Vom Kurs bei 6.000 Dollar zum gesetzlichen Zahlungsmittel in El Salvador
Bitcoin braucht keinen Glauben; es braucht, dass das System, das es zerstören wollte, es am Ende kauft. Im September 2018 notierte der Preis bei etwa 6.000 Dollar, und die Unterstützer waren eine Handvoll Internet-Nerds. 2021 erklärte ein souveräner Staat Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel und kündigte an, mit Vulkankraft zu minen. Dazwischen stieg der Preis auf 51.000 Dollar, fiel um ein Drittel in einer einzigen Kerze und erholte sich auf 40.000 Dollar. Die Technologie funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Der Kurs schwankte wie eine Wetterfahne im Sturm. Man sollte beides nicht verwechseln.
Nur Bitcoin existiert: Die Doktrin, die alle Abstürze überstand
Die durchgesetzte Position war die kompromissloseste: Nur Bitcoin zählt, alles andere – Ethereum, EOS, Ripple, Shitcoins – ist Betrug oder eine fehlerhafte Kopie des funktionierenden Originals. Das Hauptargument war eine Analogie zum Heimvideo: VHS, Beta und Video 2000 konkurrierten jahrelang, nur eines überlebte. Der Markt belohnt nicht Neuheit, sondern Beständigkeit. Jeder Fehler anderer – Software-Pannen, 51%-Angriffe auf Derivate – diente als Munition gegen Konkurrenzprojekte.
Kritiker konterten mit klassischen Vorwürfen: Energieverbrauch, Langsamkeit und der Verdacht, dass eine Community, die ewige Wertsteigerung verspricht, kein echtes Nutzungsmodell hat. Für sie war Bitcoin ein veralteter Asset , der vom Glauben der Späteinsteiger abhing.
Rechnerisch gaben die Kompromisslosen recht, zumindest relativ. Das Paar Ethereum/Bitcoin stieg von 0,018 im Januar 2017 auf 0,15 beim Allzeithoch jenes Jahres und pendelte sich 2021 wieder um 0,03 ein. Übersetzt: Die zweitgrößte Kryptowährung war im Vergleich zu Bitcoin weniger wert als je zuvor. Ein unbequemes Faktum für jene, die auf den Rest des Marktes gesetzt hatten.
Das Jahr, das niemand vorhersagte, und der Absturz, der auch nicht
Anfang 2021, als Bitcoin nahe 50.000 Dollar notierte, änderte sich der Ton. Es ging nicht mehr darum, ob die Währung etwas taugt, sondern wann man verkauft. Ein Investor fasste die Stimmung treffend zusammen: Wie der Hitzestau im Aufzug Richtung Schlafzimmer, mit dem Risiko, vor dem Allzeithoch stehen zu bleiben. Dazu wuchs die Vermutung, dass das knappe Angebot gegenüber der Nachfrage den Preis weiter treiben würde.
Die Korrektur kam heftig. In wenigen Tagen fiel der Preis von 51.000 auf 25.000 Dollar; eine Kerze löschte 55 bis 60 Prozent des Wertes in einer Woche. Die häufigste Diagnose war ein Auswasch: schmerzhaft, aber nichts Neues. Im Zyklus 2017 lag der maximale Rückgang bei 39 Prozent. Was früher anomal wirkte, begann sich als Muster zu etablieren.
Die technisch populärste Erklärung führte auf neue gehebelte Kontrakte auf XRP, Ether und EOS zurück. Wenn gehebelte Produkte entgleisen – etwa ein Short-Produkt steigt um 40 Prozent statt der erwarteten 24 Prozent –, springt Kapital zwischen Assets und destabilisiert die Bilanzen großer Intermediäre. In einem solchen Fenster verkaufte jemand 13.000 BTC gegen Tether in unter fünf Minuten. Das reichte, um die Stop-Losses des halben Marktes auszulösen.
El Salvador macht Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel
Die Ankündigung folgte mitten im Beben. El Salvador verabschiedete ein Gesetz zur Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel innerhalb von 90 Tagen und wurde so der erste Staat weltweit. Das mittelamerikanische Land, dessen BIP zu fast 20 Prozent aus Überweisungen seiner Emigranten stammt, plante zudem, mit einem Satellitenanbieter die ländlichen Gebiete ans Netz anzuschließen.
Viele Veteranen räumten ein, dass sie sich das nie hätten vorstellen können. Dass Staaten einsteigen würden, war eine theoretische Hypothese; dass dies vor der Genehmigung eines ETFs oder der Adoption durch Tech-Giganten geschah, war unvorstellbar. Die gängige Lesart: Die erwartete US-Dollar-Inflation machte Regierungen nervös.
Der Skeptizismus kam unerwartet von der Logistikseite. In einem Land ohne flächendeckende Mobilfunkabdeckung wirkt der Aufbau eines Lightning-Zahlungsnetzes via Satelliten episch, funktioniert aber schlecht. Die Installationskosten – 500 bis 1.000 Dollar bei einem Durchschnittsgehalt von 380 Dollar – waren das Lieblingsargument der Zweifler. Die Vulkan-Epos, so hieß es, sei eine gute Schlagzeile, aber ein schlechter Rollout-Plan.
China verbietet Mining und das Netzwerk ordnet sich selbst neu
Der zweite große Schock kam aus Peking. Das chinesische Regime verbot Mining, Besitz und Handel von Kryptowährungen, mit Strafen, die laut Berichten bis zu zehn Jahre Haft bedeuten konnten. Für viele war es der lange gefürchtete Schlag.
Entscheidend war nicht das Verbot selbst, sondern seine Wirkung auf das Netzwerk. Das Hauptargument lautete: Bitcoin hängt nicht davon ab, ob ein bestimmtes Land minet. Schalten chinesische Miner ab, belohnt der automatische Schwierigkeitsanpassungsalgorithmus die verbleibenden Miner weltweit. Sofort, so hieß es, werde das Netzwerk dezentraler, die Hashrate verteile sich neu und die chinesische Kontrolle verschwinde. Die Hardware endete jedoch oft als Briefbeschwerer oder Verkaufsware.
BlackRock, Banken und der alte Verdacht: Wer besitzt Bitcoin, wenn sie einsteigen?
In Wall Street drehte sich die Debatte unerwartet. BlackRocks CEO soll laut Berichten gesagt haben, Bitcoin könnte Gold ersetzen und Kryptowährungen seien gekommen, um zu bleiben. Dass dieselben Finanzakteure, die das Kapital kontrollieren, nun kauften, spaltete die Befürworter in zwei unversöhnliche Lager.
Für manche war es die ultimative Validierung: Institutionelles Geld macht aus einer Kuriosität eine Anlageklasse. Für andere war es die Warnung vor einer Konzentration in vier Händen, genau wie bei Gold oder Immobilien. Die ursprüngliche Verteilung, bei der fast 90 Prozent der Coins bereits gemined waren, hinderte nicht an dieser Akkumulation. Durch massiven Kauf, erinnerten Kritiker, lässt sich der gesamte Bestand erwerben, nicht nur neue Coins.
Investoren-Moment: Durchhalten, Reue und Lebensstil-Anpassung
Der menschlichste Teil dieses Archivs sind die Reuegeschichten. Eine Frau erzählte, sie habe ihren Bitcoin im Frühling 2016 gekauft und in einer Paper Wallet verwahrt. Sie behielt ihn einfach, fern vom Rauschen, ohne Verkaufsabsicht. Am anderen Ende stand jemand, der seine Schwester überzeugt hatte, vier Bitcoins zu je 250 Euro zu kaufen, nur um zuzusehen, wie sie sie zwei Jahre später für Möbel und „Quatsch“ ausgab. Die Schwester weinte jetzt, während er keinen einzigen Satoshi angefasst hatte.
Ein anderer gab zu, blind investiert zu haben, besessen vom perfekten Timing gewesen zu sein und Wochenenden mit Preisalarmen verbracht zu haben, schlecht schlafend. Sein Fazit war eine alte Maxime: Investiere nicht in Dinge, die du nicht verstehst. Ein Dritter ergänzte den entscheidenden Punkt: Wer gibt einen Bitcoin für Konsumgüter aus, obwohl er weiß, dass er steigt? Die Antwort: Manchmal wollen wir auch unser Leben aufwerten.
Proof of Work vs. Proof of Stake und das kommende Taproot
Die technische Debatte hatte ihre eigene Ecke. Gegenüber Proof-of-Stake-Systemen argumentierten PoW-Verteidiger, dass Mining neue Münzen verteilt, weil Miner Stromrechnungen bezahlen müssen. Bei PoS gewinnt dagegen, wer viel hat, ohne Anreiz zur Verteilung, was Kapital konzentriert. Ihr Schluss: Sicherheit, Dezentralisierung und Verteilung werden durch PoW besser gewährleistet.
Und da war Taproot. Das Update, unterstützt von über 90 Prozent der Hashrate, galt als eigentliche Nachricht hinter dem Preisrauschen. Es verbesserte Privatsphäre und Transaktionseffizienz. Für Veteranen war es die Erinnerung daran, dass Kurse Lärm machen, Code aber Geschichte schreibt.
Trotz dieser Differenzen hätte Bitcoin längst zum Alltagsgeld werden sollen. Zyklen wiederholen sich mit neuen Akteuren und Preisen, und niemand weiß, ob der nächste Höchststand im Herbst kommt oder erst nach einem weiteren Marktbeben. Die einzige ehrliche Prognose lautet: Es wird wieder passieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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