Zwei Billionen Dollar schlafen bei der Fed zu 0,05 %
Eine nächtliche Auktion. 73 Gegenparteien. 813,6 Milliarden Dollar, die vor Sonnenaufgang den Besitzer wechseln und innerhalb von weniger als 24 Stunden zurückkehren. Das ist die Momentaufnahme einer einzigen Reverse-Repo-Operation der Federal Reserve, dem Instrument, mit dem die US-Zentralbank jede Nacht Liquidität aus dem System abzieht. Die Summe wuchs unaufhaltsam an, durchbrach die psychologische Marke von zwei Billionen und markierte einen Rekordwert von 2,163 Billionen Dollar. Alles im Tausch gegen einen Zinssatz von 0,05 % pro Jahr.
Was ist ein Reverse Repo und wozu dient er?
Ein Reverse Repo (RRP) ist im Wesentlichen ein besicherter Kredit, jedoch mit vertauschten Rollen. Bei einem normalen Repo leiht die Fed Geld an Primary Dealers, die Sicherheiten hinterlegen, was temporäre Bankreserven in das System injiziert. Bei einem Reverse Repo leiht sich die Fed Geld und stellt Staatsanleihen als Sicherheit, was Liquidität absaugt. Die übliche Laufzeit beträgt eine Nacht bis zum nächsten Tag, kann aber auf bis zu 65 Geschäftstage verlängert werden.
Die Mechanik ist weniger kompliziert, als sie scheint. Die Fed zahlt für die Wertpapiere, indem sie das Reserven-Konto des Tripartite-Agenten des Händlers gutschreibt, was Reserven schafft. Wenn die Operation ausläuft, gibt der Händler den Kredit plus Zinsen zurück. Diese Rückzahlung löscht die anfänglich geschaffenen Reserven. Auf dem Papier einfache Geldpolitik.
Von 800 Milliarden auf zwei Billionen: Chronologie des Anstiegs
Die Aufzeichnungen sind eindeutig. In einer der ersten Spitzenphasen wurden 813,6 Milliarden Dollar zwischen 73 Gegenparteien verzeichnet. Kurz darauf sprang die Zahl auf 841,246 Milliarden, dann auf 991,939 Milliarden und überschritt die Billionengrenze. Am 30. Juli erreichte sie 1,039 Billionen; am 30. September 1,604 Billionen. Im Frühjahr 2022 wurde die Zwei-Billionen-Marke geknackt und der Rekord bei 2,163 Billionen festgeschrieben.
Die tägliche FRED-Serie zeigt denselben Anstieg: 2,229 Billionen am 17. Juni 2022, 2,329 Billionen am 30. Juni, 2,371 Billionen am 29. September. Zur Einordnung: Die Bilanzsumme der Fed hatte zu diesem Zeitpunkt erstmals 8,1 Billionen Dollar erreicht.
Warum parken Banken ihr Geld lieber, statt es zu verleihen?
Hier spaltet sich die Debatte. Wer in dem Phänomen eine Anomalie sieht, argumentiert, dass Banken keine solventen Kunden finden, um Kredite zu vergeben: Die Wirtschaft schwächelt, die Kreditnachfrage friert ein, und es lohnt sich mehr, Überschüsse zu 0,05 % anzulegen, als Risiken einzugehen. Andere betonen, dass schlichtweg zu viel Geld vorhanden sei und das nächtliche Parken die geringste Übel sei.
Ein oft übersehenes Detail ist der IORB, der Zins, den die Fed auf Reserven zahlt. Eine verbreitete Lesart ist, dass Banken mit aufgeblähten Bilanzen den Reverse Repo nutzen, um Mittel anzulegen, ohne bestimmte Kosten für das Halten ungenutzter Reserven zu tragen. Unklar bleibt jedoch, warum diese Bilanzen so hoch sind.
[SIZE-5]Warnsignal für einen Kollaps oder bloßes Liquiditätsmanagement?[/SIZE]
Beide Lager bestehen nebeneinander. Die pessimistischere Seite liest die Rekorde als Warnung: Institute trauen sich nicht, Geld über Nacht frei fließen zu lassen, und dies – so sagen sie – ist die typische Reaktion vor Börsencrashs. Die Gegenseite erinnert daran, dass die Nutzung des RRP zwischen 2018 und 2021 nahe null lag und nichts passierte, sodass hohe Zahlen allein keine Prophezeiung rechtfertigen.
Dazwischen taucht ein kurioser Fakt auf: Laut den Stresstests der Fed stiegen Bankaktien im Block – Morgan Stanley, Citigroup, JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo –, und Milliardenbeträge wurden für Aktienrückkäufe und Dividenden freigegeben. Alles in Ordnung also.
Der Absturz: Von zwei Billionen auf 58 Milliarden
Das Bild ändert sich ab 2023. Im März dieses Jahres lag die Zahl noch bei rund 2,1 Billionen. Zwei Jahre später, im April 2025, bricht die Serie ein: 156,911 Milliarden am 8., 88,878 Milliarden am 16. und 58,6 Milliarden am 17. April. Manche deuten den Zusammenbruch als Liquiditätsproblem, andere ironisch als Zeichen der Beruhigung. Der Datenpunkt steht im starken Kontrast zum Geldberg, der drei Jahre zuvor angehäuft wurde.
Zwei Billionen Dollar, die jede Nacht „Rausch“ ausschliefen, sind in nur wenigen Jahren zu einer fast marginalen Zahl geworden. Die Maschine, die den Liquiditätsüberschuss absaugte, ist halb trocken, und es fehlt weiterhin eine Erklärung, die den Höhepunkt mit dem Abfall in Einklang bringt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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