Früher schickte man das Militär (Rosa Martínez in Vozpópuli)

Über 70.000 Menschen gelangten im Juli 2021 nach Ceuta. Eine Richterin untersucht die Verletzung der Souveränität, doch die Regierung besteht auf der Zusammenarbeit mit Marokko.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Justiz untersucht die Masseneinreise nach Ceuta, doch die Politik verwässert die staatliche Verantwortung.

## richterliche Zurückhaltung und die Grenze

Früher, wenn Tausende Menschen eine Grenze auf einmal überquerten, wussten die Regierungen, dass sie ein Souveränitätsproblem hatten. Die Antwort konnte deutlich, sogar militärisch ausfallen. Heute ist die Vorgehensweise so verfeinert, dass man sich für eine justizielle Untersuchung entscheidet. Eine Richterin der **Audiencia Nacional** (spanisches Oberstes Untersuchungsgericht), **María Tardón**, analysiert die Vorfälle in **Ceuta** am **30. und 31. Juli 2021**, als mehr als **70.000 Menschen** unregelmäßig von Marokko nach Spanien gelangten. Die Richterin geht davon aus, dass diese Handlungen die territoriale Integrität Spaniens schwer verletzt haben könnten, und hat Ermittlungen wegen möglicher Straftaten gegen den Frieden oder die Unabhängigkeit des Staates eingeleitet.

Das ist ein Ansatz, der der Intuition widerspricht, dass eine massive und nicht autorisierte Einreise mindestens eine Herausforderung der staatlichen Autorität darstellt. Die Vorstellung, es auf einen Konflikt ankommen zu lassen, jemanden anzurufen und ungewollt einen internationalen Konflikt zu entfachen, scheint einem Prozess der Berichtssammlung und Analyse gewichen zu sein. Der Schlüssel liegt offenbar in der Untersuchung, vor allem weil die Details, wie es zu dieser Masseneinreise kam, noch immer nicht ganz geklärt sind.

## der Polizeibericht und das Fehlen von Verantwortlichen

Ein Bericht des Centro Nacional de Inmi gración y Fronteras (Nationales Zentrum für Migration und Grenzen) der spanischen Polizei stellt fest, dass die Vorfälle in Ceuta weder zufällig noch spontan waren, sondern dass eine vorherige Planung und Taktik erkennbar war; es ist sogar von einer „aktiven Führung“ der Menge durch marokkanische Sicherheitskräfte die Rede. Das Dokument enthält Bilder von uniformierten Beamten, die Hinweise zum Zugang nach Spanien geben, und von Personen ohne Uniform, die den Strom lenkten. Innenminister **Fernando Grande-Marlaska** betont jedoch, es gebe keine Beweise dafür, dass ein Staat die Operation organisiert habe, und hält daran fest, dass die Zusammenarbeit mit Marokko „ausgezeichnet“ sei.

Der Polizeibericht erwähnt zwar die Nachsicht der marokkanischen Sicherheitskräfte und die Beteiligung einiger Beamter an der Führung, ordnet die Planung aber nicht formell der marokkanischen Regierung zu. Von Planung ist die Rede, doch ein Drahtzieher wird nicht benannt. Dieses Fehlen einer direkten Benennung verhindert logischerweise, dass gegen einen bestimmten Akteur durchgegriffen wird.

## die Souveränität und das justizielle Ermittlungsverfahren

Die aktuelle Situation erinnert an historische Szenarien, in denen das Eindringen ausländischer Truppen anders behandelt wurde. Sich vorzustellen, man hätte damals Zurückhaltung geübt beim Einmarsch **Napoleons** in Spanien **1808** oder bei **Hitlers** Überfall auf Polen, zeigt einen radikalen Wandel in der staatlichen Reaktion. Heute scheint die Zurückhaltung so weit zu gehen, dass man einen Gerichtsbeschluss abwarten würde, um zu bestätigen, ob es regnet.

Die Paradoxie: Wenige Wochen nach der Einreise von mehr als **70.000 Menschen** nach Ceuta, unter Verletzung spanischer Gesetze, ist bekannt, dass es eine „massive Verletzung der territorialen Souveränität Spaniens“ gab, dass sie geplant war und dass marokkanische Sicherheitskräfte an der Führung beteiligt waren. Trotzdem dreht sich die Diskussion darum, wer es befohlen hat und zu welchem Zweck. Die Regierung hat sich entschieden, Berichte des **CNI** (spanischer Auslandsgeheimdienst), der Polizei und des Militärgeheimdienstes freizugeben, um zu argumentieren, man habe sie nicht über das Ausmaß des Ereignisses informiert – was eine weitere Ermittlungsebene eröffnet: herauszufinden, ob jemand etwas wusste und es nicht weitergemeldet hat.

Der Staat untersucht über die Justiz die konzertierte Aktion, während sich die Regierung als Geschädigter dem Verfahren anschließt und Marokko weiterhin ein wichtiger Partner bleibt. Die Frage ist, ob Fortschritte erzielt wurden oder ob man schlicht den Selbsterhaltungstrieb verloren hat. Ein Staat braucht kein rechtskräftiges Urteil, um politische Entscheidungen zu treffen; dafür gibt es Regierungen, Geheimdienste und Diplomatie. Die Richter stellen fest, ob Straftaten vorliegen und wer strafrechtlich verantwortlich ist. Sie sollten nicht diejenigen sein, die der Exekutive erklären müssen, ob jemand eine Grenze genutzt hat, um das Land zu destabilisieren. Es scheint, als brauche selbst die Souveränität ein justizielles Ermittlungsverfahren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1 Antworten).

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