Carrefour und Alcampo im Sinkflug: Der Hypermarkt füllt den Wagen nicht mehr
Das Ende hat eine klare Richtung. Alcampo schließt Filialen in der Plaza del Toro de Tres Cantos, Leganés, Móstoles und San Fernando de Henares sowie in Zamora, La Coruña, Burgos, León, Navarra, Álava und Vizcaya: insgesamt 16 Standorte und ein Stellenabbau von rund 600 Mitarbeitern. Dies ist die sichtbare Seite eines Problems, das sich besser in den Daten zeigt. Die französische Kette verzeichnet ihren niedrigsten historischen Marktanteil von 2,8%, nach einem Verlust von 0,3 Punkten. Carrefour, der zweitgrößte Lebensmittelhändler Spaniens, verliert einen vollen Prozentpunkt in den ersten acht Monaten des Jahres und liegt bei 9%. Keiner der beiden kann den Abwärtstrend stoppen.
Welchen Marktanteil haben Carrefour und Alcampo?
Carrefour liegt bei 9%, noch vor Alcampo (2,8%) und nur hinter Mercadona. Das Problem ist nicht der Rangplatz, sondern die Tendenz. Im März 2024 erreichte das Unternehmen seinen Höchststand von 10,4% und fiel seitdem kontinuierlich zurück. Die Diagnose von Bernardo Rodilla, Retail Client Director bei Kantar, ist eindeutig: „Carrefour wird stark durch das Hypermarkt-Segment belastet.“ Er fügt hinzu: „Es verliert Kunden und kann dies nicht durch den Nahversorgungs-Kanal kompensieren.“
Der Schwenk zu kleineren Läden hat wenig gebracht. Das Unternehmen betreibt 1.100 Carrefour Express-Filialen, plant dieses Jahr über 100 Neueröffnungen und wird die Marke von 1.600 Stores überschreiten, inklusive Experimenten wie dem Supermarkt in der Metro Madrid oder am Flughafen El Prat. Auch die Eigenmarke, die an Bedeutung gewinnt, bewegt die Nadel kaum. Der Ballast bleibt derselbe: 204 Hypermärkte, gestützt auf ein Format, das 1973 genau hier, in El Prat de Llobregat, nach Spanien kam.
Auto, Parkplatz und die 15-Minuten-Stadt
Die häufigste Erklärung liegt nicht im Regal, sondern auf dem Parkplatz. Der Hypermarkt wurde für Familien mit Auto konzipiert, die monatliche Großeinkäufe tätigten. Kritiker argumentieren, dass dieser Kundentyp verschwindet: Immer weniger Menschen fahren Auto, große Einkäufe werden online getätigt, und das private Fahrzeug steht unter Druck durch Umweltzonen, Steuern und hohe Anschaffungskosten. In diesem Szenario gewinnt der Stadtteil-Laden deutlich gegenüber der Halle am Stadtrand, zu der man hinfahren, weit entfernt parken und lange Gänge durchqueren muss.
Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass viele Alcampo- und Carrefour-Filialen in Madrid gut angebunden sind und von Wohngebieten umgeben sind, sodass der Einbruch nicht allein durch Stadtplanung erklärt werden kann. Das Format funktioniert dort, wo der Warenkorb groß und das Sortiment breit ist: mehr Marken, mehr Aktionen, mehr Lagerkapazität.
Warum Mercadona wächst, während der Hypermarkt schrumpft
Die Paradoxie des Marktführers bleibt ungelöst. Mercadona wirbt kaum, beschränkt die Auswahl auf seine Eigenmarken, ist nicht billig und hat dennoch volle Läden. Die gängigste Deutung ist Bequemlichkeit: Reingehen, greifen, rausgehen, ohne 200 Meter Ganglänge für die Wahl von Nudeln zu durchlaufen. Die Gegenposition betont die Produkttreue: Fünfzehn Artikel, die anderswo nicht in Preis und Qualität verfügbar sind, und danach entscheidet man, wo der Rest gekauft wird.
Der Nebeneffekt ist ein immer schmalerer Warenkorb. Das Nahversorgungs-Modell funktioniert für Kunden, die zwei- bis dreimal pro Woche zu Fuß kommen, nicht für jene, die den Kofferraum füllen müssen. Das lässt den Hypermarkt um einen Kunden konkurrieren, der fast nicht mehr existiert.
Alcampo und die 223 Dia-Filialen, die er nicht nutzen konnte
Der Fall Alcampo ist der eklatanteste. Das Unternehmen kaufte 2023 223 Filialen von Dia und konnte sie nicht in Marktanteile umwandeln. Das Ergebnis ist der Stellenabbau mit etwa 600 Betroffenen und die Schließung von 16 Standorten, plus die Ankündigung, die Verkaufsfläche in einigen seiner 80 großen Märkte zu reduzieren. Rodilla fasst es nüchtern zusammen: Flächenabbau führt zu Marktanteilsverlust, und die Entwicklung „wird davon abhängen, was mit dem Hypermarkt-Kanal passiert“.
Wer mit demselben Format wächst
Nicht der Hypermarkt an sich stirbt aus, sondern der von Carrefour und Alcampo. Eroski hat Marktanteile gewonnen, und Family Cash setzt weiterhin erfolgreich auf Großflächen. Parallel dazu haben Kurzsortimenter wie Lidl, Aldi und Mercadona selbst die Einkäufe übernommen, die früher in einem Rutsch erledigt wurden. Supeco, Carrefours Discount-Marke, frisst zudem vom eigenen Hypermarkt-Geschäft.
Die Ironie schließt den Kreis: Die Kette, die das Format 1973 nach Spanien brachte, hält an 204 Hallen fest, während der Durchschnittskunde in die entgegengesetzte Richtung geht. Der Einkaufswagen ist klein geworden. Der Hypermarkt nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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