Ayuso wiederholte das erste BUP-Jahr: Sie war keine Ausnahme
Ein hölzerner Schulbank mit Deckel, ein Lateinbuch und ein Vierzehnjähriger, der das Schuljahr von vorne beginnt. Diese Szene wiederholte sich Anfang der Neunziger in tausenden Instituten. Eines davon besuchte Isabel Díaz Ayuso, heute Präsidentin der Comunidad de Madrid (Region Madrid), die das erste Jahr der BUP wiederholte und dies in mehreren Interviews selbst erzählte: Sie habe sich „abgelenkt“ gefühlt, sei eine rebellische Jugendliche gewesen. Es gibt keinen journalistischen Skandal. Es ist eine alte Information, die regelmäßig auftaucht und immer noch schmerzt.
Die Reaktion spaltet sich in zwei vorhersehbare Lager. Das eine behauptet, dass die Akte vor drei Jahrzehnten nichts über den heutigen Menschen aussagt. Das andere nutzt sie als Munition für eine größere Kritik: an einer politischen Klasse, die mit Meriten prahlt, während sie Personen in Führungspositionen bringt, deren Kompetenz infrage gestellt wird. Mitten drin liegt ein unbequemes Detail: Kaum jemand, der dieses System durchlief, verteidigt es heute.
Was war das erste BUP-Jahr und warum wiederholten so viele?
Das erste Jahr der BUP (Bachillerato Unificado Polivalente) war der Einstieg in die damalige Sekundarstufe: Drei Jahre nach dem achten Jahr der EGB (Grundschule) und vor dem COU (Voruniversitärer Kurs) und der Selectividad (Zugangsprüfung zur Universität). Latein kam im zweiten Jahr. Das erste Jahr fungierte als Filter; viele fielen durch. Der Wechsel von der Grundschule zum Institut fiel zudem, laut einigen Berichten, mit dem Übergang von geschlossenen Schulen zu gemischten Klassen zusammen: Eine ganze Klasse von Jungs, die bis vierzehn kaum Kontakt zu Mädchen hatten, landete plötzlich in gemischten Räumen mit Schülerinnen aus Mädchenschulen. In diesem Jahr fielen die Leute wie Fliegen, fasst eine verbreitete Beschreibung zusammen. Nicht wegen mangelnder Intelligenz: wegen Hormonen, Chaos und weil niemand ihnen beigebracht hatte, wie man lernt.
Es lohnt sich, den Kontext zu erinnern: Ein Jahr zu wiederholen hatte damals nicht das symbolische Gewicht wie heute. Es war eine normale Möglichkeit des Systems, kein Verdikt.
Wiederholen mit 15 sagt nichts über den Lebenslauf mit 40
Dies ist das häufigste Argument, oft aus erster Hand. Manche wiederholten das erste BUP-Jahr zweimal und meisterten danach alle weiteren Kurse problemlos: Der Grund, sagen sie, war, dass sie nie lernen mussten und keine Gewohnheiten hatten. Andere berichten, dass das Jahr durch eine riskante Familienoperation gestört wurde, die Lehrer bestanden ließen und daraus ein Studium und ein gutes Gehalt folgten. Ein dritter Fall scheiterte an Physik und Chemie im zweiten Jahr, bestand im September, erreichte gute Noten bei der Selectividad und schloss mit Studium, Master und fünf Sprachen ab. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Jemanden nach seinem Zustand mit 15 Jahren zu beurteilen, sagt mehr über den Richter als über den Beurteilten.
Die Übereinstimmung ist auffällig, da sie von denen kommt, die wiederholten, von denen, die nicht wiederholten, und von denen, die einzelne Fächer bestanden. Niemand verteidigt die Schulakte als Maßstab für alles.
Das Niveau der Politik: Das Argument, das die Debatte lenkt
Hier hört die Schulakte auf, relevant zu sein, und eine andere Diskussion beginnt. Wenn Wiederholen mit 15 nichts bedeutet, warum stört es dann? Weil es eine breitere These nährt: Dass das durchschnittliche Niveau der Regierenden miserabel ist und das Problem nicht parteipolitisch, sondern systemisch ist, wobei PP und PSOE gleichermaßen kritisiert werden. Die Kritik zielt nicht auf das wiederholte Jahr, sondern darauf, dass vom Bürger Meritokratie verlangt wird, während andere auf weniger akademischen Wegen nach oben kommen.
In diese Richtung wird Vergleichen gefordert. Bevor man sich über fremde Akten empört, sollte man die Noten – oder deren Fehlen – anderer Politiker betrachten. Namen aus der PSOE wie Patxi López oder Iceta werden genannt, ohne dass Dokumente vorgelegt werden. Es ist eine Forderung, kein Beweis. Und es gibt eine unangenehmere Variante: Wenn Ämter an Personen ohne nachweisbare Qualifikation vergeben werden, ist die Demütigung nicht das Amt, sondern der Vorwand, mit dem es gerechtfertigt wird.
Warum taucht eine bekannte Schulakte wieder auf?
Weil der Kalender es so will. Ein Teil der Leser sieht darin einen fabrizierten Streit, um wichtigere Dinge zu verdecken, während die öffentliche Aufmerksamkeit abgelenkt wird. Ein anderer Teil fokussiert auf die Methode: Wie weit darf die Presse in akademische Daten einer Person eindringen, auch wenn sie öffentlich ist, und wo liegt die Grenze zwischen öffentlichem Interesse und Bloßstellung? Die gängigste Verteidigung lautet: Es war bekannt, sie hat es selbst gesagt. Stimmt. Und das ist vielleicht der aufschlussreichste Teil, denn er deutet darauf hin, dass solche Nachrichten nicht konsumiert werden, um sich zu informieren, sondern um sich bestätigt zu fühlen.
Titelwut als sozialer Thermometer
Eine tiefere Lesart geht über die Person hinaus: Die Titulitis (Obsession mit Abschlüssen) als Form der Verachtung. Jahrzehntelang diente das an der Wand hängende Diplom dazu, jene zu trennen, die studieren konnten, von jenen, die es nicht durften. Diese Stufe ist von unten weggebrochen – kein Titel garantiert mehr ein Gehalt – während sie oben weiterhin als Passierschein funktioniert. Daher wird ein wiederholtes Jahr mit 15 zur Waffe: Einige nutzen es zur Diskreditierung, andere zur Selbstbehauptung. Alle reden eigentlich über dasselbe: Wer verdient es, dort zu sein, wo er ist?
Hier liegt die verwirrende Tatsache: In diesem System gab es Leute, die das erste BUP-Jahr dreimal wiederholten – es gibt einen umgangssprachlichen Begriff dafür, tripititió – und erzählen heute lachend davon, ohne dass es sie behindert hat. Ayuso tat es einmal. Wenn die Zahl etwas bedeutet, dann nicht, um Intelligenz-Ausweise zu verteilen, sondern um daran zu erinnern, dass das Foto eines Zeugnisses mit 14 und das eines Büros mit 40 nichts miteinander zu tun haben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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