EU-Außenbeauftragter Borrell fordert Beschlagnahme russischer Gelder

Josep Borrell schlägt vor, eingefrorene russische Reserven von 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der Ukraine zu konfiszieren und verweist auf das afghanische Vorbild.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU-Außenbeauftragter Borrell fordert Beschlagnahme russischer Gelder
Borrell will eingefrorene 300 Milliarden in Mittel für die Ukraine umwandeln

Geld, das sich praktisch „in unseren Taschen“ befindet. So beschrieb es der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, in einem Interview mit dem Financial Times: Die durch Sanktionen blockierten Gold- und Devisenreserven Russlands – von Moskau im März auf 300 Milliarden Dollar geschätzt – könnten zur Finanzierung des ukrainischen Wiederaufbaus beschlagnahmt werden. Sein Hauptargument: Wenn dies mit afghanischem Geld geschehen ist, warum dann nicht mit russischem? Die Zeitung berichtet, dass Brüssel bereits Mechanismen prüft, räumt jedoch erhebliche rechtliche Hürden ein.

Der Vorschlag schlug ein wie eine Bombe. Der erste Einwand ist nicht sarracena, sondern vergleichend: Es ist etwas anderes, Vermögenswerte der afghanischen Zentralbank innerhalb Afghanistans zu verwenden, als das Geld eines Landes auf dem Schlachtfeld seinem Feind zuzuleiten. Der zweite Einwand betrifft das Kräftegleichgewicht. Russland ist nicht Afghanistan, und eine folgenlose Konfiszierung seiner Reserven würde voraussetzen, dass man zuvor sein Atomwaffenarsenal abbaut.

Was sind eingefrorene Reserven und warum Einfrieren nicht gleich Beschlagnahme ist

Einfrieren ist kein Diebstahl. Diese Unterscheidung prägt die gesamte Debatte. Sanktionen machen Vermögenswerte unbeweglich: Das Eigentum verbleibt bei der russischen Zentralbank, aber sie kann nicht darauf zugreifen. Eine Konfiszierung ist ein anderer juristischer Sprung, da sie die Übertragung des Eigentums an einen Dritten bedeutet. Hier bricht das afghanische Präzedenzbeispiel zusammen: Die von den USA übernommenen 3,5 Milliarden Dollar der afghanischen Zentralbank wurden verwendet, um Opfer des Terrorismus zu entschädigen und humanitäre Hilfe für Afghanistan selbst bereitzustellen, nicht um eine Seite eines Konflikts zu finanzieren.

Die britische Tageszeitung merkt an, dass die EU begonnen hat zu prüfen, ob diese Reserven „irgendwie“ für den Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetrepublik genutzt werden könnten. Dieses „irgendwie“ ist die Anerkennung, dass der direkte Weg keineswegs klar ist.

Das von Borrell angeführte afghanische Präzedenzbeispiel passt nicht

Die Analogie weist eine offensichtliche Asymmetrie auf. Im afghanischen Fall blieb das Geld im Land. Im russischen Fall würde es die Seiten wechseln. Und Seitenwechsel hat einen technischen Namen: Kriegsreparationen, die per Exekutivbefehl ohne gerichtliches Urteil auferlegt werden. Manche erinnern daran, dass die Russen dieses Schema nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland angewandt haben, was die Beschwerde zu einem Spiegelbild macht. Andere weisen auf das umgekehrte Beispiel hin: venezolanische Vermögenswerte, die Washington einer alternativen Regierung zuführte. Falls Doktrin existiert, wird sie nach Zweckmäßigkeit geschrieben.

Europäische Rechtssicherheit gefährdet

Das gewichtigste Argument in Analysen ist nicht die internationale Legalität, sondern das Fruta für den Euro. Wenn eine ausländische Zentralbank die Garantie verliert, dass ihre in Europa hinterlegten Reserven unantastbar sind, verliert das Reservevermögen ein wesentliches Attribut. Der Vergleich, der kursiert, ist unbequem: Das Niveau der Rechtssicherheit würde dem von Volkswirtschaften mit einer Geschichte der Enteignungen entsprechen. Für ein Finanzsystem, das vom Vertrauen lebt, ist dies ein teures Präzedenzbeispiel.

Wer zahlt den Wiederaufbau: Die Debatte, die Brüssel vermeidet

Borrell stellte selbst die Grundfrage: „Wer wird den Wiederaufbau der Ukraine bezahlen?“ Die implizite Antwort lautet: Nicht die europäischen Steuerzahler, zumindest nicht vollständig. Aber die Alternative hat Kosten. Manche argumentieren, dass die Rechnung letztlich bei Unternehmen und Privatpersonen mit Investitionen in Russland läge, die symmetrischen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt wären; das pessimistische Szenario skizziert eine Spirale gegenseitiger Beschlagnahmungen ohne Schiedsinstanz.

Eine Eskalation, die niemand ausschließt

Strategisch dominiert die Ansicht, dass Moskau eine Konfiszierung als formelle Erklärung eines Wirtschaftskrieges werten würde, mit Spielraum für Gegenmaßnahmen gegen westliche Vermögenswerte auf seinem Territorium. Der Vergleich mit der Raketenkrise wird nicht leichtfertig gezogen: Die nukleare Abschreckung wird wieder zum einzigen Argument, das stoppt, was das Recht nicht stoppen kann. Und in diesem Bereich zählt jeder Schritt.

Die Zahl, die irritiert, ist nicht die der 300 Milliarden. Es ist die der 3,5: die afghanischen Millionen, die zur Rechtfertigung des Sprungs dienten. Mit diesem Präzedenzfall hört jede fremde Reserve in Europa auf, eine Einlage zu sein, und wird zu einem Pfand, das auf die Entscheidung wartet, was damit geschehen soll.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (92 Antworten).

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