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Bukele: Von Banden zu Ermittlungen gegen Ex-Präsidenten
Die salvadorianische Staatsanwaltschaft beschlagnahmte 2023 Vermögenswerte des Ex-Präsidenten Alfredo Cristiani. Bukeles Fokus verschob sich von den Maras zur Korruption.
Bukele verschiebt den Fokus von den Maras auf Ex-Präsidenten
Die salvadorianische Staatsanwaltschaft richtet ihr Augenmerk auf die Immobilien eines ehemaligen Präsidenten. Am 2. Juni 2023 ist das Ziel nicht mehr tätowiert, sondern trägt Anzug. Alfredo Cristiani, der ehemalige Präsident des Landes, gerät ins Visier, als die Generalstaatsanwaltschaft der Republik (Fiscalía General de la República) seine Vermögenswerte beschlagnahmt, wie aus veröffentlichten Berichten hervorgeht. Damit stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn Nayib Bukele in der Lage war, die Banden zu zerschlagen, warum sollte er dann nicht jetzt auch die weiße Kragenkriminalität bekämpfen?
Was als Kampf um Sicherheit begann, hat sich zu etwas Komplexerem entwickelt. Die Säuberung des Landes scheint weder kostenlos noch uneigennützig oder endgültig zu sein.
Von 260 auf 44 Gemeinden: Bukeles andere Umgestaltung
Bukele hat nicht nur das Verbrechen angepackt. Die administrative Neuordnung, die 260 Gemeinden auf 44 reduziert hat, ist die andere Seite des Projekts: weniger lokale Strukturen, weniger Vermittler, weniger territoriale Machtzentren fernab der Präsidentschaft. Manche lesen dies als reine Effizienz. Andere sehen darin ein Zeichen dafür, dass das Modell zu viel Macht in einer einzigen Figur konzentriert.
Vor Ort ist die Wahrnehmung schwer zu bestreiten. Man kann auf die Straße gehen, das Geschäft öffnen oder einkaufen, ohne Angst vor Schüssen zu haben. Wenn dies erfüllt wird, wiegen andere Vorwürfe weniger schwer. „Auch wenn es ein Kollateralschaden ist, mir reicht es“, fasst die Haltung derer zusammen, die das Land bereits als verloren galten.
Die Sicherheit, die das Leben auf der Straße verändert hat
Jahrzehntelang war El Salvador Synonym für Erpressung, Entführung und von Banden kontrollierte Viertel. Die vorherrschende These besagt, dass die Menschen heute Parks nutzen und Geschäfte ohne Eskorte öffnen können. Befürworter des Modells sagen es unverblümt: Dass es kurz dauert, ist schon mehr, als sie je hatten, und wenn es lange dauert, umso besser.
Das Argument stützt sich nicht auf Sympathie für die Person, sondern auf das Ergebnis. Niemand bestreitet, dass die ungezügelte Kriminalität einen großen Teil der Bevölkerung in abgrundtiefer Armut hielt. Die Zweifel sind anderer Natur: Wie viel dieses Erfolgs ist reversibel?
Und wenn der saubere Platz einem anderen gehört?
Hier kommt die zynischste und zugleich am häufigsten wiederholte Lesart ins Spiel. Es wird argumentiert, dass die USA stets Interesse daran hatten, das Feld sauber zu halten, um ihre Geschäfte zu platzieren, und dass Zentralamerika ein Territorium ist, in dem man keinen Serviettenwechsel ohne Erlaubnis des großen Bruders vornimmt. Nach dieser Logik wäre Bukele kein ethischer Reformer, sondern ein effizienter Manager der Säuberung.
Die unbequemste Hypothese geht einen Schritt weiter: Dass die Maras verdrängt wurden, um Platz für andere Akteure der organisierten Kriminalität zu machen. Dies ist ein Verdacht, keine bewiesene Tatsache, und so sollte man damit umgehen. Aber es kursiert, und manche finden darin durchaus Sinn.
El Salvador hat keine eigene Währung: Dollar, Bitcoin und Schulden
Die salvadorianische Wirtschaft fügt eine weitere Ebene der Besonderheit hinzu. Das Land hat keine eigene Währung: die gültige Währung ist der US-Dollar. Auf dieser Grundlage wird die Entscheidung für Bitcoin als offizielle Währung in zwei Richtungen gelesen: als Laborexperiment und als Versuch finanzieller Ingenieurskunst.
Als Washington die Kreditversorgung kappte, lautet die verbreitete Version, dass Bukele an Chinas Tür klopfte und diese öffnete. Chinesische Kredite werden in Millionenhöhe beziffert und kommen laut der offiziellen Darstellung wie Geschenke daher. Der Vergleich mit anderen Populisten der Region taucht genau hier auf.
Korruption: Die weiterhin offene Front
Der Sprung von den Banden zur weißen Kragenkriminalität gibt dem Thema seinen Titel. Die Beschlagnahme von Immobilien eines untersuchten Ex-Präsidenten ist für viele in ihren eigenen Ländern undenkbar. Die Frage ist, wie weit die Reichweite geht und was passiert, wenn das Ziel teure Anwälte und Freunde im Ausland hat.
Mit diesen Zutaten ist das Land zu einem unbequemen Spiegelbild geworden. Und es gibt ein Detail, das niemand ganz einordnen kann: Der Staat, der die meisten Schlagzeilen wegen seiner Souveränität macht, kontrolliert nicht seine Geldpolitik.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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