Bierkonsum sinkt um 4,9% pro Kopf trotz alkoholfreier Varianten

Der Bierabsatz ging 2024 um 0,2% zurück, der Pro-Kopf-Verbrauch um 4,9%. Alkoholfreie Biere wachsen, können den Generationenwechsel jedoch nicht ausgleichen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bierkonsum sinkt um 4,9% pro Kopf trotz alkoholfreier Varianten
Alkoholfreies Bier reicht nicht: Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt um 4,9%

Warum trinkt die am besten über Alkohol informierte Generation am wenigsten davon und greift dennoch nicht zur alkoholfreien Alternative? Die Daten für 2024 geben nur teilweise Antwort. Der Bierabsatz fiel um 0,2% auf 38,6 Millionen Hektoliter, das zweite Jahr in Folge mit Rückgang seit der Krise von 2008. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank drastisch um 4,9%, von 55,5 auf 52,8 Liter pro Person. Auch der Gastronomiebereich, der oft höhere Margen bietet, verzeichnete ein Minus von 2%. Das Engagement von Mahou, Heineken, Damm oder Estrella Galicia für 0,0%-Produkte konnte das Loch nicht stopfen: Alles «Alkoholfreie» wächst, doch die Branche insgesamt verliert.

Wie stark ist der Bierkonsum in Spanien eingebrochen?

Der sozioökonomische Bericht der spanischen Bierbranche 2024, erstellt vom Verband Cerveceros de España gemeinsam mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, zeichnet ein Bild einer Industrie, die zum zweiten Mal in Folge Volumen verliert – etwas, das seit 2008 nicht mehr vorkam. Die Gastronomie, wo das Glas Bier teuer zu stehen kommt, büßte 2% ein und liegt nun bei 19,2 Millionen Hektolitern. Der Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs um fast fünf Prozentpunkte ist deutlich höher als der Rückgang des Gesamtumsatzes.

Die einzige Altersgruppe, die stabil bleibt, sind die Über-50-Jährigen. Darunter ist der Rückgang quer durch alle Schichten verbreitet; bei den 18- bis 30-Jährigen deutet sich ein Wandel der Gewohnheiten an: Mehr als die Hälfte der volljährigen jungen Menschen gibt an, ihren Alkoholkonsum reduziert zu haben.

Alkoholfreies Bier wächst, kompensiert aber nicht

Alle alkoholfreien Sorten legten zu. Die Theorie war einfach: Wenn junge Leute keinen Alkohol trinken, trinken sie eben alkoholfrei. Doch das stimmt nicht ganz. Einige sehen ein Produktproblem – billiges 0,0%-Bier schmeckt gleich, egal welche Marke, und die besseren Versionen kosten im Supermarkt fast 2 Euro pro Flasche –, während andere den Sinn infrage stellen: Wer keinen Alkohol will, warum dann Bier? Andere verteidigen es als Option für Autofahrer: Wer etwas anderes als Wasser oder Limonade braucht, aber keinen positiven Atemtest riskieren kann.

Es gibt Leben jenseits des Liters, argumentieren weitere Stimmen: Alkoholfreies Bier funktioniert eher als Begleitgetränk denn als Ersatz für den Krug. Es ist ein Geschäft, aber nicht dasselbe Geschäft.

Warum trinken junge Leute weniger Bier?

Hier herrscht Uneinigkeit. Eine Strömung führt es auf Gesundheit zurück: Fitnessstudio, Kalorienbewusstsein, bessere Aufklärung über Alkoholrisiken und eine sinkende gesellschaftliche Toleranz. Ein anderer Ansatz zielt auf Preis und Freizeitverhalten: Ein Gin Tonic für 10 Euro, ein kleines Bier (Tercio) für 4 Euro, Partytrinken mit Hochprozentigem im Park, weil Bier nicht wärmt, Verkehrskontrollen nachts und Abende, die nicht mehr in Clubs enden.

Eine dritte Gruppe zeigt auf den gewandelten Kontext: Junge Leute sozialisiert online, treffen sich seltener und wenn, dann gehen sie zum Bowling, Volleyball oder Schwimmen. Da Trinkgewohnheiten in der Jugend und an der Bar geprägt werden, entwickelt ein Teenager, der keine Bars frequentiert, diese Gewohnheiten gar nicht erst. Manche nennen einen vierten, für die Branche unbequemen Faktor: den rein demografischen. Jedes Jahr gibt es weniger junge Menschen, da die Bevölkerungspyramiden invertiert sind, und das drückt den Konsum jedes Produkts, das mit diesem Alter assoziiert wird.

Was kostet ein Abend unter Freunden?

Die im Diskurs genannten Preise erklären einen großen Teil des Rückgangs. Ein Longdrink: 10 Euro. Ein kleines Bier in der Bar: 4 Euro. Eine Cola am Tisch: 3,50 Euro. Der Kontrast zeigt sich an den Extremen: Eigenmarken-Bier im Supermarkt kostet 32 Cent pro Dose, ungefiltertes Markenbier 0,80 Euro, ein halber Liter Krug in einer bekannten Sandwichkette 2 Euro. In Sevilla kosten Tank und Shorty 1,70 Euro, ein Glas Sidra im Zentrum 2,20 Euro. Wer ausgeht, zahlt viel; wer nicht ausgeht, trinkt nicht.

Die wiederkehrende Schlussfolgerung ist für die Branche unangenehm: Wer rechnet, versteht, warum die Supermarktflasche der Bar den Rang abläuft.

Wein und Spirituosen schwächeln ebenfalls

Der Einbruch betrifft nicht nur Bier. Laut dem Bericht von Espirituosos España fielen die Verkäufe von Rum, Gin, Wodka und Whisky 2024 um 3,7% auf 180 Millionen Liter. Die Branche führt dies auf wirtschaftliche Instabilität und Zollspannungen zurück, doch ihr geschäftsführender Direktor räumte ein Problem mit jungen Leuten ein, «ein Segment, das wir nicht erobern können». Weinproduzenten setzen meanwhile auf Musikfestivals mit leichteren, alkoholärmeren Weinen und bieten zunehmend alkoholfreie Versionen an.

Ersetzen junge Leute Alkohol durch andere Substanzen?

Nicht unbedingt, aber Ersatzstoffe sind aufgetaucht. Im Diskurs heißt es häufig, Energy Drinks seien zum sozialen Standardgetränk der Jüngsten geworden, mit Koffein und Zucker. Manche behaupten, dass bei einem Teil der jungen Leute verdampftes Hierba – neuer Generation, online gekauft – Joint und Bierflasche ersetzt, auch wenn Aussagen über angebliche Rückstandsfreiheit nicht verifiziert sind. Andere weisen darauf hin, dass vor dem Hintergrund des Konsums von Psychopharmaka jene Ängste, die früher mit Alkohol betäubt wurden, nun medikamentös behandelt werden. Das Bild des abstinenten, gesunden Jugendlichen koexistiert mit dem desjenigen, der einfach sein Gift gewechselt hat.

Ein totaler Langweiler, fasste jemand zusammen. Und genau das könnte passieren: Die Branche hat nicht einen Kunden verloren, sondern eine Gewohnheit.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (210 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver