Altcoin-Spekulation: Von Gottgefühlen zu 80% Verlust
Der Kryptomarkt verlor innerhalb weniger Minuten 15 Milliarden Dollar. In diesem Moment überstieg das 24-Stunden-Handelsvolumen von Tether – 11,212 Milliarden – das von Bitcoin (10,582 Milliarden). Ein Instrument, geschaffen als Dollar-Spiegel, bewegte mehr Geld als Bitcoin selbst. Niemand konnte es erklären. Auch wollte niemand hinschauen. Fünf Jahre später prägt die Nachwehe dieser Euphorie noch immer die Stimmung aller, die nahe am Hochpunkt gekauft haben.
Ein Markt, der mehr Geld bewegt als Bitcoin
Der Ausgangspunkt der Debatte ist eine unbequeme Zahl: Am 1. Januar 2017 waren 10 Millionen Tether im Umlauf, bei einem Bitcoin-Kurs um 1.000 Dollar. Heute sind es 4,15 Milliarden. Für einen Teil des Marktes liegt hier der wahre Ursprung der Preise: nach Belieben emittierte Liquidität, die die BTC/USDT-Paare aufbläst und damit alles, was daran hängt. Der Verdacht wächst, wenn man sieht, dass das wichtigste BTC/USD-Paar nur auf Platz 18 der Volumen-Rankings steht: Davor liegen 17 Märkte, die gegen ein Token handeln, das vorgibt, Dollar zu sein, ohne es ganz zu sein. Es riecht faul, fasst die bitterste Lesart zusammen. Und dies ist keine Randmeinung: Mitten im 15-Milliarden-Dollar-Crash fragten manche, ohne Ironie, ob jemand verstehe, was sie sehen.
Vom Olymp in den Schlamm in einem Jahr
Der Anfang dieser Geschichte ist ein Absturz. Ein Markt, der sich Ende 2017 einer Gesamtkapitalisierung von 290 Milliarden Dollar näherte, blutete Monate später aus; im tiefsten Punkt notierte Ethereum bei 85 Dollar. Die Nachwehe erwischte jene, die nahe am Maximum eingestiegen waren. Wie ein anderer Forennutzer erinnerte, hatte ein Investor 200.000 Euro investiert, als Bitcoin bei 15.000 Dollar stand, verteilt auf Dutzende Projekte; er gab später zu, 80% seiner Ersparnisse verloren zu haben, und beschloss, nicht zu verkaufen. „Ich bleibe bis zum Schluss“. Diese Zahl allein resümiert einen ganzen Zyklus. Eine kleinere, aber ebenso beredte Episode war der Verlust von 498 Golem-Token – damals zehn Cent wert – mitten im Fall. Die Demütigung kam nicht durch die Menge, sondern durch den Zeitpunkt.
Diese Monate zu überstehen erforderte ein hohes Maß an Selbstbetrug, und der Markt lieferte ihn: Die Regel Nummer eins des bedingungslosen Haltens besagte, dass wer ausharrt, am Ende gewinnt. Auf lange Sicht sind alle kahl.
Die Siebung der Entwickler
Wenn das Geld abfließt, zeigt sich, wer wirklich baut. Mitten im Crash kündigte eine der wichtigsten Entwicklungsgruppen einer etablierten Blockchain ihre Einstellung an: Bei gesunkenem Markt konnte sie sich nicht finanzieren. Bemerkenswert war, dass ihr Kurs kaum reagierte, obwohl ein Absturz logisch gewesen wäre. Das Ereignis diente dazu, die These zu formulieren, die den gesamten Winter prägen sollte: Sieben schieben das Unhaltbare aus dem Markt. Die Dinosaurier waren zu groß und ineffizient.
Ein Bericht über die Entwicklungstätigkeit in öffentlichen Repositories bestätigte dies später: Programmierer konzentrierten sich auf wenige große Projekte, während Tausende von ICO-fiebergeborenen Tokens ohne Team zurückblieben. Für viele wurde diese Diagnose zum einzigen zuverlässigen Kompass: Statt dem Preis zu folgen, folgte man dem Code. Wo Menschen programmieren, gibt es ein Projekt. Wo nur Graphik ist, ist Rauch.
PoW vs. PoS: Der technische Krieg, den keiner löst
Der Winter hinterließ auch Salonkriege. Einer der hitzigsten war der zwischen Proof of Work und Proof of Stake. Eine Seite argumentierte, dass ein Angriff auf ein Staking-System nichts kostet, da das Kapital, das das Netzwerk kontrolliert, auch für den Angriff genutzt werden kann. Die andere Seite entgegnete, dass es nicht gratis sei: Den Großteil des Tokens zu besitzen erfordert enorme Ausgaben, und nach einem erfolgreichen Angriff tendiert der Vermögenswert gegen Null, wodurch der Angreifer sich selbst ruiniert. Die Diskussion, für Laien byzantinisch, endete immer am selben Punkt: Einige verteidigten die Energiekosten als Garantie, andere ein Vertrauenssystem, das nicht kaufbar ist. Man nahm es so ernst, dass Bitcoin als Staking-Protokoll bezeichnet wurde, ohne dass jemand beim Widerspruch zögerte.
Der Reset der Pandemie
Im März 2020 kam der externe Schock. Während traditionelle Märkte abstürzten, spaltete sich die Debatte: Wer sah in der Krise das ultimative Argument für Kryptoassets, wer warnte, dass in einer Katastrophe nur das Bargeld zählt, das man in der Hand hält. Die verfügbaren Daten deuteten auf Letzteres hin: Kunstauktionen fielen um 20%, Luxusauto-Auktionen fast um 40%, ein Zeichen dafür, dass große Vermögen sich zurückzogen und Liquidität anhäuften. Kurz danach kehrte dieses Kapital wieder auf die Jagd zurück.
Die Reaktion der Zentralbanken – Zinsen bei null, massenhafte Liquidität, digitale Währungen in Schweden und einem halben Dutzend Ländern in Prüfung – gab schließlich Ersteren recht, wenn auch aus Gründen, die wenig mit Dezentralisierung zu tun hatten. Billiges Geld suchte jedes Versteck mit Volatilität. Es war kein ideologischer Sieg. Es war, erneut, eine Frage offener Hähne.
2021: Dieselbe Geschichte mit anderen Namen
Die Rückkehr war schwindelerregend und selektiv. Während Bitcoin und Ethereum sich mit der Bedächtigkeit zweier bereits reifer Assets bewegten, explodierten konkrete Namen: Chainlink markierte ein Allzeithoch, Cardano flackerte auf, XRP verdoppelte seinen Wert in weniger als einer Woche, während Litecoin, YFI und Dash in wenigen Tagen über 50% stiegen. An einem einzigen Tag stieg Ripple um 25% gegenüber 4% bei Bitcoin. Die Rotation hin zu Infrastrukturprojekten – Zahlungen, Orakel, Layer 2 – ersetzte den projektefreien Gewinnrausch von 2017.
Die schwebende Frage war immer dieselbe: Trendwechsel oder Bull Trap? Mit fahrendem Zug einzusteigen und binnen Stunden einen 20%-Abschlag zu kassieren, war eine keineswegs theoretische Möglichkeit. Der Markt, sagten die Erfahrenen, wirft jeden raus, der nicht wachsam ist oder nicht jahrelang halten kann. Und Halten, mit 80% des Vermögens im Minus, ist leichter geschrieben als getan.
Bakkt und der Eintritt institutionellen Kapitals
Das Kommen des seriösen Kapitals brachte seine eigene Paradoxie. Die Plattform Bakkt plante Futures auf Bitcoin, Tron und Ripple zu launchen, und ein Teil des Marktes feierte dies als großen Durchbruch. Andere warnten vor dem Gegenteil: Dass Kryptowährungen, die dort gehandelt werden, preisfixiert und einem Fractional-Reserve-Modell unterworfen würden.
Die Überlegung war nicht geringfügig. Das Produkt braucht Käufer, und um sie anzuziehen, muss es attraktiv gemacht werden, was praktisch einen Aufwärtsdruck vor dem Start suggerierte. Unterdessen verschob die US-Börsenaufsicht SEC ihre Entscheidung über den VanEck-ETF auf den 27. Februar: Die Peitsche und Karotte, die sich seit einem Jahr wiederholten, ohne dass jemand wusste, wann die Schnur reißen würde.
Das sich wiederholende Muster
An diesem Punkt hat der Markt mehrere Diagnosen auf den Tisch gelegt. Eine besagt, dass der Anstieg von Börsen getragen wird, die Tonnen von USDT horten, und dass Volatilitätsphasen neues Fiat-Geld ins System locken sollen: Man treibt künstlich auf 13.000 Dollar, lässt auf 10.000 fallen, damit es billig wirkt, und echtes Kapital tropft langsam herein. Eine andere erinnert daran, dass die meisten Kryptos näher an den Jahrestiefs als an den Höchstständen liegen und die Volumina nur Rauch sind. Eine dritte stellt fest, dass dies das Reise-Spiel ist und es gerade fünf Stühle für zehn Spieler gibt.
Das Grundproblem ist nicht die Volatilität. Es ist, dass dieselbe Industrie, die Nützlichkeit versprach, sich weiterhin am schnellen Gewinn misst. Ein Projekt, so die Erzählung eines Forennutzers, gab nach Jahren des Gegenteils zu, dass seine Kunden in Dollar zahlen, nicht in ihrem eigenen Token. Das bricht das Vertrauen mehr als jeder Crash. Denn ein Crash erholt sich. Ein gebrochenes Versprechen nicht.
Mit Chainlink auf Hochs, Cardano in Flammen und einer Handvoll neuer Namen, die drängen, ist das Déjà-vu schwer zu vermeiden. Dieselben Reden, dieselben Graphiken, dieselben Versprechen von Massenadoption. Der einzige echte Unterschied ist, dass jetzt weniger intelligentes Geld im Spiel ist und mehr institutionelle Liquidität draußen wartet. Wie oft kann sich der Zyklus wiederholen, bevor jemand lernt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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