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Glaubwürdigkeitskrise im russischen Lager: Von Moskau nach Cherson
Versenkung der Moskwa, HIMARS-Einsätze und Verlust von Cherson nähren Zweifel an Putins Armee.
Kann man einen Krieg verlieren, der in drei Tagen als gewonnen galt?
Sechs Monate nach Beginn der „Spezialoperation“ stellt sich nicht mehr die Frage, wann Kiew fällt, sondern ob Moskau das in der ersten Woche Eroberte halten kann. Die Versenkung des Kreuzers Moskwa, die Räumung der Schlangeninsel, Rückschläge bei Charkiw und Lyman sowie der spätere Verlust von Cherson haben aus Gewissheit berechtigte Zweifel gemacht. Was als Glaubensakt begann — Russland als Weltmacht mit Eurasiens bester Armee — ist zu einer Vertrauenskrise geworden, die Parolen nicht mehr übertünchen. Und diese wird nicht von Gegnern formuliert. Sie kommt von Anhängern.
Wo begannen die Zweifel an der russischen Armee?
Erste Symptome kamen nicht von der Landfront. Die Versenkung des Kreuzers Moskwa war der erste Schlag gegen den Nimbus der Seemacht, und der Abzug von der Schlangeninsel bestätigte, dass die Kontrolle über das Schwarze Meer nicht gesichert war. Danach wurde jeder gemeldete Sieg misstrauisch gelesen. Dies ist keine Oppositionsrhetorik: Es ist ein Geständnis jener, die die Operation vorbehaltlos unterstützten.
Der offizielle Bericht brach an anderer Stelle. Man erwartete, dass der russischsprachige Osten der Ukraine die Invasoren als Befreier begrüßen würde. Dreißig Jahre Unabhängigkeit hatten das Gegenteil bewirkt. Das Ergebnis, nach verfügbaren Daten, ist eine festgefahrene Besatzungsarmee, die gegen eine Bevölkerung kämpfen muss, die sich nicht ergibt — auch nicht jene, die zu Hause Russisch spricht.
HIMARS und die Reichweite, die das Hinterland brach
Die Ankunft der HIMARS-Systeme änderte die Gleichung. Analysen zufolge hätte Präzisionsartillerie Tausende Tonnen russischer Munition zerstört und zur Verteilung von Depots, Logistikzentren und Kommandoposten gezwungen. Manche gehen weiter und behaupten, diese Systeme seien gegen stationierte Luftabwehr unaufhaltsam und ihre wachsende Reichweite mache den Luftraumschutz wirkungslos.
Der kritische Punkt kam mit Angriffen auf die Krim, die als russisches Territorium gilt. Dort wandelte sich die Debatte von einer Finte Kiews hin zur Niederlage. Die unbequeme Frage bleibt: Wenn das Hinterland nicht geschützt ist, was genau schützt dann die Luftabwehr?
Warum kommt die Offensive im Donbass nicht voran?
Die Befestigungen im Donbass werden seit acht Jahren aufgebaut. Es sind keine improvisierten Gräben, sondern gestaffelte Verteidigungssysteme, die Stellung für Stellung abgebaut werden müssen und Zeit, Männer und Munition verschlingen. Das erklärt — rechtfertigt aber nicht — ein Tempo, das viele eines großen Heeres für unwürdig halten. Die optimistischste zirkulierende Prognose sah den Zusammenbruch dieser Verteidigungen bis Monatsende voraus; die vorsichtigere deutlich später.
Gebietsgewinne in Donezk und Luhansk bleiben hinter Erwartungen zurück. Demgegenüber erinnern manche daran, dass die Ukraine einen föderalen Status hätte aushandeln können und dass ein Verlust alles bedeuten würde: den industriellen Osten, den Zugang zum Asowschen Meer und die Illusion, die NATO werde sie verteidigen.
Fehlkalkulation der ukrainischen Nation
Jahre lang behauptete Moskau, die Ukraine sei eine administrative Erfindung. Die Invasion hat genau das Gegenteil hervorgebracht: einen verstärkten ukrainischen Nationalismus und Feindseligkeit gegenüber Russland entlang der gesamten Westgrenze. Litauen, Lettland, Estland, Polen oder Rumänien tauchen in der Aufzählung der Nachbarn auf, die Moskau nicht wohlgesonnen sind. Dies ist die nicht verbuchte Kostenfolge der Operation.
Cherson, Lyman und der Verschleiß der Propaganda
Der Verlust von Cherson und die Rückschläge bei Lyman haben erreicht, was die Front nicht konnte: die Überzeugten spalten. Auf der einen Seite stehen jene, die argumentieren, Russland dürfe keinen Verlust hinnehmen, da seine Niederlage den Weg zu einem schlimmeren kontinentalen Szenario öffnen würde. Auf der anderen Seite erkennen jene das Desaster an. „Das ist ein Reinfall und die Blamage war enorm“, fasst eine Haltung zusammen, bevor Schuld zwischen schlechter Planung und fehlender Weitsicht der Führung verteilt wird.
Der Streit ist nicht ideologisch, er ist Glaubenssache. Für manche löst der Fall einer Stadt ein theologisches Problem. Für andere eine Abrechnung mit der Propaganda, die ihnen den schnellen Sieg verkaufte.
Russisches Gas und die schwindende europäische Karte
Im Hintergrund steht die Waffe, die Moskau für entscheidend hielt. Mehrere europäische Länder haben vereinbart, russisches Gas in Rubel zu bezahlen, und Ungarn kauft weiterhin ein, doch die eigentliche Gefahr ist die umgekehrte: Dass Europa alternative Lieferanten findet und Gas sein Druckmittel verliert. Hier liegt, für Teile der Analyse, das mittelfristige Risiko. Nicht auf der Donbass-Karte.
Gibt es Seiten in diesem Krieg?
Eine Minderheitenströmung zerlegt den gesamten Rahmen. Wenn es keine Seiten gibt und Konflikte Geschäfte mit Opfern sind, wäre die Glaubenskrise ein Denkfehler: Man kann den Glauben an etwas nicht verlieren, das nie eine Sache war. Dies ist der bequemste und am wenigsten überprüfbare Ausweg.
Das Alibi, das Cherson nicht zurückbringt
Bleibt der Trost der letzten Monate: Die Schuld liegt nicht beim Soldaten, der tat, was er konnte, sondern bei denen, die von Anfang an schlecht planten. Das tröstet. Es bringt Cherson nicht zurück.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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