Awdijiwka: Die Belagerung, die die Donbas-Front brechen könnte

Russland hat die Hügel nördlich von Awdijiwka und das Dorf Wessjoloje eingenommen. Der Fall dieser urbanen Festung könnte die Donbas-Front bis zum Dnepr öffnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Awdijiwka: Die Belagerung, die die Donbas-Front brechen könnte
Awdijiwka: Die Festung, die die Donbas-Front hält

Russische Truppen haben die Hügel nördlich von Awdijiwka und das Dorf Wessjoloje eingenommen, so die Meldungen, die aus dem Gelände kursieren. Dazu kommt in der letzten Woche eine intensive Kampagne von Luftangriffen auf die Stadt selbst. Awdijiwka ist kein gewöhnliches Dorf: Es ist eine urbane Festung, die seit 2014 als Bollwerk ausgebaut wurde, mit rund 35.000 Einwohnern vor dem Krieg, direkt an Donezk gelegen und acht Jahre lang als Plattform für Nadelstiche gegen die Regionalhauptstadt genutzt.

Wer die Front aufmerksam verfolgt, weiß, dass die Achse Bachmut–Torezk–New York–Awdijiwka–Marinka–Wuhledar die erste ukrainische Verteidigungslinie bildet. Das ist kein offenes Gelände: Es ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen Europas, eine Kette von Städten und Vororten, die fast aneinander grenzen. Dort wurde die Verteidigung fast ein Jahrzehnt lang organisiert. Fällt dieser Ring, bietet das Gelände bis zum Dnepr kaum städtische Positionen, um den Trick zu wiederholen.

Warum Awdijiwka wichtiger ist als Bachmut

In den Analysen heißt es, die Einnahme von Awdijiwka würde schwerer wiegen als die von Artemiwsk (Bachmut). Der Grund ist geometrischer Natur: Bachmut und Soledar bildeten bereits einen Verteidigungsknoten, und der Fall von Soledar ermöglichte die Einkesselung der Stadt. Awdijiwka fungiert als nördlicher Anker eines Systems, das sich nach Süden erstreckt. Wird dort die Front durchbrochen, liegt der Rücken der übrigen Städte der ersten Linie offen.

Manche erinnern an das Beispiel Mariupol. Als die Ukrainer Wolnowacha verloren, schickten sie massive Verstärkungen, um sie zurückzuerobern, denn ohne diesen Knoten konnten sie weder Offensiven aus Donezk aufhalten noch den Kessel befreien. Die Situation wiederholt sich, mit Abstrichen.

Die zweite Linie und das Problem der Städte, die nicht existieren

Die zweite Verteidigungslinie stützt sich auf Kramatorsk und Slowjansk, doch dort ist der Abstand zwischen den urbanen Zentren größer. Slowjansk liegt zudem in einer Senke, was seine Verteidigung erschwert. Weiter hinten, Richtung Fluss, ist das Gelände offenes Land mit verstreuten Dörfern. Gräben kann man ausheben; Städte kann man nicht aus dem Boden stampfen.

Die optimistischste Rechnung für Moskau geht davon aus, dass der Ukraine keine Zeit bleiben wird, das Verbleibende gründlich zu befestigen. Das pessimistische Szenario erinnert daran, dass acht Jahre Bauarbeit sich nicht in wenigen Monaten improvisieren lassen und dass jede neue Linie mit weniger Männern, weniger Munition und immer grüneren Rekruten gebaut wird.

Der Verschleiß und der Krieg der Zahlen

Über die menschlichen Kosten kursieren widersprüchliche und schwer überprüfbare Zahlen. Die Rede ist von Zehntausenden Verlusten an der Bachmut-Achse und einem ständigen Strom von Ersatz. Ein Teil der Analyse behauptet, Kiew füttere den Fleischwolf gerade deshalb, um Zeit zu gewinnen und die nächste Linie zu bauen. Eine andere Richtung hält dagegen, dass die Erschöpfung beidseitig ist und die russische Fähigkeit, Zangen zu schließen, weiterhin begrenzt bleibt.

Der am häufigsten gezogene Vergleich ist Verdun: eine Abnutzungsschlacht auf befestigtem Gelände, mit Vorrücken um Meter und unverhältnismäßigen Kosten. Der Vergleich mit Stalingrad wird wegen der Größenordnung verworfen, doch die Logik des Fleischwolfs ist dieselbe.

Was passiert, wenn der Ring fällt

Die Hypothese, die an Gewicht gewinnt, besagt, dass ein Durchbruch bei Awdijiwka den Rest der ersten Linie im Kaskadeneffekt mitreißen würde. Ohne diesen Knoten wären die Stellungen im Süden vom Rücken her bedroht. Von dort an begünstigt das Gelände den Angreifer: weniger urbane Zentren, mehr offenes Land, Flüsse als natürliche Grenzen und sehr wenige Positionen, um sich zu befestigen.

Die offene Frage ist, ob das ausreichen würde, um die Donbas-Kampagne für beendet zu erklären, oder ob das Problem nur auf die nächste Linie verschoben würde. Darüber gibt es keinen Konsens, und die Front bewegt sich weiter.



Wichtige Fakten

  • Awdijiwka: rund 35.000 Einwohner vor dem Krieg.
  • Bachmut: etwa 70.000 Einwohner.
  • Befestigung des Gebiets: seit 2014.
  • Verteidigungsachse: Bachmut–Torezk–New York–Awdijiwka–Marinka–Wuhledar.

Das vollständige Gespräch, mit Karten von Bahnlinien, Geländevergleichen und dem Detail, warum Slowjansk 2014 als Position ausschied, findet sich im Originalmaterial. Dort wird Stadt für Stadt erklärt, was verloren geht und was nicht, wenn ein Knoten dieses Netzes fällt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (66 Antworten).

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