Casio Kultuhren: Poker, Fernbedienung und 25 Euro

Die günstigsten Casio-Uhren sind zu Kultobjekten geworden: Poker am Handgelenk, TV-Fernbedienung und jahrelange Batterielaufzeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Casio Kultuhren: Poker, Fernbedienung und 25 Euro
Der Kult um Vintage-Casios: Poker am Handgelenk und jahrelange Akkulaufzeit

Ein Forum-Nutzer berichtete, dass er drei Jahre lang eine digitale Plastikuhr im Garten seiner Großmutter vermisst hatte. Als sie wieder auftauchte, funktionierte sie noch immer: Lediglich die Uhrzeit war durch die Zeitumstellung verstellt. Diese Anekdote verdeutlicht, warum die günstigsten Casio-Uhren Jahrzehnte nach ihrer Produktion zu Kultobjekten geworden sind. Sie sind weder mechanisch noch teuer und haben keinen Erbwert. Dennoch hortet mancher einige davon im Schublade, während andere für ein abgesetztes Modell mehr zahlen als den ursprünglichen Neupreis.

Das gesamte Phänomen ordnet sich laut Enthusiasten um einen Kernwert: das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn jemand eine einfache Casio ausprobiert und feststellt, dass sie jahrelang hält und nur wenige Sekunden pro Monat abweicht, greifen viele – so heißt es – direkt zur nächsten. Es ist der Einstieg in ein Hobby, das mit zwanzig Euro beginnt.

Der F-91W: Die Uhr, die man besitzen muss

Längst ist der F-91W nicht mehr nur eine Uhr, sondern eine Pflichtübung. Manche behaupten, man müsse unbedingt eine haben, woraufhin die Eskalation beginnt: 50 Meter Wasserdichtigkeit, 100, 200, Countdown-Timer, fünf Alarme, Solarantrieb, Funksteuerung, G-Shock, Dreifachsensor. Diese Abfolge wiederholt sich so oft, dass sie bereits als Initiationsritus fungiert.

Nicht alle teilen diese Begeisterung. Es gibt eine Strömung, die den Kult um den F-91W nicht versteht: Jene, die ihn jahrelang trugen und aufgaben, sobald sie ein Handy mit Timer hatten, weil sie die Sanduhr-Funktion weiter nutzen wollten. Viele dieser Geräte landen schließlich ungenutzt in einer Schublade, ohne dass jemand sie zum Recyclinghof bringt. Das Objekt der Verehrung und der vergessene Krimskrams sind verdächtig oft dasselbe Modell.

Casios, die Poker spielten und den Fernseher ausschalteten

Was fasziniert, ist nicht nur der Preis. Es ist die Tatsache, dass die Marke jahrzehntelang absurde Funktionen in ein Harzgehäuse integrierte. Ein Modell, der GC-10W, ermöglichte es, direkt an der Uhr Poker zu spielen: schmal, schlichtes Design, mit diesem minimalistischen Vintage-Appeal. Ein anderes, der CyberMax JG 300, hatte einen Beschleunigungssensor zur Messung der Schlagkraft. Und ein dritter, der JC-11, fungierte als Schrittzähler und zwang dazu, die Schritte dem Rhythmus von Pieptönen anzupassen.

Am meisten gefeiert wurde wegen des praktischen Nutzens die Fernbedienung. Der Wrist Remote Controller erlaubte es, den Fernseher in einer Bar mitten im Spiel auszuschalten, wobei der Bildschirm vor allgemeiner Verblüffung schwarz wurde. Eine Nutzung, die sich in Schulen wiederholte, wenn jemand den Projektor abschaltete oder Folien in einer Präsentation beschleunigte. Der TC500, eine Taschenrechner-Uhr mit Touchscreen aus den Achtzigern – zwanzig Jahre vor dem ersten iPhone –, rundete das Sortiment kuriosester Gadgets ab.

Was kostet eine Casio: Von 16 bis 150 Euro

Der wirtschaftliche Reiz bleibt intakt. Die Preise innerhalb der Community reichen von 16 Euro für eine bei eBay gekaufte A158 bis zu 140–150 Euro für eine WVQ-110TDE aus Titan, solarbetrieben und funkgesteuert. Dazwischen liegen eine Marlin MDV-106 für 48 Euro oder der Data Bank Rechner für 34 Euro. Die MRW-200H, eine der häufigsten Uhren für die Arbeit, bewegt sich je nach Juwelier zwischen 23 und 28 Euro.

Die Betrachtung beschränkt sich nicht nur auf Einsparungen. Der Vergleich mit einer Smartwatch ist unvermeidlich: Eine Casio hält jahrelang ohne Laden durch, während eine intelligente Uhr regelmäßig ans Kabel muss. Diese Lücke – Akku gegen Akku – trägt das Argument gegen geplante Obsoleszenz.

Warum die 50-Meter-Wasserdichtigkeit nicht zum Schwimmen reicht

Weil diese Zahl nicht bedeutet, was sie scheint. Die angegebene Tiefenresistenz bezieht sich auf statischen Druck bei einer neuen Uhr. Beim Schwimmen entstehen jedoch deutlich höhere Drücke, daher sollte keine Uhr unter 100 Metern ins Wasser genommen oder zum Schwimmen genutzt werden. Für Tauchgänge sind sehr spezifische Modelle erforderlich.

Im Thread tauchte ein konkreter Fall auf: Ein Nutzer erinnerte sich, dass seine Digitaluhr mit Radio (die zwei Batterien hatte, eine fürs Radio) aufhörte zu funktionieren, nachdem sie versehentlich eingetaucht wurde. Mit 100 Metern kann man sich die Hände waschen, ohne sie abzulegen, und im Sommer ein paar Bahnen schwimmen. Unterhalb dieses Wertes dringt Feuchtigkeit ein.

Marlin, G-Shock und das Problem der Vintage-Preise

Gegenüber den Plastikmodellen fordert ein Teil der Community jene, die nicht wie Spielzeug wirken. Die Marlin mit ihrem Taucher-Look hat treue Anhänger: Wer sie trägt, berichtet von einem Stoß gegen eine Tischkante, der andere Gläser zersplittert hätte, während die Uhr nichts bemerkte. Ihr einziger Nachteil, fügt hinzu, sei die Leuchtbeschichtung, die im Vergleich zu Seiko schwach sei. Der G-Shock 5600 ist für einen anderen Nutzer die langlebigste Casio und wird vermisst.

Das Problem entsteht, wenn die Uhr alt ist. Ein Moon Graph, dessen Komet über das Display wandert, findet sich heute auf eBay und ähnlichen Plattformen zu Rolex-Preisen. Wer sie in jungen Jahren besaß, versteht nicht, wie seine schönste Uhr zum Spekulationsobjekt wurde. Nostalgie hat einen Tarif, und er ist nicht billig.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver