Börsensimulator: 100.000 € virtuell gegen reale Verluste

Ein Börsensimulator mit 100.000 € virtuellem Kapital zog viele Anfänger an: Einer erzielte +45 % in zwei Tagen, ein anderer verlor 40 % in einer Woche.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Börsensimulator: 100.000 € virtuell gegen reale Verluste
Der Börsensimulator, bei dem 100.000 € virtuell schmerzhaft real wirkten

Ohne echtes Geld zu riskieren ist die beste bekannte Methode, das Investieren an der Börse zu lernen. Auf dieser Prämisse basierte Ende 2010 eine Challenge unter Marktenthusiasten: Eine Plattform für Börsensimulationen, ein Konto pro Person mit 100.000 € virtuellem Kapital und eine einfache Frage – wer hat am Ende mehr Geld, wenn die Uhr abläuft? Vier Monate später war die Antwort ernüchternd: Kaum jemand stand besser da als am Anfang, und jene, die es taten, mussten sich durch Schrecksekunden kämpfen. Das finale Ranking konnte nicht einmal präzise abgeschlossen werden.

Die Challenge, die mit «Ich habe keine Ahnung von der Börse» begann

Die ersten Nachrichten des Experiments waren entwaffnend ehrlich. Dutzende Menschen nahmen an der Challenge teil und gaben zu, dass sie einen Market-Order-Auftrag nicht von einem Indexfonds unterscheiden konnten, motiviert durch die Idee, ohne Gehaltseinbußen zu lernen. Die Plattform gab ihnen den Namen, den Nickname und das Startkapital; danach musste jeder selbst zurechtkommen.

Der Tonfall beim Start war halb feierlich, halb resigniert. Manche scherzten darüber, wie ein Broker aus dem Jahr 1929 bankrott zu gehen, andere meldeten sich einfach an, um zu sehen, was passiert. Die einzige auferlegte Regel war die Ausgangslage: 100.000 € für alle, und dann möge derjenige gewinnen, der am meisten weiß oder am meisten wagt.

SOS Cuétara und der Reis, der an einem Tag um 17,56 % stieg

Eine der ersten Überraschungen der Challenge kam nicht von einem großen Tech-Konzern oder einer Bank, sondern von einem Reishersteller. SOS Cuétara stieg an einem einzigen Handelstag um 17,56 % und kumulierten 45 % in nur zwei Tagen – ein Anstieg, der jeden mit einem halbfertigen Konto glauben lässt, er sei Warren Buffett.

Veteranen auf der Plattform mussten daran erinnern, dass genau das vermieden werden sollte: einen punktuellen Anstieg mit einer Strategie zu verwechseln. Am nächsten Tag war die Begeisterung bereits verflogen. Die Lektion der Woche war klar: Der Markt verteilt keine Preise dafür, dass man 24 Stunden lang zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Von +32 % auf -14 %: Die Volatilität, die Konten löscht

Der IBEX 35 bewegte sich damals zwischen Widerständen, die alle auswendig kannten: 10.200, 10.000 und 10.800 Punkte. Jede Ankündigung der EZB löschte Peitschenhiebe in den Indizes aus, die die Positionen der Hebelnutzer sprengten. Ein Teilnehmer, der einen Tag zuvor noch ein +32 % im grünen Bereich hatte, erwachte am nächsten Morgen mit einem -14 % im roten Bereich. Ohne etwas berührt zu haben.

Ein Großteil der Mitte der Challenge bestand aus Versuchen, diese Achterbahnfahrt zu erklären. Manche gaben der fehlenden klaren Trendrichtung die Schuld, andere verwiesen auf zu eng gesetzte Stop-Loss-Orders, und wieder andere gestanden einfach ein, dass der Simulator keine Gnade kennt. Volatilität, sagten einige, sei das, was einen Hobby-Anleger von einem Investor unterscheidet.

Warum verzerren Gebühren das Ergebnis der Challenge?

Einer der am heftigsten diskutierten Punkte war technisch und etwas trickreich. In der Challenge wurden die Gebühren nicht vom Ergebnis abgezogen: Sie wurden zum Kapital addiert, wenn die Rendite berechnet wurde. Der Effekt war pervers. Teilnehmer mit vielen Transaktionen häuften Kosten an... die aber im Ranking zu ihren Gunsten gewertet wurden.

Manche kritisierten die Ungereimtheit, andere nahmen es mit Humor und forderten einen Parallelpreis dafür, dass sie mehr Gebühren gezahlt hätten als alle anderen. Für jene, die begannen, über echte Trades nachzudenken, war dieser Widerspruch die erste gewichtige Lektion: An der Börse täuscht das, was du an Kosten zahlst, niemanden außer deinem eigenen Konto.

Gehebelt mit CFDs und stillsitzen mit verschränkten Armen

Die Challenge zeichnete zwei gegensätzliche Strategien. Eine Minderheit, aber lautstarke Gruppe, stürzte sich auf CFDs – Differenzkontrakte, mit denen Positionen gehebelt werden können, ohne den vollen Wert abzudecken –, indem sie auf fallende Kurse des spanischen Aktienmarkts oder auf bestimmte Tech-Werte setzten. Das Risiko, das sie eingingen, war offensichtlich und bekannt.

Die andere Gruppe tat genau das Gegenteil: keinen Finger rühren. Manche ließen ihr Portfolio vom ersten Tag an eingefroren, andere gaben zu, dass sie Verlustpositionen hielten, weil sie glaubten, dass es nur noch bergauf gehen konnte. Die endgültige Bilanz war kurios: Die Aktiven fraßen Volatilität und Gebühren, während die Passiven durch Trägheit gerettet wurden.

Das Ranking, das wegen Serverproblemen niemand abschließen konnte

Gegen Ende des Experiments fiel der Server der Plattform aus. Ein ganzes Wochenende lang. Als er zurückkam, waren Trades verschwunden, geschlossene Positionen wiederbelebt worden und die Ranglisten passten zu nichts mehr. Ein Teilnehmer, der am Dienstag noch mit einem +31 % prahlte, fand sich am Donnerstag mit einem -16 % wieder, ohne eine einzige Operation durchgeführt zu haben.

Die Organisatoren mussten zugeben, dass das Endergebnis nicht getreu rekonstruiert werden konnte, und erklärten den Abschluss dieses Monats für ungültig. Niemand nahm es allzu übel: Es war schließlich nur ein Simulator, und die Lektion über die Fragilität von Börsenaufzeichnungen gab es gratis dazu.

Die Versuchung, den Sprung zu echtem Geld zu wagen

Viele Teilnehmer kamen mit dem gleichen Plan zum Simulator: testen, Erfahrung sammeln und, wenn alles gut läuft, echtes Geld einsetzen. Dieser Plan war genau der, den einige Veteranen abrieten. «Mit echtem Geld zu handeln ist etwas anderes», warnte jemand mitten in der Challenge, und er lag nicht falsch.

Der Simulator erlaubt es, zu wiederholen, zu korrigieren und mit einem +45 % in zwei Tagen anzugeben, ohne etwas zu riskieren. In der Realität kann derselbe Trade ein Monatsgehalt kosten. Mehrere Beteiligte gaben am Ende zu, dass der virtuelle Crash ihnen als Impfstoff gedient hatte: Lieber mit imaginärem Geld lernen als mit der Hypothek. Der Abstand zwischen Simulator und echtem Konto ist nicht technischer, sondern emotionaler Natur.

Angesichts der Zinssätze und der Volatilität, die weiterhin für Schockmomente sorgen, sollte jeder, der wieder einen Simulator nutzt, ihn genauso ernst nehmen wie zuvor. Auch wenn kein Euro riskiert wird, kann die Lektion teurer sein als gedacht. Und falls die Server erneut ausfallen, sollte man wissen, dass verlorene Historie niemand zurückbringt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (585 Antworten).

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