Forum-Nutzer: Vatikanum II löste Europas Niedergang aus

Ein Priester lobt das Zweite Vatikanische Konzil und befeuert die These, die Kirche sei seit 1962 vom Weg abgekommen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Forum-Nutzer: Vatikanum II löste Europas Niedergang aus
Das Zweite Vatikanische Konzil als Sündenbock für den Verfall Europas

Ein Priester, der vom Altar herab das Zweite Vatikanische Konzil als Motor der pastoralen Arbeit preist. Diese Beobachtung eines zufälligen Kirchenbesuchers reicht aus, um eine im Forum festgefahrene Debatte neu zu entfachen: Die Idee, dass die katholische Kirche sich 1962 auf Irrwege begab und daraus laut dieser Lesart der kulturelle Zerfall Europas folgte. Der Streit beginnt beim Konzil und frisst fast alles andere auf, einschließlich der Theologie.

Was behauptet die These vom Konzil als Ursprung des Niedergangs?

Der Ausgangspunkt ist eindeutig. Der letzte „wirklich katholische“ Papst wäre Pius X. gewesen, der in seinen Enzykliken bereits vor dem Kommenden gewarnt hatte. Danach folgte das Zweite Vatikanische Konzil mit Johannes XXIII. als erstem „Gegenpapst“ des Jahrhunderts sowie Erzbischof Lefebvre und anderen Bischöfen, die versuchten, es vergeblich zu stoppen. Der zentrale Vorwurf: Modernismus und Freimaurerei, zuvor verfolgt, hätten Einzug in die Kirche selbst gehalten, bis hin zur Behauptung, es habe eine Loge im Vatikan gegeben. Von dort ist es ein großer Sprung – den die Argumentation nicht belegt –, zu behaupten, Rom habe Europa den Kulturrelativismus, Nihilismus oder totalitären Laizismus eingeimpft. Im extremsten Verschwörungsglauben wird alles einem angeblichen „globalen Zionismus“ zugeschrieben, eine These ohne Beweise, die unverhohlen mit der Anklage anderer Lobbygruppen vermengt wird, die für den Aufstieg von Feminismus, Ökologiebewegung oder Separatismus verantwortlich gemacht werden.

Die Tridentinische Messe und der Kampf um volle Pfarreien

Hier wird die Debatte konkreter. Eine Seite argumentiert, dass bei einer Rückkehr zum Latein noch weniger Menschen kämen. Die andere hält mit Feldbeobachtungen dagegen: Traditionelle Messen seien voll, besonders mit jungen Leuten, und verweist auf Beispiele in Sevilla, Córdoba und Huelva oder auf eine kürzlich gut besuchte Messe im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen). Die Tridentinische Messe „richte mehr“, als man denke, während die Gegenpartei betont, Latein ziehe keine weiteren Gläubigen an. Dies ist der am wenigsten theologische und am stärksten soziologische Teil des Austauschs, und der einzige Bereich, in dem überprüfbare Daten auftauchen.

Atheisten, Musikliebhaber und ein Streit, der nichts Geopolitisches war

Nicht alle steigen auf das Thema Konzil ein. Ein Atheist, der katholisch erzogen wurde, meint, ob mit oder ohne Vatikanum II wäre es „mehr oder weniger gleich“, und lenkt seine Kritik auf etwas anderes: die billige Folk-Musik, die die Messen begleite. Er erzählt, dass er als Nichtgläubiger anglikanische Messen wegen ihrer musikalischen Qualität höre, und wenn liturgische Moderne darin bestehe, sei dies ein Fehlschlag. Sein Beitrag dient als scharfer Kontrapunkt zu all dem Dogma und erinnert daran, dass nicht alles zwischen Traditionalisten und Modernisten entschieden wird.

Franziskus I. und das Ringen der zwei Strömungen

Innerhalb der traditionalistischen Familie gibt es einen Riss darüber, wie mit dem aktuellen Pontifex umzugehen sei. Ein Teil plädiert dafür, ihn als Häretiker zu erklären, und behauptet, falls er persönlich so urteile, falle er vom spirituellen Papstamt, bis ein kirchliches Gericht entscheidet, ohne dabei in Konkiliarismus zu verfallen. Kardinal Müller wird zitiert mit einer Warnung vor dem „enormen Druck“, unter dem orthodox Denkende stehen. Die wiederkehrende Referenz ist die Enzyklika Pascendi, die als Waffe gegen jede Anpassung an die moderne Welt dient. Zwei Fronten, Traditionalisten und Modernisten, die laut dieser Lesart seit 1960 koexistieren.

Historische Vorwürfe, die nie verstummen

Wenn das theologische Argument erschöpft ist, kommt die Geschichte ins Spiel, getrieben von gegenseitigen Anschuldigungen. Einige werfen der Franco-Diktatur vor, Todesurteile unterschrieben zu haben, während sie frühstückte, und Teilen des Klerus, weggeschaut zu haben; die anderen kontern mit den Folterungen und Morden, die sie dem Frente Popular (Volksfront) im Spanien der dreißiger Jahre zuschreiben. So wird die Konzils-Kontroverse zu einer Schlägerei über das zwanzigste Jahrhundert in Spanien, wo niemand nachgibt und jeder seine Toten präsentiert.

Vom Dogma zum Problem des Bösen

Mit den Jahren driftet das Gespräch zu Fragen, die niemand löst. Woher kommt das Böse, wenn alles Gottes Werk ist? Sind Gut und Böse absolut oder menschliche Konstrukte? Ist Relativismus die Wurzel aller Übel der heutigen Welt? Auch Konzepte wie die Entrückung tauchen auf, die Lehre, wonach Christus die Gläubigen vor der Trübsal hinwegnehmen wird. Manche setzen deren Leugnung gleich mit der Leugnung der Auferstehung Christi. Dieselbe Kontroverse, die begann, indem sie dem Vatikan den Schuldigen für Europas Niedergang sah, endet damit, zu diskutieren, ob die Bibel selbst bei ihren sarracena Urteilen irrt.

Bemerkenswert ist nicht die debattierbare These, sondern ihr Verlauf. Eine Strömung, die eine Rückkehr zur Tradition vor 1962 forderte, landet schließlich bei Diskussionen über die Entrückung und den Ursprung des Bösen – so weit entfernt von ihrem Ausgangspunkt, wie sie der Kirche vorwirft, von ihrem eigenen abgewichen zu sein. Das Konzil bleibt der Hauptverdächtige. Konsens hingegen ist nirgends zu finden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (494 Antworten).

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