?

Die Idee, Chancen bei chinesischen Firmen am Markttiefpunkt zu suchen, tauchte früh auf, scheiterte aber an praktischen Hürden. Der Zugang zu diesen Märkten von Spanien aus erfordert Zwischenhändler, ohne echte Kontrolle über die Ausführung der Order. Eine Antwort fasste es drastisch zusammen: Man überlässt Geld jemandem, der verspricht, nach deinen Anweisungen zu handeln. Das Problem ist nicht die These, sondern die Obhut. Keine konkrete Empfehlung setzte sich durch.

Allgemeiner Pessimismus als Kontraindikator

Eine Hintergrundebene der gesamten Diskussion: Die Idee, dass breit angekündigte Pleiten selten eintreten. Wenn jedes Unternehmen, dem man den Tod prophezeite, tatsächlich gefallen wäre, blieben nur fünfzehn oder zwanzig im Index. Banken, Telefónica, die halbe spanische Börse. Daher das Argument, dass katastrophaler Konsens besser als invertierter Indikator funktioniert denn als Prophezeiung.

Bei Grifols funktioniert dies bisher teilweise. Es ist nicht pleite, aber der Gewinn fiel um 72 % und die Aktie pendelt um 7,70 Euro. Der pessimistische Konsens hat es nicht getötet. Aber er hat auch niemanden gerettet, der bei 8,6 Euro mit der Überzeugung einer Erholung auf 14 Euro eingestiegen war.

Der Plan war kaufen bei 8,6, verkaufen bei 14 und mit den Gewinnen diversifizieren. Verkauft wurde bei 10,5, jetzt flirtet die Aktie mit 7. Manchmal rettet eine Portfolio nur, wenn der Plan rechtzeitig scheitert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

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