Spaniens Geburtenrate sinkt um 100.000 gegenüber 1939

2016 wurden in Spanien nur noch 312.898 Kinder von einheimischen Müttern geboren – ein Rückgang von 107.000 im Vergleich zu 1939, trotz deutlich höherer Bevölkerungszahl.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der demografische Winter: 100.000 weniger Geburten als 1939

In der Statistik des INE (Nationales Institut für Statistik) gibt es eine Zeile, die man kaum glauben kann. Im Jahr 1939, als Spanien gerade aus dem Bürgerkrieg kam, 25,5 Millionen Einwohner hatte und die Wirtschaft am Boden lag, wurden 419.800 Kinder geboren. Im Jahr 2016, mit zwanzig Millionen Einwohnern mehr und Jahrzehnten des Friedens, sank die Zahl der Geburten bei spanischstämmigen Müttern auf 312.898. Das sind 107.000 weniger. Das schlechteste demografische Jahr des letzten Jahrhunderts schlägt das aktuelle deutlich. Der sogenannte demografische Winter ist keine Metapher: Es ist eine Zahlenreihe, die seit vier Jahrzehnten in dieselbe Richtung zeigt.

Die Zahlen: Von 635.000 Geburten auf 372.777

Die Datenreihe beginnt lange vor dem Krieg. 1858, bei kaum fünfzehn Millionen Einwohnern, wurden bereits 546.000 Kinder geboren; 1861 stieg die Zahl auf über 611.000. Zwischen diesem Datum und 1980 fiel die Zahl fast nie unter die Marke von 600.000. Nach dem Tiefpunkt von 1939 – weniger als 420.000 Geburten – erholte sich die Geburtenrate schnell: 1945 wurden wieder über 600.000 Kinder geboren, und dieser Stand hielt bis 1979 an, dem letzten Jahr über dieser Schwelle.

Danach folgte ein fast kontinuierlicher Rückgang über zwei Jahrzehnte, der 1996 mit nur 362.626 Geburten seinen tiefsten Punkt erreichte. Dann kam eine Trugbild-Erholung: 2008 überstieg Spanien wieder die halbe Million, mit 519.779 Geburten, was seit 1982 nicht mehr vorgekommen war. Im selben Jahr brach die Krise aus, und viele Einwanderer verließen das Land. Nach acht Jahren des Verfalls endete 2016 mit 410.583 Geburten, und 2018 schloss mit 372.777, dem niedrigsten Wert seit zwanzig Jahren. Im ersten Halbjahr 2019 sanken die Geburtenzahlen um weitere 6,2 %, also etwa 30.000 weniger als im Vorjahr.

Wie viele Geburten stammen von ausländischen Müttern?

Die gesamte Diskussion über die absolute Zahl der Geburten verbirgt einen wichtigen Nuance, der die Diagnose verändert. Eurostat hat für 2016 Daten veröffentlicht, die das INE nicht in einer Langzeitreihe anbietet: Von hundert in Spanien geborenen Kindern hatten 23 eine im Ausland geborene Mutter. Im ersten Halbjahr 2019 lag dieser Anteil bereits bei 21 % und stieg weiter. Für die Jahrzehnte von 1940 bis 1970 gibt es keine vergleichbare Statistik, aber es ist anzunehmen, dass nahezu alle Geburten von spanischen Müttern stammten.

Daraus ergibt sich ein erschreckender Vergleich. Betrachtet man nur die Mütter, die selbst in Spanien geboren wurden, fällt die Zahl unter 313.000 pro Jahr – mehr als hunderttausend unter dem Niveau des schlechtesten Jahres während des Bürgerkriegs. Die Zuwanderung dämpft den Abfall, kehrt ihn aber nicht um. Dies erklärt auch, warum die Krise von 2008 die Statistik so hart traf: Nicht nur bekamen Spanierinnen weniger Kinder, sondern viele potenzielle Mütter wanderten ab.

Warum bekommen Frauen in Spanien weniger Kinder?

Die Erklärungen sind vielfältig und schließen sich nicht gegenseitig aus. Eine Strömung führt dies auf prekäre Arbeitsverhältnisse und hohe Lebenshaltungskosten zurück: Wer keinen sicheren Job oder bezahlbaren Wohnraum hat, scheut sich vor der Familiengründung. Andere sehen einen Wertewandel hin zu einer Gesellschaft, die Komfort und sofortige Freizeit priorisiert, wobei die Aufzucht eines Kindes als unpopulärer Aufwand empfunden wird.

Es gibt zudem eine strukturelle Lesart, die oft untergeht. 1939 war die Wirtschaft agrarisch geprägt, und Kinder waren früh helfende Hände; heute dominiert der Dienstleistungssektor, und Automatisierung reduziert den Bedarf an Arbeitskräften. Vergleiche mit Japan, das stark auf Technologie statt auf Geburtenförderung setzt, zeigen, dass dies kein rein spanisches Problem ist: Italien, Griechenland und Portugal entwickeln sich in dieselbe Richtung.

Renten: 37 Millionen Ausländer nötig zur Systemstabilisierung

Das Thema wird konkret, wenn man die Altersstruktur betrachtet. Die Banco de España berechnete, dass etwa 37 Millionen Einwanderer nötig wären, um das Rentensystem unter den aktuellen demografischen Bedingungen zu finanzieren. Dieselbe Institution plädiert für eine Anhebung des Rentenalters. Die Arithmetik ist unerbittlich: Ohne Ersatzkräfte auf dem Arbeitsmarkt wird die Finanzierung der Leistungen unmöglich.

Gleichzeitig steigt die Gesamtbevölkerung, obwohl weniger Kinder geboren werden. Dies ist die Kombination aus steigender Sterblichkeit und Immigration, ein Phänomen, das manche als Beweis für eine gezielte Substitution interpretieren. Diese These entbehrt empirischer Grundlage, dient aber als Treibstoff in sozialen Medien und Kommentarspalten.

Geburtenrate als politisches Schlachtfeld

Das Thema ist in die Politik gewandert, ohne sichtbare Ergebnisse. Ein Antrag im katalanischen Parlament (Parlament), der staatliche Hilfen zur Steigerung der Geburtenrate ausschließlich für Spanier forderte und die Abschaffung des Ministeriums für Gleichstellung und Feminismus einschloss, wurde abgelehnt. Albert Rivera schlug vor, die Einkommensteuer in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern um 60 % zu senken. Und eine Plattform kündigte Klagen gegen alle Abgeordneten im Congreso de los Fruta an, weil sie den Einbruch nicht stoppen.

Die Geburtenrate ist ins Zentrum der Kulturkämpfe gerückt. Ein Teil der Debatte macht Scheidungsgesetze, Abtreibung und Gleichstellungspolitik verantwortlich; dabei wird die Zahl von fast 100.000 Abtreibungen im Jahr 2016 zitiert, von denen nur 6 % medizinisch notwendig waren. Der andere Teil argumentiert, das Problem sei materieller Natur: fehlende Zukunftsperspektiven, niedrige Löhne, unbezahlbare Mieten. Keine Zahl beendet diese Debatte, was ebenfalls eine Aussage ist.

„70 % der 35-jährigen Frauen haben keine Kinder“

Unter den oft zitierten Statistiken ist eine, die selten Schlagzeilen macht: Demnach haben 70 % der 35-jährigen Frauen in Spanien keine Kinder. Dahinter stehen Geschichten, die jede Familienfeier kennt: Geschwisterpaare, die zu Einzelkind-Familien schrumpfen, Freundeskreise Mitte vierzig ohne einzigen Nachwuchs, und ein leeres Spanien, das sich organisiert, um eine nationale Strategie für den demografischen Ausgleich zu fordern.

Die Geburtenzahlen werden weiter fallen, solange sich nichts Grundlegendes ändert. Niemand weiß genau, was das sein soll. Und während die Diagnosen miteinander konkurrieren, fügt das INE weiterhin neue Zeilen zur Tabelle hinzu.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (516 Antworten).

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