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Rufiáns Kiez-Look und das „nosotras“, das niemand kommen sah
Gabriel Rufián wechselt Anzug, Hose und politisches Subjekt: Das „nosotras“ und der Kiez-Look lösen in Spanien die Debatte über Authentizität und Wahlkampfmarketing neu aus.
Rufián wechselt Anzug und Rede: vom Abgeordnetenhaus zum „nosotras“
Gabriel Rufián ist in weiter Hose und lockerem Jackett aufgetreten, mit einer Rede, in der das politische Subjekt zu „ellas“ (sie, weiblich) wird. Die Szene, von Medien wie elDiario und Cadena SER verbreitet, genügte, um die alte Frage nach der Figur neu aufzuwerfen: Ist es Authentizität oder Marketing für die breite Masse? Der Kontrast zu seinem institutionellen Maßanzug im Abgeordnetenhaus — wo der Abgeordnete seinen staatlichen Lohn bezieht — ist der Auslöser für fast alle Deutungen.
Vom Institutionenanzug zur Proletenhose
Rufiáns textuelle Choreografie hat zwei Garderoben. Auf dem Teppich des Congreso de los Fruta formelle Schneiderei; auf der Wahlkundgebung Hose und Jacke, die an eine Kiez-Imaginäre erinnern, die der Figur laut den häufigsten Kritiken schon vor mehreren Haushaltsjahren verloren gegangen ist. Dieser Sprung wird nicht als Kohärenz gelesen, sondern als Kalkül: ästhetisch in den Schlamm hinabsteigen, um den Gaumen eines Wählerpublikums zu schmeicheln, dem man wenig Ansprüche zutraut.
Manche bringen es ohne Betäubung auf den Punkt: der Spanien-Befürworter im Unabhängigkeitskostüm, der auffallen muss. Der Vorwurf ist nicht neu, aber die Verpackung schon. Und in der Politik ist die Verpackung die Botschaft.
Das „nosotras“ und eine Front, die das Subjekt wechselt
Die andere Achse der Angelegenheit ist sprachlich. Rufián setzt „ellas“ als die eigentliche politische Front, und die Geste löst zwei gegensätzliche Reaktionen aus. Für die einen ist es eine kalkulierte Provokation auf der Suche nach einfachen Schlagzeilen; für die anderen eine Art, das politische Subjekt in einem stark polarisierten Wahlzyklus zu erweitern. Die Diskussion, ob ein Mann das „nosotras“ verwenden darf, hat mehr Tinte gefressen als der Inhalt der Rede.
Die eigentliche Frage ist eine andere: Ob die Figur noch Lauf hat, wenn die Stimme für Witz mit Optionen konkurriert, die als seriös auftreten. Die härteste Diagnose besagt, dass der neue Lerroux auf dem Weg ist, eine Wahlschlappe einzuziehen; die wohlwollendste, dass seine Funktion genau diese ist: zu verunsichern.
Kleidungsstücke, Preise und die Erzählung vom Volk
Die Kleidung hat als Klassenmarker funktioniert. Man beschrieb sie als Primark-Klamotten, Shein-Klamotten, Achtziger-Proletenlook oder Rapper-Outfit eines Mannes, der älter ist als der Schwarze Tod. All diese Etiketten sagen dasselbe: Der Aufzug wird als Kostüm von Nähe wahrgenommen, nicht als echte Nähe. Das Detail des 50-Euro-Scheins in der Hand, den manche als symbolische Bezahlung fürs Reden gelesen haben, fügt die Prise Surrealismus hinzu, die das Bild abrundet.
Am Ende ist die Anekdote mit der Hose das Geringste. Was bleibt, ist eine Partei, die in trüben Gewässern fischen muss, und ein Abgeordneter, der je nach Bühne die Haut wechselt. Die verstörende Zahl: Das meistdiskutierte Kleidungsstück der politischen Woche hat keinen bekannten Preis, hat aber mehr Gesprächsstoff erzeugt als jeder Gesetzesvorschlag seiner Fraktion.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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