Putins geheime Armee: Mythos oder sowjetischer Schrott?

Russland marschierte mit 200.000 Soldaten in die Ukraine ein. Wo sind die versprochenen T-90-Panzer? Verstecktes Arsenal oder alter Schrott?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putins geheime Armee: Mythos oder sowjetischer Schrott?
Pilingui soll 2.000 T-90-Panzer haben, die niemand in der Ukraine gesehen hat

Russland begann den Einmarsch in die Ukraine mit 200.000 Soldaten auf drei bis vier Fronten, basierend auf einer theoretischen Stärke von fast einer Million Mann. Die Bilder seitdem zeigen verlassene Lastwagen wegen Treibstoffmangel, abgelaufene Rationen und gepanzerte Fahrzeuge, die älter sind als ihre Besatzungen. Die Frage bleibt seit Monaten unbeantwortet: Wartet das gute Material auf seinen Einsatz oder hat es nie existiert?

Eine Million-Mann-Armee, von der nur 200.000 sichtbar sind

Der erste Widerspruch ist rein rechnerisch. Russland verfügt über eine Armee von fast einer Million Soldaten, setzt aber in der Ukraine nur etwa 200.000 ein. Manche behaupten klar: Die schwere Reserve wurde nicht eingesetzt, und die rund 2.000 T-90-Panzer stehen noch in den Kasernen. Andere erinnern daran, dass auch 12.000 tschetschenische Kämpfer im Hinterland und bis zu 16.000 Syrer bereitstehen, um die Reihen der Kanonenfutter-Soldaten zu füllen.

Die optimistische Version besagt, dass Moskau Kräfte für den Fall zurückhält, dass die NATO eine rote Linie überschreitet. Die skeptische Antwort ist einfach: Was im Schlamm feststeckt, ist die russische Armee, und wer mit Superwaffen prahlt, hat bisher nichts gezeigt, was dem widerspricht.

Das Budget entlarvt die Erzählung der Supermacht

Die großen Zahlen unterstützen keine epische Darstellung. Die russischen Militärausgaben erreichen nicht einmal 10 % der US-amerikanischen und liegen bereits hinter denen Indiens. Davon müssen Wartungskosten für das sowjetische Erbe und das nukleare Abschreckungsarsenal abgezogen werden. Was übrig bleibt, deckt nach harten Berechnungen kaum mehr als Gehälter und Korruptionskosten eines Staates mit struktureller Korruption.

Dem gegenüber steht ein unbequemes Argument für jene, die Armeen an ihren Rechnungen messen: Die USA geben viel für Basen weltweit aus und kaufen stets das Teuerste. Russland hat diese globale Präsenz nicht und kann seine Ausgaben konzentrieren. Seine Waffen wurden zudem häufiger im echten Kampf getestet als jede andere Nation. Beide Fakten stimmen und schließen sich nicht aus.

Von „Kiew in zwei Tagen“ zum dreimonatigen Krieg

Hier liegt der Kern des Problems. Zu Beginn der Invasion ging die Mehrheit von einem Blitzkrieg aus. Nach fünfzehn Tagen wurde dieselbe Erzählung auf einen „zwei- bis dreimonatigen Lehrbuch-Krieg“ umgeschrieben. Der Verdacht ist alt: Jedes Mal, wenn der Zeitplan scheitert, taucht eine Doktrin auf, die dies rückwirkend rechtfertigt.

Das Grundproblem ist die fehlende Gewissheit. Weder darüber, wer wirklich befiehlt, noch über die Absichten, noch darüber, welcher Teil des Chaos Inkompetenz und welcher Teil inszeniertes Drehbuch ist. Ein Krieg, der auf zwei Ebenen gleichzeitig geführt wird – an der Front und in der Narration –, lässt immer diese Tür offen.

Strategische Reserven oder geerbter Schrott der UdSSR?

Es gibt eine abenteuerliche und eine banale Erklärung. Die erste besagt, dass die ohne Treibstoff zurückgelassenen Fahrzeuge kein Zeichen logistischen Versagens sind, sondern eines so schnellen Vorrückens, dass die Nachschublinien durch Gegenangriffe abgeschnitten wurden. Sie erinnert daran, dass Israel im Jom-Kippur-Krieg über 1.000 Panzer verlor, ohne dass jemand seine Armee als geschlagen erklärte.

Die zweite, bodenständigere Erklärung verweist auf die Doktrin des Wegwerfens, die Überlebensrate der Besatzungen und ein Land, das viel produziert, aber wenig wartet. Vergleiche mit dem israelischen oder US-amerikanischen Tempo im Irak lassen die Armee am schlechtesten dastehen, die manche noch erwarten.

Die Logistik verrät alles: Iran, Belarus und Nordkorea

Was die These vom gehorteten Arsenal widerlegt, ist das, was im Ausland gekauft wird. Belarus liefert Munition per Bahn; Russland bittet Nordkorea um Material, das Fotos macht und wenig liefert; und kauft Artillerie und Drohnen im Iran. China schaut laut dieser Lesart nur zu. Es ist nicht das Bild eines Landes, das sein Bestes versteckt, sondern eines, dem Ersatzteile ausgehen.

Die Kosten sind nicht nur militärischer Natur. Europa hängt von russischem Gas und Öl ab, und die Entscheidung, welche Pipeline geschlossen wird, beeinflusst weiterhin die Stromrechnungen und die Versorgungslücken in den Supermärkten. Der Krieg tobt auch bei den Tarifen.

Bleibt eine Unbekannte, die weder das BIP noch die Panzerkolonnen lösen können. Wenn das gute Material existiert und nicht eingesetzt wird, entscheidet jemand, dass tausende Soldaten sterben, bevor es herauskommt. Wenn es nicht existiert, dann hat die Supermacht jahrelang Nebelkerzen verkauft. In beiden Fällen ist das Ergebnis vor Ort identisch.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (230 Antworten).

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