Bitcoin ist in El Salvador gesetzliches Zahlungsmittel, doch der Markt reagiert kaum
Am 10. Juni 2021 machte ein souveräner Staat Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel. An diesem Tag lag der Preis bei 36.000 Dollar. Die Reaktion des Marktes war verhalten: Wochen später gab es weiterhin Tage mit Einbrüchen von 7% innerhalb einer Stunde, und man diskutierte, wo der Tiefpunkt liegen würde. Die staatliche Einführung hatte begonnen. Der Enthusiasmus nicht.
El Salvador, Taproot und die technischen Details, die kaum jemand diskutiert
Während die Politik die Schlagzeilen bestimmte, lief der technische Zeitplan weiter. Taproot stand kurz vor dem Lock-in, dem Update, das Privatsphäre und Effizienz der Transaktionen verbessert. Dieses Detail – eine Architektur, die ohne Erlaubnis funktioniert – trägt die Kernthese: Ein Vermögenswert, den keine Zentralbank emittieren kann und dessen Angebot auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist.
Das Versprechen ist nicht neu. Neu ist, dass ein Staat es gekauft hat. Die unmittelbare Debatte war juristischer Natur: Wenn Bitcoin in einem souveränen Staat gesetzliches Zahlungsmittel ist, hört er dann buchhalterisch auf, eine ausländische Währung zu sein, oder wird er etwas, das keine Gesetzgebung vorgesehen hat? Niemand hatte die Antwort. Die verbreitetste Idee war eine andere: Dass der erste Staat, der seine Bitcoin-Reserven an eine öffentliche, in Echtzeit überprüfbare Adresse legt, den Rest zwingen wird, ihre Karten offen zu legen. Gold, so hieß es, habe diese Prüfung noch nie bestanden.
Von 60.000 auf 40.000 Dollar: Das Chart widerlegt die Erzählung
Der Markt belohnte diesen Meilenstein nicht. Die diskutierten Niveaus zeigen einen unbequemen Abwärtstrend: Einige gaben zu, bei 60.000 Dollar gekauft zu haben und Trost zu suchen; die kritische Unterstützung lag bei 53.500, mit einem bärischen Ziel bei 49.500. Die pessimistischsten Schätzungen gingen bis auf 31.500–32.000 hinunter. Bei Bitcoin-Kursen um die 40.000 kostete 0,01 BTC — eine Million Satoshis — weniger als 500 Euro.
Daran klammerte sich die andere Hälfte des Arguments: Bitcoin zu kaufen und nicht zu verkaufen war seit seiner Entstehung finanziell eine gewinnbringende Strategie. Die Gegenreaktion kam schnell und mit Sarkasmus: Das wäre auch bei Tulpen, Miró-Gemälden oder jeder im Nachhinein ausgewählten Blase der Fall gewesen. Uneinigkeit bestand nicht über den Preis, sondern darüber, was eigentlich gemessen wird.
Die Inflation, die nicht zum Warenkorb passt
Der wiederholte Vergleich ist einfach: Angesichts eines als geschönt geltenden Preisindexes stellte eine im Thread kursierende Berechnung die reale Inflation seit 2020 auf über 30% fest, in vielen Fällen nahe 40%. Das Kernargument ist nicht statistisch, sondern politisch: Wenn der offizielle CPI zur Lohnverhandlung genutzt wird, bedeutet eine niedrigere Messung eine stille Lohnkürzung. Daher die eher emotionale als mathematische Schlussfolgerung, dass der einzige Ausweg darin besteht, in etwas zu sparen, das nicht gedruckt werden kann. Und daher auch das Unbehagen gegenüber jedem Modell, das zukünftige Preise verspricht: Das viel zitierte Stock-to-Flow-Modell wurde in der Diskussion selbst als das entlarvt, was es ist – eine theoretische Berechnung.
Hacienda und Formular 172: Spaniens steuerliche Überwachung
Während El Salvador Gesetze erließ, verschärfte Spanien die Aufsicht. Die Pflicht, Guthaben in virtuellen Währungen über das Formular 172 zu melden, ließ eine Frage offen, die niemand beantworten konnte: Gilt die Anforderung nur für Verwahrer fremder Schlüssel oder auch für solche, die ihre eigenen bewahren? Die Norm definiere, so wurde angemerkt, „im Ausland befindliche Kryptowährung“ durch Ausschluss, eine Formulierung, die Rechtsunsicherheit erzeugen kann.
Die häufigste optimistische Antwort war, dass ohne Datenmeldung nichts gefordert werden könne: Das Exchange-Konto sei leer, und die Coins lebten auf einer Adresse, die auf keinen Namen registriert sei. Der Gegenschlag hat ein Datum: An dem Tag, an dem eine Million Euro in Fiat ausgezahlt werden, wird jemand Erklärungen verlangen. Mit KYC-Prozeduren weiß oder kann Hacienda wissen, was gekauft wurde und wohin es ging. Es hilft auch nicht, dass laut Thread-Diskussionen Plattformen wie Bitstamp Auszahlungen blockierten, wenn die Herkunft der Gelder nicht dokumentiert war.
Papier-Bitcoin: Börsen und Reserve-Nachweise
Misstrauen gegenüber zentralisierten Plattformen ist der andere rote Faden. Eine stark geteilte Nachricht sprach von 70.000 „Papier“-Bitcoins, die ohne echte Deckung im Umlauf seien, und die implizite Empfehlung war, Münzen von den Börsen abzuziehen. Die offene Frage blieb: Ist es wirklich so lange, einen Reserve-Nachweis zu veröffentlichen?
In der Luft hing auch eine unangenehme Wette darauf, welche große Plattform als nächste wackeln würde. Die angebotenen Zinsen – bis zu 1,5% für Staking bei Binance – nährten den Verdacht, dass dieses Geld nirgends verifizierbar herkam. Am Ende des Zeitraums richteten sich die Zweifel gegen Binance selbst und seinen Token, mit dem Gefühl, dass Bitcoins verkauft wurden, um den Absturz zu bremsen.
Institutionelle Adoption, die außerhalb El Salvadors voranschreitet
Es gab Bewegungen, die niemand bestritt. Grayscale gewann den Prozess gegen die SEC, was als Türöffner für Spot-ETFs auf Bitcoin gelesen wurde. BlackRock tauchte als zweitgrößter Aktionär der vier größten Bitcoin-Mining-Firmen auf, ein Fakt, der ironisch kommentiert wurde: Dieselben, die das Asset jahrelang verachtet hatten, sicherten sich die Infrastruktur.
Die Schweiz erlaubte die Begleichung Verwaltungsgebühren mit Bitcoin. Und El Salvador war, so hieß es, zur weltweit führenden Mining-Nation geworden.
Ethereum und 72% der Blöcke unter Treasury-Kriterien
Eine der unbequemesten Zahlen betrifft den großen Rivalen. Bereits 72% der Ethereum-Blöcke operierten unter Compliance-Kriterien (OFAC) des US-Finanzministeriums, was praktisch Zensur bestimmter Transaktionen bedeutet. Wie im Thread argumentiert wurde, hatte der Wechsel von Proof of Work zu Proof of Stake das Netzwerk binnen weniger Wochen in die Hände von Validatoren gelegt, auf die die USA Druck ausüben können.
Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist für alle unbequem: Die Gunst der SEC gegenüber Proof of Work hat nichts mit Dezentralisierung zu tun, sondern damit, dass ganze Sektoren – von Hardware-Herstellung bis Mining – damit Geld verdienen.
Der digitale Euro und die Adoption von oben
Parallel dazu schloss die EZB ihre Pilotphase für den digitalen Euro ab: fünf Prototypen im sichtbaren Bereich und dahinter das Abwicklungssystem der Zentralbank selbst, ein Detail, das wenige beachteten. Die tiefere Lesart ist, dass die kommende Adoption nicht national, sondern supranational ist. Die Gegenantwort: Jede digitale Zentralbankwährung würde Jahre brauchen, um fehlerfrei ausgerollt zu werden, und wenn sie käme, wäre sie vom Bezahlen mit Karte oder Sofortüberweisung nicht zu unterscheiden.
Eigener Node, Märkte ohne Zwischenhändler und Schlüssel: Das Handbuch zur Selbstverteidigung
Für jene, die Plattformen nicht vertrauen, wiederholt sich das Rezept: Einen eigenen Node betreiben. Wallets, die Dritte-Server abfragen, geben IP-Adressen, Adressen und Guthaben an den ersten Preisgeber preis, und dieser Server kann von einem Hersteller, einer Firma oder einer Agentur stammen. Danach erfolgt der Handel auf dezentralen Märkten wie Bisq oder Hodl Hodl, die Parteien ohne zentralen Vermittler verbinden, oft via TOR. Der Preis dieser Privatsphäre ist die Unbequemlichkeit: Kein Kundenservice und keine Rückabwicklung.
Was ist etwas wert, das von niemandem gedeckt ist?
Die Kernfrage tauchte in einer übertragenen Wirtschaftsdiskussion auf: Wenn Bitcoin eine wunderbare Technologie ist, aber nichts dahinter steht, woher kommt dann sein Wert? Die schärfste Antwort lautet, dass Assets in finanzielle und reale unterteilt sind und dass ein finanzielles Asset immer die Verbindlichkeit eines anderen ist: eine Aktie, eine Einlage, ein Euroschein. Die Deckung ist kein verstecktes Gut im Tresor, sondern das Versprechen, dass jemand zahlen wird.
Unter diesem Blickwinkel ist auch Gold nicht „gedeckt“, und niemand verlangt dafür Erklärungen. Was man jedoch von einer Zentralbank verlangen kann, ist, ihre Reserven in Echtzeit offenzulegen. Hier trennen sich Bitcoin und Gold.
Nach fast zwei Jahren, in denen man sich fragte, ob die Ankündigung El Salvadors der Anfang oder das Ende war, bleibt die Antwort aus. Ein Land hat es adoptiert, ein Gericht öffnete die Tür für ETFs, eine Zentralbank testet ihre eigene digitale Währung und der Preis liegt weiterhin dort, wo er vor all dem stand. Wenn die staatliche Adoption alles ändern sollte, wann genau soll man dann merken?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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