Forumsnutzer will, dass jeder die Politik erlebt, die er fordert
Jeder soll die Konsequenzen dessen tragen, was er für andere fordert. Nicht als Rache, sondern als das, was der Autor das Gesetz der Konsequenz nennt: Wer den Mindestlohn abschaffen will, verliert seinen eigenen, und wer ihn verteidigt, behält ihn; wer eine längere Arbeitszeit verlangt, bekommt sie selbst verlängert, während sie für den verkürzt wird, der das Gegenteil fordert. Der Vorschlag, von einem Nutzer in einem Forumsthread eingebracht, hat eine Grabenbildung ausgelöst, die weit über den Witz hinausgeht: Es geht um Steuern, Renten, Gesundheit, Währung und sogar den Pass.
Die Regel ist einfach zu formulieren und brutal in der Anwendung. Wer Kürzungen im öffentlichen Gesundheitssystem fordert, bleibt vor der Klinik stehen, wer es verteidigt, kommt weiter hinein. Wer private Renten will, verliert seine, wer sie befürwortet, behält die gesetzliche. Wer eine eigene Währung zur Abwertung verlangt, darf den Euro nicht nutzen und muss zusehen, wie seine neue Währung abgewertet wird. Und so weiter mit absolut allem, so der Urheber: «ibamos a ver que pronto se os quitaba a todos, a unos y a otros, toda la fruta poca falta de cultura que teneis».
Was das Auge-um-Auge-Gesetz ist und was es genau vorschlägt
Der Text spricht nicht von Gefängnissen oder Gerichten, sondern von Rechnungen. Der Vorschlag sieht vor, jedem Bürger die realen Kosten der Politik zuzumuten, die er unterstützt, sodass niemand eine Kürzung befürworten kann, ohne sie auf der Lohnabrechnung, in der Rente oder auf der Gesundheitskarte zu spüren. Das Grundargument: Das heutige System erlaubt es, für Maßnahmen zu stimmen, die nur andere bezahlen, und genau diese Asymmetrie nährt die radikalsten Rhetoriken beider Lager.
Das am häufigsten genannte Beispiel in der Diskussion ist das Gesundheitssystem. Wer behauptet, das öffentliche Gesundheitswesen müsse abgebaut werden, soll den Zutritt verlieren, während ihn behält, wer es verteidigt. Das zweite sind die Renten: Wer ihre Abschaffung fordert, lebt ohne sie. Das dritte ist der Mindestlohn: Wer ihn streichen will, lebt ohne ihn. Die Logik wird dann auf die Arbeitszeit, den Euro, die territoriale Organisation des Staates und die Verteilung der Einwanderung auf die Gemeinden ausgeweitet.
Der reibungsreichste Punkt ist die Finanzierung. Wer Steuersenkungen befürwortet, bekommt sie; im Gegenzug zahlt er für alles, was heute kostenlos ist. Der Urheber führt es aus: Ein verstauchter Knöchel zum Marktpreis, eine Schulanmeldung zu vollen Kosten, eine tägliche Maut fürs Betreten der Straße. «Va a ser un descorazone cuando tengais que pagar un peaje todos los dias por salir a la calle, esa que os creeis que se paga sola», fasst er zusammen.
Der Aufprall auf die fiskalische Realität: Wer nichts einzahlt, bleibt auch ohne Arzt?
Der häufigste Einwand greift die Idee nicht von oben, sondern von unten an. Wenn jeder für das zahlen soll, was er verbraucht, was geschieht mit dem, der nichts zum System beiträgt? Die Frage wird als logische Falle gestellt: Wenn man Steuern zahlen muss, um im öffentlichen Gesundheitssystem behandelt zu werden, was macht man mit denen, die keine zahlen, weil sie nicht arbeiten? Die Antwort des Urhebers weicht nicht aus: Er akzeptiert den Wegfall der Steuern und die Weitergabe der vollen Kosten an den Bürger, zu Marktpreisen für jede Leistung.
Doch dort zeigt sich die schwächste Stelle des Konzepts. Viele Beteiligte weisen darauf hin, dass das System kein individueller Tausch, sondern eine kollektive Versicherung ist und dass sein Abbau genau die dazu zwingt, die es heute kritisieren, mehr für weniger zu zahlen. Andere kontern von der anderen Seite: Wenn mir die Rente gestrichen wird, weil ich ihre Abschaffung befürworte, dann sollen mir auch die bereits eingezahlten Beiträge zurückerstattet werden. Die Diskussion driftet zum Umlagesystem und zur Nachhaltigkeit des Systems ab, mit der Warnung, dass die Jüngsten Renten zahlen werden, die sie vermutlich nie beziehen werden.
Besonders rau wird der Austausch, wenn er mit den laufenden öffentlichen Ausgaben kollidiert. Manche erinnern daran, dass auch Bus, Müllabfuhr, Straßenbeleuchtung und Sicherheit subventioniert sind und niemand ihre realen Kosten auf der Rechnung trägt. Das Fazit ist für beide Lager unbequem: Der Durchschnittsbürger hat keine Ahnung, wie viel der Staat kostet, den er zu wollen behauptet, und wie viel der kosten würde, den er vorzuziehen vorgibt.
Vom Mindestlohn zur Arbeitszeit: Die Beispiele, die die Debatte anheizen
Der Katalog konkreter Fälle verleiht der Diskussion Substanz. Eines der meistgenannten ist die Arbeitszeit: Wer ihre Verlängerung befürwortet, soll sie selbst verlängert bekommen, während sie für den gekürzt wird, der das Gegenteil fordert. Der Vorschlag kreuzt sich mit der realen Debatte über die Verkürzung der Arbeitswoche und mit der parlamentarischen Ablehnung einer 37,5-Stunden-Woche, ein Machtkampf zwischen den Parteien, die die Kürzung unterstützen, und denen, die sie blockieren.
Der Mindestlohn erzeugt dieselbe Art von Austausch. Wer seine Erhöhung per Dekret befürwortet, soll die Folgen für die Preise tragen; wer seine Senkung verlangt, soll mit dem Rest leben. Die Diskussion verwickelt sich in die Inflation: Manche halten dagegen, dass eine Erhöhung von Mindestlohn und Renten per Dekret später in Preisanstiegen bezahlt wird, andere antworten, das Problem sei nicht die Lohnuntergrenze, sondern die Kostenstruktur.
Euro und eigene Währung schließen den Kreis. Wer den Austritt aus der Gemeinschaftswährung verlangt, um abwerten zu können, soll außerhalb des Euro bleiben und die Abwertung der neuen Währung erleiden. Wer die Mitgliedschaft befürwortet, behält Pass und Währung. Danach verlagert sich die Diskussion auf die territoriale Organisation des Staates und die Verteilung der Einwanderung auf die Gemeinden, mit Vorschlägen, die Regeln jedes Gebiets nur auf die anzuwenden, die sie fordern.
Die zwei Spanien der Kosten: Wer für das Fest zahlt und wer davon profitiert
Unter dem Gedankenexperiment liegt ein klassischer Konflikt: die Unterscheidung zwischen denen, die etwas beitragen, und denen, die empfangen. Ein Teil der Diskussion vertritt die Auffassung, das heutige System erlaube, von der Arbeit anderer zu leben, und das Gesetz der Konsequenz würde nur sichtbar machen, was ohnehin geschieht. Die andere Seite antwortet, das Problem sei nicht der Empfänger, sondern der, der die Regeln festlegt, und die Weitergabe der Kosten an den Einzelnen zerstöre die Logik der kollektiven Versicherung.
Der Austausch wird kreisförmig. Die Befürworter, das Kriterium auf andere anzuwenden, werfen ihren Gesprächspartnern vor, sich nicht zu trauen, es auf sich selbst anwenden zu lassen. Die Kritiker erwidern, der Vorschlag sei eine Übung in Ressentiment, verkleidet als Gerechtigkeit, und niemand habe bisher erklärt, wie ein Krankenhaus mit Einzelrechnungen finanziert werden kann, ohne die auszuschließen, die sie nicht bezahlen können. Die Diskussion endet, wie üblich, ohne Einigung.
Ein Detail verunsichert beide Lager. Das Gedankenexperiment ähnelt allzu sehr dem, was sich in Europa bereits zugetragen hat, als die Zugehörigkeit zu dem einen oder anderen System den Lebensstandard einer ganzen Familie bestimmte. Wer auf der einen Seite der Grenze geboren wurde, hatte Arzt, Rente und starke Währung; wer auf der anderen, nicht. Das Gesetz der Konsequenz erfindet nichts: Es schlägt lediglich vor, die Grenze in jeden Menschen zu verlegen.
Und wenn das Problem gar nicht ist, wer zahlt, sondern dass noch niemand berechnet hat, wie viel das System wirklich kosten würde, das jeder von uns zu wollen behauptet?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).