Europäische Aufrüstung: Ohne Munition, Metall und Soldaten

Es mangelt an Pulver und Metall für Patronen; nur 33 % der Spanier würden kämpfen. Die europäische Aufrüstung scheitert an Industrie und Demografie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Europäische Aufrüstung: Ohne Munition, Metall und Soldaten
Die europäische Aufrüstung kollidiert mit dem Mangel an Pulver, Messing und Soldaten

Der Plan zur europäischen Aufrüstung ist auf einen Engpass gestoßen, der in den offiziellen Fotos nicht zu sehen ist: Es fehlt an Pulver, es fehlt an Metall für die Herstellung von Patronen und es fehlt an Menschen, die bereit sind, Uniform anzulegen. Der Ausgangspunkt war ein Artikel von elEconomista.es, der das Problem auf drei Ebenen zusammenfasste — knappe Rohstoffe, alternde Bevölkerung und eine entfremdete Jugend — und dies mit der militärischen Stärke Russlands kontrastierte. Von dort aus spaltete sich die Diskussion in drei Gräben: die Fabrik, die Wiege und die Zentralbank.

Warum fehlen Pulver und Metall für Patronen?

Der Mangel an Rohstoffen ist keine Überraschung für jemanden, der in den letzten zwanzig Jahren eine Industrieanlage betreten hat. Das Ever-Given-Ereignis im Jahr 2021 führte dazu, dass europäische Unternehmen stillstanden, weil sie nicht einmal Schrauben fanden, und dies war eine Generalprobe für das, was nun im Maßstab der Munitionsproduktion droht. Für die Herstellung von Patronen werden Messing, Nitrocellulose, Spezialmaschinen und Dreher benötigt, die diese bedienen können.

Der Fall des Armaturensektors ist das illustrativste Beispiel, das auf den Tisch gelegt wurde: Ein spanischer Hersteller warf 15 Tonnen Messing zum Schrottpreis weg, weil die einzigen Armaturen, die er verkaufte, chinesische waren, die bei einem portugiesischen Importeur gekauft wurden. Drehereien, Polierbetriebe und Chromanlagen geschlossen oder erstickt. Die wiederkehrende Schlussfolgerung ist unbequem: Europa kann keine Munition im großen Maßstab herstellen, wenn es zuvor die gesamte Kette, die sie trägt, abgebaut hat.

150 Millionen Russen gegenüber 450 Millionen Europäern

Hier wird die offizielle Erzählung kompliziert. Laut einer im Thread kursierenden Schätzung hat Russland 150 Millionen Einwohner, mit einer ebenso alternden wie schrumpfenden Bevölkerung wie im Westen, während die Europäische Union etwa 450 Millionen zählt, ohne den Rest des Kontinents, und das Vereinigte Königreich würde weitere 70 Millionen hinzufügen. Auf dem Papier spielt die demografische Asymmetrie zugunsten Brüssels.

Der Nuance ist, dass Moskau Verluste an Menschenleben an der Front toleriert, wie keine europäische Demokratie es dulden würde, und das macht den numerischen Vorteil weniger beruhigend als es scheint. Eine große Armee entsteht nicht aus einer Bevölkerungs-Pyramide, sondern aus der Bereitschaft, sie zu mobilisieren. Und dort spielt Europa mit verdeckten Karten.

Wer wäre bereit, ein Gewehr zu ergreifen?

Die Umfragen, die im Zusammenhang mit diesem Thema zirkulieren, sind vernichtend: Nur 32 % der Briten und 33 % der Spanier wären bereit, für ihr Land zu kämpfen, und unter den Jüngeren erreichen die Zahlen nicht einmal zwei Ziffern. Mit diesen Voraussetzungen stößt jeder Rekrutierungsplan auf eine elementare Realität: Es gibt keine Kasernen, denn wo früher eine stand, befindet sich heute ein Wohnblock.

Ein Strang der Analyse schlägt vor, die Migrantenbevölkerung als Quelle für Rekruten zu nutzen. Ein anderer lehnt dies rundweg ab und erinnert daran, dass eine Armee auf mehr aufgebaut wird als nur auf einem Zensus. Auch historische Präzedenzfälle ausländischer Truppen und Söldner werden herangezogen, mit unterschiedlichen Ergebnissen, und das ukrainische Beispiel der Zwangsmobilisierung wird eher als Präzedenzfall denn als Modell zitiert. Die vollständige Berechnung, wie viele Soldaten benötigt würden und woher sie kommen sollen, ergibt eine Zahl, die niemand schriftlich festhalten möchte.

Aufrüstung als geldpolitische Ausrede

Es gibt eine These, die in jedem Abschnitt der Konversation an Gewicht gewinnt: Dass die Aufrüstung nicht das Ziel ist, sondern der Vorwand. Die Logik besagt, dass es egal ist, ob es Fabriken, Rohstoffe oder Rekruten gibt, da die eigentliche Funktion des Plans darin besteht, Geld zu drucken, Schulden durch Inflation zu verdünnen und danach einen neuen Gesellschaftsvertrag unter Aufsicht zu rechtfertigen. Mit Militärausgaben als Alibi wäre die Sequenz finanzieller Kollaps, Rettungspaket mit Bedingungen und digitale Währung.

Dies ist keine bewiesene Hypothese und sollte als solche behandelt werden: ein Verdacht, der von einem Teil der Debattenteilnehmer geteilt wird. Was jedoch ein Fakt ist, ist, dass die Haushaltsankündigungen nicht von gleichwertigen Bestellungen oder der installierten Kapazität begleitet werden, um sie auszuführen.

Ohne Energie, ohne Kasernen und ohne Lieferanten

Bleibt das Problem, über das fast niemand spricht: die Energie. Ein Großteil der Energieressourcen gelangt über Zwischenhändler aus Russland nach Europa, und es würde reichen, die Exporte zu strangulieren oder zwei Pipelines im Mittelmeer zu sprengen, damit die Militärproduktion ohne Strom dasteht. LNG-Schiffe und Solarplatten allein tragen keine Kriegsindustrie.

Addiert man die Ebenen, sieht das Bild so aus: Es gibt keine Kasernen, keine garantierte Energie, keine Lieferanten für Schrauben und keine Schlange von Freiwilligen. Der am häufigsten genannte Hebel im Thread ist die nukleare Abschreckung: 800 Sprengköpfe zu je 100 Millionen Euro ergeben, laut der im Gespräch verwendeten Berechnung, 80 Milliarden Euro, und einige behaupten, dass diese Ausgaben es unnötig machen, mehr in Schiffe, Panzer und Drohnen zu verschwenden, die veralten, bevor sie eingesetzt werden.

Und hier stockt alles. Mit abgebauter Industrie, invertierter Bevölkerungspyramide und einem Plan, der auf eine Buchhaltungsposition reduziert ist, erklärt niemand abschließend, woher die Patronen, die Arbeiter und die Soldaten kommen sollen. Oder ob das Ziel etwas anderes war.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (218 Antworten).

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