IDP Education: Von 4 auf 38 Dollar und die Kleingedrucktes zum Gewinn
IDP Education hat das Geld derer, die bei 4 australischen Dollar kauften, verneunfacht. Das Unternehmen notiert an der australischen Börse (ASX: IEL) und widmet sich einer wenig glamourösen Tätigkeit: der Platzierung internationaler Studierender und der Verwaltung des englischen Exams IELTS. Seit dem Börsengang 2015 weist es eine Eigenkapitalrendite (ROE) von 50 %, nahezu keine Schulden und jährliche Wachstumsraten über 10 % auf. Mit diesen Grundlagen hat die Reise den Aktienkurs von 4 Dollar im Jahr 2016 auf seine jüngsten historischen Höchststände von 38 Dollar geführt. Das Geschäft ist gut. Der Preis ist eine andere Sache.
Was IDP Education tut und woher die Einnahmen kommen
Die Aktivität kombiniert zwei sich gegenseitig verstärkende Säulen. Einerseits platziert sie Studierende an ausländischen Universitäten – Australien, Neuseeland, Großbritannien oder Kanada – und berechnet dafür Gebühren. Andererseits verwaltet sie das IELTS-Examen, den Englischtest, den viele dieser Studierenden für die Zulassung benötigen. Im September 2017 kündigte das Unternehmen an, dass IELTS drei Millionen Prüfungen pro Jahr erreichte.
Das Geschäft schwebt nicht im luftleeren Raum. Die Bildung internationaler Studierender ist Australiens drittgrößter Exportsektor, hinter Eisenerz und Kohle. Die geografische Expansion ist explizit: Libanon, zusammen mit Netcom Systems; Philippinen; und China, wo der Kauf von HCP die Reichweite erweiterte. Das Unternehmen besteht zudem darauf, die Studierenden über die Formalitäten hinaus zu begleiten, von der ersten Beratung bis zur Suche nach Praktika und Jobs.
Ergebnisse, die die Rallye tragen: Umsatz +24 %, EBITDA +30 %
Im Geschäftsjahr 2017 meldete das Unternehmen ein zweistelliges EBITDA-Wachstum bei nahezu null Schulden, und die Aktie schloss bei 5,30 australischen Dollar, ein Anstieg von 3 %. Zwölf Monate später war die Dimension eine andere: Umsatz von 487,2 Millionen australischen Dollar gegenüber 394,2 Millionen im Vorjahr, ein Plus von 24 %, und ein EBITDA von 89 Millionen, ein Plus von 30 %. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019 wuchs der Umsatz erneut um 26 %.
Jede Ergebnisveröffentlichung ging mit einem neuen Höchststand einher. Die Aktie überschritt 2021 die Marke von 30 Dollar, übertraf dann 33 und schließlich 38. Wer bei 4 Dollar eingestiegen war und hielt, spricht von Renditen von 800 % und 900 % und davon, knapp vor einem Ten-Bagger in sechs Jahren zu stehen. Das Mantra, das beharrlich wiederholt wurde, lautete: Nicht verkaufen.
Kauf des IELTS-Geschäfts des British Council in Indien für 130 Millionen Pfund
Im Juli 2021 vereinbarte IDP, das IELTS-Geschäft des British Council in Indien für 130 Millionen Pfund zu erwerben, ein Deal, der ihm direkten Zugang zum weltweit größten Herkunftsmarkt für Studierende verschaffte. Das Argument ist demografisch: 1,4 Milliarden Einwohner und eine Mittelschicht, die im Ausland studieren möchte.
Analysten nahmen dies positiv auf. Goldman Sachs behielt sein Kauf-Rating bei und hob das Kursziel auf 35 australische Dollar, ein Potenzial von 24 % selbst nach den vorherigen Gewinnen, und deutete an, dass dies möglicherweise nicht der letzte Deal sei. Im Januar 2022 eröffnete das Unternehmen 23 neue Büros in Indien, verteilt auf Städte der zweiten und dritten Kategorie wie Warangal, Shimla, Kurukshetra, Trichy, Thrissur, Tirupati, Kakinada und Goa. Das Netzwerk wuchs dort, wo die Studierenden waren, nicht dort, wo die Hauptstadt lag.
Warum der Nettogewinn nur um 4 % wuchs
Es gibt einen Datenpunkt, der nicht ins Bild passt und nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte: Im Geschäftsjahr 2017, trotz der gesamten Expansionsgeschichte, wuchs der Nettogewinn nur um 4 %. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen die Hotcourses Group übernommen, die als Hebel für das beschleunigte Wachstum 2017-2018 präsentiert wurde, obwohl das gesammelte Material die Ursache für diese 4 % nicht konkretisiert.
Die Diskrepanz zwischen zweistellig steigenden Umsätzen und kaum bewegtem Gewinn ist oft der erste Riss in Wachstumsstorys. Hier brach bisher nichts: Die Prognosen im Thread deuteten darauf hin, dass der Gewinn im Folgejahr beschleunigen würde. Es gab auch Stimmen, die während des Aufwärtstrends gestanden, dass sie die Aktie auf ihrer Watchlist hatten und sie löschen würden. Die praktische Frage – welcher Broker ermöglicht den Kauf australischer Aktien aus Spanien – wurde mit einem Namen gelöst: DeGiro.
Was erwarten Analysten von IDP Education?
Die nach den Ergebnissen vom Juni 2018 veröffentlichten Prognosen deuteten auf ein Gewinnwachstum von 21 % für das folgende Geschäftsjahr hin, verglichen mit dem Durchschnitt von 15 % der fünf Vorjahre. In Zahlen: von 51,5 auf 62,3 Millionen australische Dollar. Diese Art der Berechnung trägt die Bewertung und erklärt, warum Jahre später ein Kursziel von 35 Dollar immer noch vernünftig erschien, obwohl die Aktie bereits stark angestiegen war.
Das Geschäft scheint weiter wachsen zu können. Die Nachfrage nach Auslandsstudium ist unerschöpflich, Indien ist ein Fass ohne Boden, und das Unternehmen beweist seit Jahren, dass es Büros eröffnen und Deals abschließen kann. Das gesagt, bei 38 Dollar wird die Aktie nicht mehr wegen des Geschäfts gekauft: Sie wird wegen der Story gekauft, und die Story zieht den Nettogewinn nicht im gleichen Tempo wie die Umsätze. Wenn die Integration in Indien funktioniert und die Prüfungen weiter steigen, gibt es ein weiteres Standbein. Wenn etwas hakt, kommt die Korrektur vor der Warnung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).