Ferrer Dalmau: Von 400 € Auktion auf 20.000 € Auftragspreis

Ein Ölgemälde von Ferrer Dalmau kostet im Auftrag zwischen 5.500 und 6.500 €. Im Auktionshandel werden Werke teils für nur 400 € gehandelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ferrer Dalmau: Von 400 € Auktion auf 20.000 € Auftragspreis
Ferrer Dalmau: Von 400 Euro in der Auktion zu 20.000 Euro im Auftrag

Lohnt sich der Kauf eines Gemäldes von Augusto Ferrer-Dalmau als Investition? Die scheinbar einfache Frage hat eine unbequeme Antwort: Es hängt davon ab, welches Werk man kauft. Der bekannteste spanische Schlachtenmaler – und der meistbeauftragte bei militärischen Institutionen – hat ein Hauptwerk, das für private Anleger praktisch unzugänglich ist, und ein Nebenwerk, das laut Forennutzern zu Preisen versteigert wird, die kaum mehr als Kleingeld sind. Zwischen diesen Extremen klafft eine Lücke, die man kennen sollte, bevor man Geld ausgibt.

Der Künstler selbst antwortete 2019 schriftlich einem Interessenten: Ein Ölgemälde von 40x30 cm mit einer Reiterfigur kostete zwischen 5.500 und 6.500 Euro, je nachdem, ob der Hintergrund neutral war oder eine Komposition enthielt. Eine andere Person, die Jahre zuvor nach einem Auftrag fragte, erhielt eine Preisspanne, die bei 20.000 Euro begann und mit der Größe stieg. Ein Dritter berichtete, dass ein Bekannter vor über zehn Jahren mehr als 6.000 Euro für ein Werk bezahlt habe.

Was kostet heute ein Gemälde von Ferrer Dalmau?

Die kurze Antwort: Was er verlangen will, und nur wenn ihm der Auftrag gefällt. Die lange Antwort ist, dass sein Hauptwerk – die großen historischen Formate – nicht auf dem Markt ist. Er arbeitet im Auftrag von Institutionen: dem Heer, öffentlichen Verwaltungen, Museen. Er malt nicht für private Investoren. Wer ein Bild von ihm für sein Wohnzimmer möchte, muss sich mit kleinen Formaten, Skizzen oder Drucken begnügen oder darauf warten, dass etwas zur Auktion kommt.

Hier kommt die verwirrende Tatsache. Laut einem Forennutzer gehen seine kleinen Ölgemälde und Skizzen bei Auktionen für 400 Euro weg, und viele erhalten kein einziges Gebot. Derselbe Nutzer behauptet, dass der Rekord für ein Ölgemälde bei etwa 2.000 Euro liegt, eine Zahl, die auf dem internationalen Kunstmarkt kaum mehr als Kleingeld bedeutet. Das Paradoxon ist offensichtlich: Derselbe Künstler, dessen direkter Auftrag fünfstellige Summen kostet, wird auf dem Sekundärmarkt zum Preis eines Mittelklasse-Smartphones verramscht.

Das Liquiditätsproblem: Kunst verkaufen ist nicht Aktien verkaufen

Der häufigste Einwand ist nicht ästhetisch, sondern finanziell. Ein Gemälde ist kein liquides Asset. Es gibt keinen kontinuierlichen Markt, keine Bid-Ask-Spreads, keinen Index, der dir sagt, was dein Werk heute Morgen wert ist. Der Verkauf erfordert die Suche nach jemandem, der bereit ist zu zahlen, und das kann Jahre dauern. Der Handel steigt nicht immer, und Renditen durch Ausstellungen zu erzielen, ist schwierig.

Dazu kommt das physische Risiko: Ein Gemälde kann beschädigt werden, verbrennen oder durch Feuchtigkeit im Badezimmer, wo es jemand aufhängt, verderben. Es ist kein Asset, das man in einer digitalen Schublade aufbewahrt.

Wird Ferrer Dalmau in Zukunft an Wert gewinnen?

Hier bricht der Konsens. Einige behaupten, dass sein Werk im Laufe der Zeit steigen wird, dass er heute schon ein Ferrer-Dalmau ist und Picasso froh wäre, so malen zu können. Das Argument der Optimisten ist, dass die großen Formate nie verkauft wurden, weil sie sich im Besitz öffentlicher Institutionen befinden, die selten verkaufen, und dass eines dieser Werke, falls es zur Auktion käme, einen Startpreis von fast einer halben Million Euro erreichen könnte.

Gegenargumente sind marktbezogen und haben nichts mit Qualität zu tun: Künstler, deren Wert steigt, sind solche, deren frühe Werke von großen Sammlern und internationalen Händlern gekauft werden, bevor der Preis steigt. Wenn der Künstler bereits etabliert ist, sind die besten Stücke in den Händen weniger. Dass ein Privatperson zufällig im Moment vor der Wertsteigerung kauft, ist statistisch unwahrscheinlich.

Ein weiterer Faktor wird mit Skepsis erwähnt: Das Thema seiner Bilder – spanische Militärgeschichte – verschließt ihm Türen im Galerie- und Händlerkreislauf, der von ganz anderen Sensibilitäten dominiert wird. Sein bester Kunde ist das Heer, das ihn mit allem beauftragt, aber das macht ihn nicht zu einem gehandelten Wert auf der ARCO-Messe.

Der Vergleich mit Picasso, der nicht hält

Die Idee, dass Ferrer-Dalmau „ein zukünftiger Picasso“ sei, erzeugt fast einstimmige Ablehnung bei denen, die den Markt kennen. Das technische Argument einiger ist, dass Picasso im Vergleich zu Ferrer-Dalmau zeichnerisch mittelmäßig sei: Wer wirklich Talent hat, nutzt Realismus, nicht weil er will, sondern weil er kann. Die Gegenreaktion kommt schnell: Picassos erste Phase war tatsächlich im Realismus angesiedelt, praktisch bis ins 20. Jahrhundert und während seiner Jugend, und erst danach wechselte er den Stil.

Die historische Tatsache, die die Diskussion über den Markt beendet, ist eine andere. 1920 erklärte Picasso einem Korrespondenten: „Le nouveau riche. C'est mon client. Il y en a beaucoup. Ils ne savent pas quoi faire avec leur argent.“ (Der Neureiche. Das ist mein Kunde. Es gibt viele. Sie wissen nicht, was sie mit ihrem Geld machen sollen.) Ein Jahrhundert später gilt diese Lektion weiterhin: Kunst gewinnt an Wert, wenn jemand mit Geld beschließt, sie massenhaft zu kaufen, nicht wenn jemand gut malt.



Die praktische Schlussfolgerung ist die, die jedes Investitionsmanual liefert: Wenn du das Gemälde magst, kauf es. Wenn du erwartest, dass es deine Rente finanziert, hast du eine Leidenschaft mit einem Finanzplan verwechselt. Und wenn du wirklich in Kunst investieren willst, ist der erste Schritt nicht, viel über Kunst zu wissen, sondern viel über den Kunstmarkt. Das ist nicht dasselbe, auch wenn es so aussieht.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (107 Antworten).

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