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Barcelona: Mieterprotest gegen hohe Mieten und drohender Mietstreik
Tausende demonstrieren in Barcelona für eine Halbierung der Mieten, während das Angebot schrumpft und ein Mietstreik diskutiert wird.
Tausende fordern in Barcelona die Halbierung der Mieten
Katalonien ist die einzige autonome Gemeinschaft Spaniens, die Mietpreisbremsen anwendet. Hier gingen am 23. November 2024 erneut Tausende auf die Straße, um gegen die hohen Mietpreise zu protestieren. Der Aufruf des Mietergewerkschaftsverbands (Sindicato de Inquilinas), unterstützt nach Angaben der Organisation von bis zu 4.000 Bürgervereinen, versammelte Anwohner aus ganz Katalonien unter einem klaren Motto: „Schluss damit! Senkt die Mieten“. Die Sprecherin der Gewerkschaft, Carme Arcarazo, sprach von einem „historischen“ Protest und einem Wendepunkt.
Die Paradoxie ist erheblich. Wo es Regulierungsinstrumente gibt, war der Markt oft schneller: Katalonien verfügt über keine Sanktionsmechanismen oder Inspektionen zur Durchsetzung der Normen, und ein großer Teil des Angebots wurde auf kurzfristige Monatsmieten umgestellt, um die Regeln zu umgehen. Der Marsch in Barcelona folgt auf Demonstrationen in Madrid am 13. Oktober sowie in Málaga und Sevilla.
Was fordert die Wohnungs-Demonstration in Barcelona?
Vier konkrete Forderungen: Mieten halbieren, unbefristete Verträge, Leerstand, touristische und Saisonwohnungen für Wohnzwecke zurückholen und Immobilien verbieten, die nicht dem Wohnen dienen. Dahinter stehen 30 organisierte Kolonnen, die das reale Ausmaß des Problems aufzeigen: Stadtteile in Barcelona und Umgebung, Pyrenäengemeinden mit bis zu 90% Zweitwohnsitzen, Küstenorte wie Costa Daurada und Brava, wo Tourismusarbeiter keinen Wohnraum finden, sowie Städte wie Tarragona, Girona, Reus und Salt.
Die Botschaft der Sprecherin verband finanzielle Sorgen mit Politik: „Genug davon, die Hälfte unseres Gehalts für Wohnen auszugeben“, sagte sie und warnte Amtsträger vor „Ausreden bezüglich Zuständigkeiten“. An dem Marsch nahmen gewählte Vertreter von Comuns, ERC und CUP teil.
Ist ein Mietstreik möglich?
Ein Mietstreik steht zur Debatte. Seit 2018 haben Bewohner großer Mehrfamilienhäuser und Objekte von Multi-Eigentümern teilweise Zahlungen für als illegal oder missbräuchlich eingestufte Mieterhöhungen verweigert, was zu Gerichtsverfahren führte. Im Gegensatz zu einem offiziellen Streik fehlt dieser jedoch die rechtliche Anerkennung, was Risiken birgt: Nichtzahlungen können zu Zwangsräumungen und einer Überlastung der Justiz führen.
Das Observatorio de la Empresa y la Sociedad (OESA) schätzt die Auswirkungen: Ein Mietstreik könnte das Wohnungsangebot um 20% reduzieren, genau das Gegenteil dessen, was die Demonstranten wollen. Kritiker argumentieren, dass dieses 20%-Angebot ohnehin größtenteils bereits nicht mehr im regulären Wohnungsmarkt verfügbar sei.
Warum wird in Spanien kein bezahlbarer Wohnraum gebaut?
Die bitterste Tatsache betrifft Katalonien. Die Vorschriften verpflichteten Entwickler, 30% der Projekte mit mehr als 16 Wohneinheiten für sozialen Wohnungsbau vorzusehen. Das Ergebnis laut wiederholten Analysen: Es wurden kaum noch Projekte mit mehr als 15 Einheiten realisiert. Die Regel senkte nicht die Preise, sondern änderte die Größe der Bauprojekte.
Daraus ergibt sich ein breiteres Bild. Einige sehen knappen Boden, restriktive Bauvorschriften und geringe zulässige Gebäudehöhe als strukturelle Hindernisse. Andere meinen, dass Kapital, das aus dem Immobiliensektor abfließt, keine attraktiven Alternativen findet und daher wartet. Eine dritte Gruppe betont, dass ein Teil des Bestandsangebots einfach vom Markt genommen wird, bis sich das regulatorische Umfeld verbessert.
Rendite, leerstehende Wohnungen und schwindendes Angebot
Die Rechnung kleiner Vermieter wird selten publiziert, erklärt aber viele leere Wohnungen. Ein Investor beschreibt umgenutzte Gewerbeobjekte oder Erdgeschosswohnungen, die er für je 250.000 Euro kaufte: Bei 500 Euro monatlicher Miete decke dies nicht die Renditeerwartung; er ziehe es vor, die Objekte leer stehen zu lassen, statt zu niedrigen Preisen zu vermieten. Hinzu kommen Nebenkosten wie Hausgeld, Versicherung, Sonderumlagen, Verwaltungskosten und Mietausfälle.
Ein weiterer zirkulierender Fall: Eine 120-Quadratmeter-Wohnung mit Garage und Pool nahe Madrid Río steht seit über drei Jahren leer. Die Gegend hat sich um mehr als 30% verteuert, und der Eigentümer plant den Verkauf, nicht die Vermietung. Wenn eine Wohnung im Leerstand mehr bringt als bei Vermietung, verschwindet das Angebot.
Der demografische Faktor
Hier spaltet sich die Debatte. Eine Strömung argumentiert, dass die alternde Bevölkerung mittelfristig Wohnraum freisetzen werde – oft wird das japanische Beispiel mit symbolisch günstigen Wohnungen angeführt. Die Gegenposition besagt, dass Migration die Nachfrage weiterhin hoch hält oder sogar steigert und beide Phänomene sich nicht ausgleichen.
Auf lokaler Ebene ein städtischer Datenpunkt: Die Stadtverwaltung Barcelona meldet über 5.900 Personen, die in derselben Immobilie gemeldet sind. Bei dieser Dichte greift eine reine Preisdiskussion zu kurz.
Mit Regulierung nur in einer Region, fehlenden Sanktionen, einem drohenden Mietstreik und einem schrumpfenden Angebot stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich der Markt anpassen wird, sondern auf wessen Kosten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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