Ford verliert 100.000 Euro pro verkauftem Elektroauto
Wie lange kann ein Unternehmen durchhalten, wenn es pro produzierter Einheit 100.000 Euro verliert? Für Ford ist dies zur täglichen Realität geworden. Die Null-Emissions-Sparte Model E verbuchte 1,3 Milliarden Dollar Verlust in den ersten Monaten des Jahres 2024, nachdem das Geschäftsjahr 2023 bereits mit einem Defizit von 4,7 Milliarden Dollar abgeschlossen wurde. Das Unternehmen räumt ein, dass es die Kreativität seiner Zulieferer benötigt, um die Fertigungskosten zu senken und den Aderlass bei jedem verkauften Elektroauto zu stoppen. Währenddessen bestimmen Tesla und BYD das Tempo im Markt, während westliche Hersteller mit leerer Kasse zuschauen.
Das Loch, das Ford nicht stopfen kann
Die Elektroabteilung von Ford ist zu einer buchhalterischen Belastung geworden. Die Zahl von 1,3 Milliarden Dollar Verlust in den ersten Monaten des Jahres 2024 ist kein isoliertes schlechtes Quartal: Es ist die Fortsetzung eines Vorjahres, das mit 4,7 Milliarden Dollar im Minus endete. Die Unternehmensleitung hat anerkannt, dass externe Hilfe nötig ist, um die Fertigungskosten für ihre 100-prozentigen Elektrofahrzeuge zu reduzieren. Die Botschaft ist klar: So kann es nicht weitergehen.
Das Problem liegt nicht nur bei Ford. Die Elektrifizierung hat die traditionellen Hersteller auf dem falschen Fuß erwischt. Sie haben Milliarden in F&E investiert, Produktionslinien umgerüstet und Modelle auf den Markt gebracht, die vom Kunden nicht immer mit Begeisterung aufgenommen werden. Das Ergebnis ist eine Kostenstruktur, die nicht zu den Preisen passt, die der Kunde bereit ist zu zahlen.
Warum können westliche Hersteller nicht mit Tesla und BYD konkurrieren?
Tesla und BYD verkaufen Volumen und kontrollieren die Kosten. Ford, Volkswagen oder Mercedes tun dies nicht. Die Lücke ist nicht nur technologisch: Sie liegt in der Skalierung, der Automatisierung und der Lohnstruktur. In einer chinesischen Fabrik sind viele automatisierbare Prozesse bereits robotisiert. In einer US-amerikanischen oder europäischen Anlage gibt es noch viel Handarbeit, die zu westlichen Löhnen arbeitet und im westlichen Takt produziert wird. Diese Differenz wirkt sich auf den Endpreis aus.
Einige argumentieren, dass es ein strategisches Problem sei: Westliche Marken haben die Preise ihrer Verbrenner erhöht, um Elektroautos attraktiver zu machen, und dabei ihre traditionelle Kundschaft verloren, ohne die neue zu gewinnen. Der Käufer, der ein günstiges Auto sucht, wandert zu asiatischen Marken ab. Auch derjenige, der Leistung und Mehrwert sucht, tut dies. Dazwischen stehen Ford & Co. ohne Verkaufsargument.
Die Zollfalle und die Klage der Zulieferer
Die Reaktion aus Brüssel und Washington war die Erhöhung von Zöllen auf chinesische Autos. Die offizielle Logik ist der Schutz der europäischen und amerikanischen Industrie. Die reale Logik, so verschiedene Analysen, ist: Wenn man nicht über die Kosten konkurrieren kann, errichtet man eine Barriere. Das Problem ist, dass der Zoll die Ineffizienz nicht behebt: Er verteuert das Produkt nur für den Verbraucher und hält eine Industrie am Leben, die ihre Kostenrechnung nicht gelöst hat.
Die ursprüngliche Bitte von Ford an die Zulieferer, kreativ zu sein, hat Skepsis ausgelöst. Wenn früher 100 Euro für ein Lenkrad gezahlt wurden, erwartet der Hersteller nun, dass der Zulieferer dies für 30 Euro macht. Ein solcher Druck funktioniert nur, wenn der Zulieferer Marge hat, um ihn aufzufangen, oder bereit ist, mit Verlust zu arbeiten. Keines davon ist langfristig tragfähig.
Die versteckten Kosten des Elektroautos
Über den Kaufpreis hinaus bringt das Elektroauto eine Reihe von Kosten mit sich, die der Käufer erst mit der Zeit entdeckt. Reparaturen sind teurer und erfordern spezialisiertes Personal. Das öffentliche Ladennetz ist unzureichend, und ein Teil der vorhandenen Punkte funktioniert nicht. Der Wiederverkaufswert sinkt schneller als bei einem Verbrenner. Und die steuerlichen Vorteile und Parkprivilegien, die den Kauf rechtfertigten, verschwinden in vielen Städten.
Hinzu kommt die regulatorische Unsicherheit. Es wird über spezifische Steuern auf Batterien wegen ihres Recyclings am Ende ihrer Lebensdauer gesprochen sowie darüber, die heute auf Kohlenwasserstoffe erhobenen Steuern auf Strom zu übertragen. Wenn dies geschieht, reduziert sich der Kostenvorteil pro Kilometer drastisch. Der Käufer, der seine Berechnungen auf Basis der aktuellen Preise gemacht hat, könnte sich in wenigen Jahren in einem anderen Szenario wiederfinden.
Das Auto, das nicht mehr begeistert
Die Automobilbranche lebt von der Erneuerung. Jahrzehntelang wechselte der Käufer regelmäßig sein Auto, weil das neue Modell etwas Greifbares bot: mehr Sicherheit, weniger Verbrauch, mehr Komfort, bessere Leistung. Airbags, ABS, Stabilitätskontrolle, Klimaanlage. Jede Generation brachte eine sichtbare Verbesserung.
Heute besteht das Verkaufsargument aus einem größeren Bildschirm und einem Elektromotor. Für einen Teil des Marktes rechtfertigt das die Ausgabe nicht. Das Auto von 2015 funktioniert immer noch, ist immer noch sicher und kostet weniger als ein neues. Geplante Obsoleszenz durch Mode greift nicht mehr so gut, wenn das Budget knapp ist und die Neuheit nicht überzeugt.
Die Frage, die Ford nicht beantwortet
Der CEO von Ford hat die Senkung der Produktionskosten für Elektroautos zwischen 2030 und 2035 angesetzt. Das bedeutet, dass das Unternehmen davon ausgeht, mindestens sechs weitere Jahre Geld zu verlieren. Die Reduzierung wird laut dieser Prognose hauptsächlich durch weniger Arbeitskräfte kommen. Übersetzt: Mehr Roboter und weniger Mitarbeiter.
Währenddessen scheint die Strategie darin zu bestehen, die Stellung zu halten, Zulieferer unter Druck zu setzen, auf Zölle zu vertrauen und darauf zu warten, dass der Markt reift. Dies ist ein Plan, der viel Liquidität und viel Geduld erfordert. Ford hat das Erste, aber es ist unklar, ob es auch das Zweite hat.
Am Ende lautet die Frage nicht, ob das Elektroauto die Zukunft ist. Die Frage ist, wer die Rechnung für den Weg dorthin zahlt. Und nach allem Anschein hat Ford beschlossen, dass diese Rechnung von seinen Zulieferern, seinen Mitarbeitern und nebenbei auch seinen Aktionären bezahlt wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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